Rosenheimer Infomail November 2009

Lasst uns feiern...

Mit dem November steht wieder der Volkstrauertag vor der Tür. Ob Feiern
oder Abkotzen, wir bieten gleich mehrere Abwehrstrategien gegen „Ich
hatte einen Kameraden“ und deutsche Heldenscheisserei: Beim Good Night
White Pride (Sa, 07.11., Vetternwirtschaft) gibt’s einmal mehr
entspannende Hardcore Klänge. Wir werden Punchline & Co. dabei bitten
nicht zu leise zu spielen: Es soll ja niemand zu verschlafen wirken beim
Gelöbnis in Brannenburg am Donnerstag (12.11.) und am Antifa-Action-Day
in München am darauf folgenden Samstag (14.11.).
Auch „Der Politische Film“ am kommenden Sonntag (01.11., 20.00 Uhr
Vetternwirtschaft) steht im Zeichen des Militarismus. „Ein Lied für
Agyris“, zeigt die Geschichte eines Jungen aus Distomo, wo deutsche
Truppen 1944 ein Massaker verübten.
Der November ist denn auch der Tag, in dem dieses verflixte Datum, der
09.11., fällt. Weil es zumeist vergessen wird, sei darauf verwiesen,
dass 1918 die Räterepublik in Berlin durch Karl Liebknecht ausgerufen
wurde. Das ist aber das einzig positive, was dieser Jahrestag zu bieten
hat. Ansonsten steht er für Hitler-Ludendorff-Putsch (1923), Gründung
der SS (1925), die Erschießung Schweizer Antifaschisten (1932) und vor
allem: die Reichspogromnacht oder treffender die Novemberpogrome (1938).
Die DGB Jugend lädt deshalb am Sonntag, den 08.11. zu einer
Gedenkveranstaltung in der KZ-Gedenkstätte Dachau ein (15.00 Uhr,
http://www.dgb-jugend-bayern.de/demokratie-und-courage/gedenkveranstaltungen.html)

Ansonsten haben wir wieder jede Menge weitere Infos und Termine gegen
kapitalistischen Normalbetrieb zusammengestellt. Lest einfach selbst und
macht mit.

... denn jede Party ist wichtiger als Deutschland!

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                    Inhaltsverzeichnis
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 1.  So, 01.Nov: Der Politische Film – Ein Lied für Argyris

 2.  Sa, 07.11.: Good Night White Pride (Hardcore Konzert)

 3.  Militär-Helden und Volks-Trauer-Nazis – Refuse/Resist!
 a)  Do, 12.11.: Öffentliches Gelöbnis in Brannenburg
 b)  Sa, 14.11.: Antifa Action Day gegen „Heldengedenken“
 c)  Kriegsgräberfürsorge: Professionelles Umtopfen und Nazi-Verehrung
 d)  DGB: „Schluss mit dem Krieg in Afghanistan“

 4.  Klassenkampf
 a)  Nbg: Die Krise im Alltag präsent machen
 b)  Endlich, der Aufschwung?
 c)  Syndikalistisch Wohnen in Altötting
 d)  IGM: Berthold Huber Gedächtnis-Kategorie
 e)  30./31.10: Kongress der Gewekschaftslinken (Stuttgart)
 f)  Mexico: Millionenproteste gegen Privatisierungspolitik
 g)  Kirchendienste: Himmlisches Streikverbot

 5.  Antirassismus
 a)  „Wir haben ihn nicht kontrolliert, weil er Ausländer ist“
 b)  Review: Antilagertage in Schongau

 6.  Repression und Repressionsorgane
 a)  Freedom for Mumia!
 b)  Urteil im MG-Prozess
 c)  „Polizeispiegel“ lobt die NPD
 d)  ARD erteilt Rote Hilfe Mitglied Auftrittsverbot

 7.  Bildungsproteste
 a)  Bildungsstreik in Oberbayern!
 b)  Unibrennt in Österreich
 c)  Don't be used as scap! Soli mit Streikenden im UK...

 8.  Von Tausenkreuzlern und anderen Abtreibungsgegner_innen.
 a)  Sa, 07.11.: Salzburg: Kundgebung am LKH
 b)  Review: 1000 Kreuze Märsche in München und Berlin

 9.  Temine

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 1. So, 01.Nov: Der Politische Film – Ein Lied für Argyris
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Kommeno, Kephallonia, Distomo, diese Namen stehen für Orte in
Griechenland, in denen Gebirgsjäger der Wehrmacht und die Waffen-SS
Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung oder an Kriegsgefangenen verübt
haben. In Zeiten zunehmender Militarisierung und Abfeiern der Bundeswehr
durch öffentliche Gelöbnisse wollen wir mit dem Film „Ein Lied für
Argyris“ einen Blick auf die verdrängte Geschichte unseres Landes werfen.
Distomo. Ein kleines Bauerndorf, ein Steinwurf vom Meer entfernt, an der
Straße von Athen nach Delphi. Hier überlebt der kleine Argyris, noch
keine vier Jahre alt, am 10. Juni 1944 ein brutales Massaker der
deutschen Besatzungsmacht: Eine so genannte «Sühnemaßnahme» einer
SS-Division als Reaktion auf einen Partisanenangriff in der Gegend.
Innerhalb weniger als zwei Stunden werden 218 Dorfbewohner umgebracht –
Frauen, Männer, Greise, Kleinkinder und Säuglinge. Argyris verliert
seine Eltern und 30 weitere Familienangehörige.
Mehrere Jahre verbringt der Knabe in Waisenhäusern rund um Athen, unter
Tausenden von Kriegskindern. Da taucht eines Tages eine Delegation des
Roten Kreuzes auf und sucht eine info@unibrennt-salzburg.orgHandvoll
Kinder aus für eine weite Reise in ein fernes Land. Argyris will
unbedingt mitgehen. Und so kommt er in die Schweiz, ins Kinderdorf
Pestalozzi nach Trogen.
Argyris Sfountouris, heute 66 Jahre alt, ein Mann von gewinnendem Charme
und melancholischer Heiterkeit, hat sich Zeit seines Lebens mit dem
Wahnsinn auseinandergesetzt, der ihm als Kind widerfahren ist. In einer
«Tagung für den Frieden» beispielsweise hat er über Wege sinniert, wie
aus diesem Teufelskreis der Gewalt ausgebrochen werden könnte. Er hat
versucht, nicht etwa innerlich damit «fertig» zu werden, mit seinem
Kindheitserlebnis «abzuschließen», sondern viel eher damit leben zu
lernen und nach außen etwas zu bewirken.
Ein Film über den Umgang mit persönlicher Trauer, – und über den Umgang
mit historischer Schuld.
Beginn 20:00 Uhr in der Vettern Eintritt frei

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 2. Sa, 07.11.: Good Night White Pride (Hardcore Konzert)
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Am Samstag, den 07. November 2009 findet unter dem Motto "good night --
white pride" in der Rosenheimer Vetternwirtschaft ein Hardcorekonzert
"gegen rechts" statt. Hardcore - das ist eine Musikrichtung zwischen
Punk und Metal. "good night white pride" ist eine Kampagne von
Mitgliedern der Hardcoreszene, die sich gegen Rassismus und Faschismus
wendet. Das jährlich stattfindende Event unterstützt die
antifaschistische Arbeit der Infogruppe Rosenheim. In diesem Jahr treten
PUNCHLINE (Innsbruck), BURN THE BRIDE ON SUNDAY (Rosenheim) und MADNESS
20 (Chiemgau) auf.
Mit "Punchline" ist es gelungen, eine der dienstältesten und
bedeutendsten österreichischen Hardcorebands nach Rosenheim zu holen.
Seit mittlerweile über 12 Jahren sind die fünf Jungs aus Tirol in der
europäischen Hardcoreszene vertreten  Sie spielen klassischen oldschool
Hardcore der alten Schule, mit einigen metallastigen Einflüssen.
Fachzeitschriften beschreiben sie öfters als die österreicheischen
"Madballs".
Nicht nur die Headliner von Punchline werden nach Angaben der
Veranstalter den Nebenraum der Vetternwirtschaft zum kochen bringen,
auch die Lokalmatadore von BURN THE BRIDE ON SUNDAY wollen dem Publikum
kräftig einheizen.
Die Musik der vier Rosenheimer lässt sich als Metalcore beschreiben. Sie
haben das Rad definitiv nicht neu erfunden, aber bringen eine frische
Brise in den Metalcore der Gegenwart. Die Band überzeugt vor allem durch
ihre energiegeladene Liveshow. Sie "geben 120% auf der Bühne, um ihren
Fans die Energie zu geben, die sie selbst aus der Musik schöpfen" heißt
es in einer Bandinfo.
Den Abend eröffnen werden um 20:00 Uhr "Madness 20". Die sechs Musiker
aus dem Chiemgau gelten als eine der größten regionalen Nachwuchsbands
in Sachen Hardcore-Metal.
Das Konzert am 07.11.09 wird von der Infogruppe Rosenheim organisiert
und von der Amadeu Antonio Stiftung unterstützt. Die Trägerschaft
übernahm der Verein für bodenständige Kultur e.V. Die Veranstaltung
beginnt ziemlich pünktlich um 20:00 Uhr.  Weitere und aktuelle Infos
gibt es auf der Homepage zum Konzert:
http://www.goodnight-whitepride.de.tf/

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 3. Militär-Helden und Volks-Trauer-Nazis – Refuse/Resist!
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Militarismus hat viele Ausdrucksformen und die Militarisierung einer
Gesellschaft kann auf vielen Ebenen erfolgen. Neben der
zivilmilitärischen Zusammenarbeit, der Präsenz der Bundeswehr in
Arbeitsämtern und an Schulen oder Konzerten der Musikkorps sind
Gelöbnisse im öffentlichen Raum ein Beitrag dazu. Dort, wo sie
stattfinden, darf die Bundeswehr im Inneren aufmarschieren und ein klein
wenig Polizei spielen. Der einzelne, junge Soldat wird in die
Öffentlichkeit gestellt; er soll dabei nicht nur stramm stehen bis es
den ein oder anderen Kameraden umhaut, sondern er gelobt, obwohl er
nicht müsste, und nicht zuletzt soll er sich schon wie ein viel
umjubelter Held im Rampenlicht fühlen. Derartige Erbauung wird umso
wichtiger, je reeller und damit widerlicher das Bild von den
Einsatzgebieten der Bundeswehr wird. Auch gegen viel Geld und trotz
ideologischer Vorprägung dürfte vielen Soldat_innen nämlich die Lust am
Krieg vergangen sein.
Ein weiterer Aspekt derartiger Erbauung sind die neuerdings (wieder
einmal...) zu verleihenden Tapferkeitsmedaillen und das intensivierte
Gedenken an im Dienst verstorbene Angehörige der Bundeswehr. Sie
erreichen dabei aber noch bei Weitem nicht die gesellschaftliche Breite
wie das Gedenken an die im Dienst verstorbenen Wehrmachtsangehörigen und
SS-Leute am so genannten Volkstrauertag (Sonntag, 15.11.09). Dieses ist
viel weniger ein Akt individueller Trauer um verstorbene
Familienangehörige denn ein Akt kollektiver Ehrerbietung gegenüber
denjenigen, die den Generalplan Ost umgesetzt haben, die in Süd- und
Südosteuropa unzählige Massaker verübt haben, die an der systematischen
Deportation und Vernichtung der europäischen Jüdinnen und Juden
mitgewirkt haben. Um diesen Zusammenhang, diese unpopuläre und schwer
verkäufliche Komponente des deutschen Militarismus auszublenden wird im
selben Zusammenhang einfach ein Gedenken an die Opfer der
Vernichtungspolitik der Nazis integriert. Diesen vermeintlichen
Widerspruch weiß der deutsche Volksgeist spätestens seit den
bahnbrechenden Thesen des damaligen Außenministers Joseph Fischer
(Bündnis 90 – Die Grünen) zukunftsweisend aufzuheben: Nicht trotz,
sondern gerade wegen Auschwitz muss Deutschland wieder Krieg führen!
Qualifiziertes Gedenken also als moralische Legitimation zur Kriegsführung.
Wir brauchen keine Prophet_innen sein, um vorhersagen zu können, dass
unter dem Motto „Kriegsgräber fordern Frieden“ auf jedem zweiten
Friedhof der Republik die Opferbereitschaft „unserer Soldaten“ in
Afghanistan gepriesen werden wird. Nur wenige Kommata und Halbsätze
trennen diese dann noch von den Opfern des Nationalsozialismus.
Offensichtliche Nazis stören aber unter Umständen dieses
Gesamtkunstwerk. Dass die Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit der
Angehörigen der ehemaligen Waffen-SS (HIAG) am Rosenheimer Friedhof
keinen Kranz mehr niederlegen darf, dass Nazis in München ihr eigenes
Heldengedenken organisieren müssen, ist dann mehr Kosmetik denn
inhaltliche Abgrenzung. Das Wesentliche ist nazistischem Heldengedenken,
gutbürgerlichem Volkstrauertag und öffentlichen Gelöbnissen nämlich
gemein: Die Faszination für Kriegshandlungen, das Einschwören auf die
Nation und die Glorifizierung deutscher Soldat_innen.

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 a) Do, 12.11.: Öffentliches Gelöbnis in Brannenburg
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„Donnerstag 12.11.2009 ab 17:00 Uhr - Letztes feierliches Gelöbnis in
Brannenburg vor dem Umzug 2010“, so wird auf
http://www.brannenburg.de/tourismus-freizeit/veranstaltungen.html das
vordemokratische Miltärritual eines öffentlichen Gelöbnisses beworben.
Ob es zu Protesten kommt, wenn an der „Brannenburger Freizeitanlage beim
Talbahnhof der Zahnradbahn“ die militaristische Propagandashow
stattfindet, ist uns nicht bekannt. Die Gewerkschaft ver.di hat
anlässlich des Gelöbnisses in München dazu aufgerufen „eine kritische
Öffentlichkeit herzustellen“ - diesen Aufruf möchten wir uns
anschließen. Wer die Öffentlichkeit sucht – muss sie ertragen.
Einen Bericht zu dem Gelöbnis gibt es auf „Brannenburg aktuell“:
http://brannenburg.blogsport.de/2009/10/06/muss-das-sein-oeffentliches-geloebnis-in-brannenburg/

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 b) Sa, 14.11.: Antifa Action Day gegen „Heldengedenken“
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Am Samstag, den 14.11.09 findet in München ein Antifa Actionday statt.
Nazis aus dem Spektrum der „Freien Nationalisten München“ (FNM) und der
NPD rufen für diesen Tag zu einem so genannten „Heldengedenken“ auf.
Nach dem Naziaufmarsch im letzten Jahr, der durch ein massives Aufgebot
von Polizist_innen1 durchgesetzt wurde, ist dies der zweite Versuch von
Münchner Nazis, einen Aufmarsch anlässlich des so genannten
„Volkstrauertages“ durchzuführen. Bei dieser Veranstaltung geht es ihnen
darum, Wehrmachts- und SS-Soldat_innen als „Helden“ zu verklären, ihre
millionenfachen Verbrechen zu relativieren und damit den
Nationalsozialismus offen zu verherrlichen.
Die Antifa Demo startet am Sa 14.11.09 um 10:30 Georg-Freundorfer-Platz
(U4/U5 Schwanthalerhöhe). Aktuelle Infos findet ihr auf
http://actiondaymuc.blogsport.de und die letzten aktuellen News erfahrt
ihr am Fr 13.11.2009 ab 18:00 Uhr im Kafe Marat (Thalkirchnerstr. 104/II).

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 c) Kriegsgräberfürsorge: Professionelles Umtopfen und Nazi-Verehrung
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Dr. Wolfgang Häberle kritisiert in einem Artikel für die GEW Bayern die
Arbeit des Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Er zeigt wie dieser
Verband zwischen Nazi-Verehrung und selbsternannter Friedensarbeit die
Unterschiede zwischen Verfolgten und Tätern des Nationalsozialismus
nivelliert:
http://gew-bayern.de/fileadmin/uploads/DDS-hefte/DDS09_09/Seite_13-15.pdf

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 d) DGB: „Schluss mit dem Krieg in Afghanistan“
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Wenn der DGB schon mal lobenswerte Dinge tut, dann sollen die nicht
unberücksichtigt bleiben. So fordert der DGB Oberpfalz Nord alle
Gewerkschafter_innen auf „für die Beendigung des Mordens in Afghanistan
zu kämpfen“. Weitergehend sind die Forderungen des DGB Fulda: Den Abzug
der Bundeswehr aus Afghanistan, das Verbot aller Waffenlieferungen und
die Bereitstellung von zivilen Arbeitsplätzen für Bundeswehrangehörige
sind die Kernforderungen seines Aufrufes.
Oberpfalz Nord: http://sulzbach-rosenberg.verdi.de/
Fulda: http://www.neues-deutschland.de/artikel/157474.klares-bekenntnis.html

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 4. Klassenkampf
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 a) Nbg: Die Krise im Alltag präsent machen
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„Die Krise ist da, es wird analysiert, diskutiert, auch mal demonstriert
aber im Großen und Ganzen kommt wenig Aktionismus von Links zum Thema
Krise.“ Dieser Einschätzung der Nürnberger Redside müssen wir leider
zustimmen und uns auch an der eigenen Nase packen. Dort werden nun
mehrere Wege gewählt, um die Auswirkungen der Krise im Alltag präsent zu
machen:

„Tatort Alltagskrise“ heißt ein Blog, der über kreative Aktionen an
verschiedenen Tat-Orten der Krise und der kapitalitischen Verhältnisse
berichtet. Die erste davon: 50 Autonome ziehen bei Ikea Fürth ein...
http://tatortalltagskrise.blogsport.de/

Das Sozialforum hält am kommenden Samstag, 31.10. ein Hearing zu der
aktuellen Krise des Kapitalismus statt. Ziel ist es, nicht die Krise
ökonomisch zu analysieren, sondern ihre Folgen zu diskutieren und vor
allem sich darüber auszutauschen, wie die sozialen Bewegungen vor dem
Hintergrund der Krise in die Offensive kommen können.
http://redside.antifa.net/cms/2009/10/25/zeit-der-krise-zeit-der-proteste/

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 b) Endlich, der Aufschwung?
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Hört doch auf mit eurer Krise! Manch eine_r hegt vielleicht Hoffnungen,
das Schlimmste sei überwunden. Es geht wieder aufwärts, kann es ja
eigentlich auch nur, jetzt, wo Westerwelles FDP uns regiert.
Für alle anderen ist vielleicht die aktuelle Wildcat eine interessante
Lektüre:
http://wildcat-www.de/wildcat/85/w85_edi.htm

Angesichts der aktuellen Konzentrationsprozesse und der wahrscheinlichen
Werksschließungen in Automobil- und Zulieferungsbranche können die
Werks- und Klassenkämpfe bei Fiat Ende der 1960er Jahre vielleicht
motivieren. Das Kapitel 3 der TheKla 15 mit dem Titel „Schichtwechsel:
Fiat und die ArbeiterInnen. Die Immigration - der Heiße Herbst - der
Waffenstillstand - die 35 Tage“ findet sich im Internet bei
http://www.wildcat-www.de/thekla/15/t15kap3.pdf
Wer nach der Leseprobe Interesse an einer neuaufgelegten Gesamtausgabe
hat, möge uns kurz benachrichtigen.

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 c) Syndikalistisch Wohnen in Altötting
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Die Häuser denen, die drin Wohnen. In Altötting ist es dem AMK mit Hilfe
des Mietshäusersyndikats gelungen, zwei ehemalige Arbeitermietshäuser
käuflich zu erwerben und so eine alternative Wohnform und einen Freiraum
zu gestalten. Doch lest selbst:
http://www.chiemgau-online.de/portal/lokales/trostberg-traunreut_Wohnen-geht-auch-anders-_arid,94433.html

Wens auch ankotzt Miete zu zahlen und isoliert in Wohnparzellen oder
Kleinfamilien zu wohnen, sollte sich mal das Mietshäusersyndikat genauer
anschauen. Für mehr Freiräume und kommunitäres Leben:
http://www.syndikat.org/

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 d) IGM: Berthold Huber Gedächtnis-Kategorie
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Berthold Huber hat Glück, dass wir nicht immer die Kapazitäten haben, um
alles zu schreiben, was zu kritisieren ist. Ansonsten könnten wir ihn
wohl jeden Monat hier im Infomail verreissen. In den Oktober
zurückblickend sei folgendes Aussage herausgegriffen:
"Ich sehe im Moment nicht, dass wir große Entgeltforderungen stellen
werden", sagte er der Stuttgarter Zeitung. (…)  Vielmehr würden die
Themen Beschäftigung, Verhinderung von betriebsbedingten Kündigungen und
Übernahme von Auszubildenden "die großen Herausforderungen sein, um die
es in der Tarifrunde geht".

Wunderbar! Die Kapitalseite kann sich dann schon einmal die Hände
reiben. Ein Streik in der Krise – das wäre ja auch zur Unzeit. Falls
Huber noch selbst glaubt, was er so von sich gibt, dann nimmt er die
Basis wirklich ernst: Er sei zutiefst überzeugt davon, dass dies dem
Gefühl vieler Mitglieder entspreche – schreibt die Frankfurter Rundschau:
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wirtschaft/aktuell/2040065_IG-Metall-Jetzt-gehts-nicht-mehr-nur-ums-Geld.html

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 e) 30./31.10: Kongress der Gewekschaftslinken (Stuttgart)
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Ganz anders als Huber sieht das wohl die Gewerkschaftslinke. Sie trifft
sich am kommenden Wochenende in Stuttgart unter dem Motto
„Gewerkschaftspolitik in der Krise – Kämpfen statt verzichten“.
Behandelt werden die Themen Selbstverständnis der Gewerkschaftslinken
vor dem Hintergrund der Krise; die Politik der Gewerkschaftsführungen in
der Krise und die Aufgaben der Gewerkschaftslinken; die Initiierung
einer gesellschaftlichen Bewegung für Arbeitszeitverkürzung.
http://labournet.de/GewLinke/index.html

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 f) Mexico: Millionenproteste gegen Privatisierungspolitik
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Die Privatisierungspolitik in Mexiko lässt sich nur noch mittels
Polizeigewalt durchsetzen. In diesem Kontext wurden die
Elektrizitätswerke CLF (Compañía de Luz y Fuerza del Centro) am Samstag,
10. Oktober zwangsaufgelöst und von Militärkräften umstellt.
Gegen diese Politik der Regierung richten sich Millionenproteste, zu
denen Labournet ein Materialsammlung bereithält:
http://www.labournet.de/internationales/mexiko/millionenproteste.html

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 g) Kirchendienste: Himmlisches Streikverbot
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„...Ob die Wahl des „dritten Weges“, bei dem die Arbeitsbedingungen in
Kommissionen und nicht durch Tarifverhandlungen festgelegt werden, das
Grundrecht auf Streik ausschließt, ist eine noch nicht geklärte
verfassungsrechtliche Frage. Vom ehemaligen Verfassungsrichter Kühling
wurde sie in einem Gutachten im Auftrag der Gewerkschaft Verdi verneint.
Unter Rechtsgelehrten ist die Frage umstritten. Umso erstaunlicher ist
es, wenn in Hessen und Nassau Beschäftigten kürzlich mit Abmahnung und
Kündigung für den Fall der Streikteilnahme gedroht wurde. Falls die
angeblich eindeutige Rechtslage von den Gerichten anders gesehen wird,
müsste sich der zweitgrößte Arbeitgeber dieses Landes den Vorwurf
gefallen lassen, systematisch im eigenen Interesse Grundrechte der
Beschäftigten verletzt zu haben.“
Artikel von Olaf Deinert in der FAZ vom 15. Oktober 2009
http://www.faz.net/s/Rub58EBCDAAD2C04B7F941FA15200727E44/Doc~E8658025D856741518BF76819684B0B54~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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 5. Antirassismus
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 a) „Wir haben ihn nicht kontrolliert, weil er Ausländer ist“
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Ein Gastbeitrag zum Alltagsrassismus in Rosenheim und Umgebung:

Das Leben in Deutschland kann schon hart sein, vor allem wenn man allzu
"türkisch" aussieht.

Ich stehe also gemütlich am Kolbermoorer Bahnhof, mein neuer Kollege
neben mir, als sich ein Dritter dazugesellt. Augenscheinlich arabischer
Abstammung bietet er mit schüchterner Stimme Geld für eine Zigarette an.
Anstandsgemäß schenkt mein Kollege ihm eine und ein Gespräch entsteht.
Als der Araber, der ab jetzt Ismael heißt allerdings nach dem Namen
meines Kollegen fragt, blockt dieser unhöflich ab. Ismael entfernt sich
ein paar Meter. Ich frage den Kollegen nach seinen Beweggründen. Die
Antwort ist oskarreif:" Ich mag keine Moslems, die sind alle gleich. Ich
war lange genug bei der Armee um das zu wissen. Wir sollten noch ganz
andere Kriege führen und neue Gesetze in Deutschland einführen,die zwar
keiner will aber was hilft es schon! Der Moslem wollte keine Kippe
haben, sondern uns ausspionieren!".........Der Zug fährt ein.

Fünf Minuten später...

Kaum aus der Rosenheimer Unterführung raus, sehe ich Ismael wieder.
Diesmal mit zwei Polizisten, die ihn kontrollieren. Da ich mich für
meinen Kollegen noch schuldig fühle, drehe ich um und frage die Beamten
nach dem Grund der Kontrolle(als ob ich es nicht wüsste). Nach
Beendigung der Kontrolle gibt mir ein Polizist in absurd höflichem Ton
die Auskunft:"Weil wir uns im 30 Kilometer Grenzgebiet befinden."
Daraufhin ich: "Und weil er Ausländer ist." Der Beamte wieder: "Wir
haben ihn nicht kontrolliert,weil er Ausländer ist, Sie könnten ja auch
einer sein!" Und weiterhin: "Wir kontrollieren im Grenzgebiet wer sich
hier legal oder illegal aufhält." (In Gedanken: ...um ihn gegebenfalls
gleich wieder abzuschieben.)

Doch wie ertragen Ismael oder andere, die in Ausgrenzung leben das!? Und
warum fragt sich keiner sowas?

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 b) Review: Antilagertage in Schongau
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Das Flüchtlingslager in der Kleinstadt Schongau (Landkreis Weilheim) ist
ein trauriges Beispiel für die bayerische Politik der Flüchtlingsabwehr:
60 Menschen leben in zwei maroden Holzbaracken weit außerhalb der Stadt,
mitten im Gewerbegebiet. In direkter Nachbar- schaft befindet sich ein
Tierheim. 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche, bellen Hunde. In den
Baracken ist es feucht und moderig, im Sommer ist es zu heiß und im
Winter zu kalt. Mehrere Personen, auch Familien, müssen sich jeweils ein
viel zu kleines Zimmer teilen. Die BewohnerInnen des Lager, insbesondere
die Kinder, leiden ständig an Krankheiten und sind psychisch traumatisiert.
Dagegen richteten sich denn auch die Anti-Lager Aktionstage im Oktober.
Nach Angaben der Schongauer Nachrichten nahmen an der abschließenden
Demonstration 120 Menschen teil.
http://www.fluechtlingsrat-bayern.de/pressebericht/items/schluessel-zur-integration.html

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 6. Repression und Repressionsorgane
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 a) Freedom for Mumia!
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Letzten Monat berichteten wir ausführlich über die lebensbedrohliche
Situation für Mumia Abu Jamal. Diesen Monat können wir ergänzen, dass es
auch in München im gegebenen Falle Aktionen geben wird: Drei Tage nach
einem Todesurteil sollen weltweit um 12 Uhr Aktionen gegen die
Hinrichtung von Mumia Abu Jamal stattfinden.
Für München hat das Mumia-Bündnis München diesen Aktionsplan auf
„3+12+18“ geändert, um möglichst Vielen die Teilnahme an Protesten zu
ermöglichen: Sollten die Richter des Supreme Court ein
Hinrichtungsurteil sprechen, wird 3 Tage nach dieser Entscheidung in
München um 12 Uhr eine Mahnwache vor dem US-Konsulat
(Königinstr./Von-der-Thann-Str) und um 18.00 Uhr dann eine Demonstration
stattfinden.
Wie ihr Solidarität mit Mumia ausdrücken könnt und viele weitere
Informationen findet ihr hier:
http://rhmuenchen.blogsport.de/mumia-abu-jamal/

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 b) Urteil im MG-Prozess
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„Vor über einem Jahr begann der Prozess gegen Axel, Florian und Oliver
als vermeintliche Mitglieder der "miltanten gruppe". Alle drei waren
gemeinsam mit Andrej im Sommer 2007 festgenommen worden. Die
Ermittlungen gegen Andrej laufen weiter. Heute wurden Axel, Oliver und
Florian für eine versuchte Brandstiftung als vermeintliche Mitglieder
der militanten gruppe zu 3,5 bzw. 3 Jahre Haft verurteilt. Sie verlassen
den Gerichtssaal nach über 60 Verhandlungstagen ohne jegliche
Einlassungen und sollen für ihren entschlossenen Widerstand gegen die
deutsche Kriegspolitik bestraft werden. Das Bündnis zur Einstellung der
129 (a)-Verfahren hat seit den Verhaftungen 2007 die Entwicklungen und
den Prozess politisch begleitet.
Dabei stand für uns neben der Thematisierung von Überwachung und
Verfolgung von politischen Aktivisten seit Prozessbeginn vor allem das
Thema Antimilitarismus im Vordergrund. Das Einstellungsbündnis…“

Presseerklärung vom 16.10.09 zur Urteilsverkündung im Berliner mg-Prozess
http://einstellung.so36.net/de/pm/1646

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 c) „Polizeispiegel“ lobt die NPD
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Es braucht nicht zu wundern. Eigentlich weiß es eh jede_r, wo die
individuellen Neigungen vieler Bullen und institutionellen Sympathien
der Deutschen Polizei im Gesamten liegen. Wörtlich ausgesprochen hat
dies nun ein Redakteur des „Polizei Spiegels“, dem Magazin der Deutschen
Polizeigewerkschaft (DPolG) Thüringen. In der Oktober-Ausgabe war zu
lesen, dass der NPD ein Image schade, das ihr “von allen Seiten
angedichtet” werde, obwohl “die Nationalen für ein Erstarken der Inneren
Sicherheit” seien. Weiter hieß es, dass die NPD-Forderung nach
Todesstrafe für Kindermörder “dem modernen Deutschen wesensfremd” sei,
trotzdem aber “muss man wohl der Forderung nach härteren Strafen für
alle Bereiche der Kriminalität aus logischer Sicht beipflichten”.
Ausführliche Berichte:
http://publikative.org/2009/10/22/polizeispiegel-lobt-die-npd/
http://www.taz.de/1/leben/medien/artikel/1/der-schreibtisch-taeter/

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 d) ARD erteilt Rote Hilfe Mitglied Auftrittsverbot
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Die Talkshow „Anne Will“ fand am 18.10. ohne die ursprünglich
eingeladene Bundestagsabgeordnete Sevim Dagdelen stattfinden. Die
Redaktion teilte der migrationspolitischen Sprecherin der Linken
Bundestagsfraktion mit, Grund für ihre Ausladung sei ihre Mitgliedschaft
in der strömungsübergreifenden linken Solidaritätsorganisation „Rote
Hilfe e.V.“ Sevim Dagdalen war ursprünglich als Podiumsteilnehmerin
eingeladen worden, um über die Integrationschancen von Migrantinnen und
Migranten in der BRD zu diskutieren.
Die Diskussion fand in Konsequenz ohne eine Bundestagsabgeordnete mit
Migrationshintergrund statt. Diese sind in der bundesrepublikanischen
Politik ohnehin rar gesät: Mit 20 Bundestagsabgeordneten migrantischer
Abstammung (davon 12 in der BRD geboren), stellen sie gerade einmal 3%
des Bundestages.
Die ARD hat damit in vorauseilendem Gehorsam gleich ein Musterbeispiel
für die Möglichkeiten gegeben, am politischen Diskurs in der BRD
teilzunehmen. Menschen mit oder ohne Migrationshintergrund sind nur so
lange eingeladen, sich an der politischen Debatte zu beteiligen, wie
ihre Meinung sich nicht links des politischen Mainstreams bewegt. Dabei
sollte Dagdelen keineswegs zu Fragen politischer Repression, Justiz oder
Polizeigewalt sprechen. Allein ihre Mitgliedschaft in der Roten Hilfe
reicht aus, um sie als Diskussionspartnerin unmöglich zu machen.
Argumente sind für diesen Gesinnungs-TÜV der ARD offensichtlich unnötig;
ausschlaggebend sind allein die fragwürdigen Geheimdiensteinschätzungen
des Verfassungsschutzes.
Weitere Infos bei:
http://rhmuenchen.blogsport.de/2009/10/17/ard-erteilt-linker-bundestagsabgeordneten-auftrittsverbot-wegen-ihrer-mitgliedschaft-in-der-roten-hilfe/

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 7. Bildungsproteste
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 a) Bildungsstreik in Oberbayern!
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Der Bildungsstreik geht in die nächste Runde. Nachdem im Sommer 270.000
Menschen gegen die untragbaren Zustände im Bildungssystem und die
unverhohlene Zurichtung der Schüler_innen und Studierenden für die
Interessen der Kapitalistischen Wertschöpfung auf die Straßen gegangen
sind, hat sich an den Zuständen, wie zu erwarten war, nichts geändert.
Weder das dreigliedrige Schulsystem, welches schon Kinder je nach
sozialer Herkunft in die jeweiligen Schulformen presst, um die
Reproduktion der sozialen Ungleichheit zu ermöglichen, noch die im
Rahmen des Bologna-Prozesses erfolgten Verschlechterungen in der
Hochschulbildung wurden zurückgenommen. Mit den Bachelorstudiengängen
wird für die ökonomische Verwertung ein neues akademisches Billigsegment
eingeführt, welches durch die Verkürzung der Studienzeiten auch dazu
führt, das die Jahrgänge dem Arbeitsmarkt schneller zur Verfügung
stehen. In die selbe Stoßrichtung zielt auch die Verkürzung des
Gymnasiums auf acht Jahre. Obwohl die europäische Harmonisierung der
Studienabschlüsse nicht recht gelingen will, ist das Ziel klar
erkennbar. Die totalitäre Konkurrenzlogik unseres Systems soll auf
europäischer Ebene weiter verschärft werden. Welchen Interessen diese
„Reformen“ dienen ist so offensichtlich, dass man sie nicht benennen
muss. Das Kinder durch den Übertrittsdruck in den vierten Klassen an
Stresssymptomen leiden, die man eher aus der Erwachsenenwelt kennt, das
sich die psychische Belastungen bei Schüler_innen und Studierenden immer
mehr häufen, wird billigend in Kauf genommen. Es steht genügend
Menschenmaterial zur Verfügung um die Schwachen zu ersetzen.

Weil sich nichts geändert hat, muss weiter Druck aufgebaut werden. Und
das passiert nicht nur in der Landeshauptstadt, sonder auch in der
oberbayerischen Provinz: Einmal mehr in Trostberg und erstmalig in
Miesbach werden Schüler_innen für ihre Rechte kämpfen.
Hoffen wir, dass sich auch in Rosenheim und Umgebung demnächst etwas
rührt, wenn der Bildungsstreik in die nächste Runde geht.
http://www.bildungsstreik.net/wir-machen-weiter/

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 b) Unibrennt in Österreich
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Im Nachbarland Österreich ging der Versuch, die Schuld für schlechte
Studienbedingungen der Vielzahl von Ausländer_innen – namentlich vor
allem Deutschen – in die Schuhe zu schieben, ganz gründlich in die Hose.
Das neue Semester startete nicht mit einer von konservativen und BZÖ
gewünschten Debatte zur Wiedereinführung von Studiengebühren, sondern
mit einer massiven Streik- und Besetzungswelle. Ausgehend von der
Akademie der Bildenden Künste Wien, hat diese mehrere Universitäten und
mittlerweile sogar Salzburg erfasst.

Im Gegensatz zu den Protestbewegungen in der BRD werden von den
Studierenden in Austria auch Forderungen erhoben, die über das
obligatorische „Mehr Geld für die Bildung“ zumindest ein paar Millimeter
hinausgehen: So tauchen in den entsprechenden Katalogen Gleichstellung
der Geschlechter und barrierefreie Ausgestaltung der Hochchulen
gleichermaßen wie deren Demokratisierung an prominenter Stelle (und
nicht erst unter „ferner liefen“) auf.
Unter den Stichworten „unibrennt“ und „#unsereuni“ finden sich die ganze
Breite an Webkommunikation: Live-Streams von den Besetzungen,
twitter-Channels, Chats, Weblogs und viele Infos, was gerade wie und wo
an Protesten läuft.
Live-Stream aus Salzburg: http://www.ustream.tv/channel/uni-brennt-salzburg
Zentraler Weblog: http://unibrennt.at/

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 c) Don't be used as scap! Soli mit Streikenden im UK...
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Die britische Education is Not For Sale Bewegung hat einen Ansatzpunkt
für praktische Solidarität mit ökonomischen Streikbewegungen gefunden:
Sie befürchtet, dass der Streik der Postbeschäftigten durch den
reihenweisen Einsatz von Studierenden als Streikbrecher_innen („Scaps“)
unterlaufen werden könnte. Und sie ruft diese deshalb auf, sich dafür
nicht herzugeben:
http://www.free-education.org.uk/?p=636

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 8. Von Tausenkreuzlern und anderen Abtreibungsgegner_innen.
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Wir haben euch im letzten Infomail glatt etwas unterschlagen.Nämlich den
1000-Kreuze Marsch. Schön, dass trotz Terminverlegung und
Redaktionspanne doch annähern ein dreckiges Dutzend den Weg von
Rosenheim nach München gefunden hat. Wir möchten deshalb zumindest ein
Review vom 24.11. in München und der Aktion „1000 Kreuze in die Spree“
in Berlin geben.

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 a) Sa, 07.11.: Salzburg: Kundgebung am LKH
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Jeden ersten Samstag im Monat halten „Kerzerlschlucker“ von der HLI
Mahnwachen vor dem Landeskrankenhaus ab, in dem Abtreibungen vorgenommen
werden. Diese Aktivist_innen belästigen oftmals gezielt Frauen, von
denen sie vermuten, dass sie einen Abbruch vorhaben, und nennen dies
„Beratung“. Auch am Samstag, 07.11. ab 10 Uhr findet deshalb eine
Gegenkundgebung am Landeskrankenhaus Salzburg statt. Abends gibt’s „a
Beisl im Keller“ , nämlich an HacklerInnenliederabend (A moats Gaudi,
wie immer).

Einiges deutet übrigens darauf hin, dass es im Dezember wieder zu
geistigen Totalausfällen fundamtaler Christ_innen in Salzburg kommen
könnte. In den vergangenen Jahren nutzten diese den Rummel rund um
Weihnachtsmärkte dazu, ihre Propaganda auch weitläufiger kund zu tun.

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 b) Review: 1000 Kreuze Märsche in München und Berlin
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Etwa 500 Menschen demonstrierten am 24.10. unter dem Motto „Pro Choice“
gegen den § 218 und für Abtreibung als Frauenrecht. Anlass war ein
„1000-Kreuze Marsch“ christlicher Fundamentalist_innen, denen sogar die
Kirche die Räumlichkeiten versagte. 300 von ihnen und einige NPD-Leute
darunter machten sich dann tatsächlich auf den Weg. In ihrer
inszenierten Trauer oftmals gestört durch Gegendemonstrant_innen, die
sie unter anderem mit Kondomen bewarfen. Sämtliche Redebeiträge sind
dokumentiert beim Blog des Antisexistischen Aktionsbündnisses München.
Am kommenden Samstag, 31.10. findet für dieses übrigens ein Ladyfest |
Soliparty im Marat statt:
http://asabm.blogsport.de/

Einen kleinen Vorgeschmack für Aktionen gegen die Tausenkreuzler hatte
dabei Berlin gegeben. Hier flog am 26.09. ein Dutzend Kreuze in die
Spree und zu „Kein Gott – Kein Staat – Kein Patriarchat“ wurden Dildos
geschwungen.
Indymedia: 	http://de.indymedia.org/2009/09/262184.shtml
Video: 		http://www.youtube.com/watch?v=e59eRoEq3-U

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 9. Temine
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Für alle Exil Rosenheimer_innen in München und reisefreudige Menschen
gibt es interessante Termine in der Landeshauptstadt übrigens gebündelt
bei luzi-m:
http://www.luzi-m.org/termine/luzi/cal/month/20091129/

So, 01.11.09 Vetternwirtschaft Rosenheim: Der Politische Film „Ein Lied
für Argyris“
20 Uhr, Eintritt Freitag
Do, 05.11.09 Feierwerk Sunny Red München: SOYLENT GELB FOR FREE 2009
BOTOX COMBO [Punk´N`Roll | München] SUBNOTES [Punk | München] BRAINBUCKS
 [Punk | München] STARS IN THE SKY  [Punk | München] Eintritt frei

Do, 05.11.09 Kafe Marat (München) Infoveranstaltung zum Antifa-Actionday
gegen Naziaufmarsch, Militär und kapitalistischen Normalbetrieb

Fr, 06.11.09 Faulzahn DIY Action!@ Outsider, Viaduktogen 168, Innsbruck
SHEVER (ch) OBELYSKKH (ch) www.catbull.com/faulzahn
Fr, 06.11.09 Lokschuppen Rosenheim: Bleed into one, with open arms,
heartbreak kid, today we rise, burn the bride on Sunday, 18 Uhr!! 5 Euros

Fr, 06.11.09 Asta-Kneipe Rosenheim: Colors of Tekkno D.o.S. DJ Team
(ehem. Natrash Temple)

Fr, 06.11.09  Regensburg, Alte Mälzerei: The Baboonz, Loaded, The Peacocks

Fr, 06.11.09 Vetternwirtschaft Rosenheim: „Wenn nicht ich, wann dann?“
Kabarettprogramm von und mit Mani Eder

Fr, 06.11.09 Silo 1 Töging: Konzert: the jancee pornick casino, 21 Uhr
www.myspace.com/janceepornickcasino

Sa, 07.11.09 Vetternwirtschaft Rosenheim: good night white pride-
Hardcorekonzert mit Punchline, Madness 20 und burn the bride on Sunday,
20 Uhr

Sa, 07.11.09 Asta-Kneipe Rosenheim:  Kicker-Turnier ab 14Uhr - Anmeldung
und Infos in der Asta täglich ab 19Uhr

Sa, 07.11.09 Kramerwirt (Hubbi) bei Bad Endorf (Hemhof): Clubbing und
Tanzabend mit den Herren DJs Bart Spencer und T. Rence Hill,
Independent, Alternative, Punk, Brit-Pop, Psychdelic 60s, sowie
Progressive 70s und selected Electronics. 21 Uhr

Sa, 07.11.09 Kafe Marat (München): Punkkonzi:Dean Dirg (Punk, Münster) |
High Society (80s HC-Punk, Nürnberg) | Riot Reiser (Punk, Muc)

Fr, 13.11.09 Kafe Marat (München): Letzte Infos zum Antifa-Actionday,
Pennplatzbörse usw.

Fr, 13.11.09 JIG Jugendinitiative Grafing: Bug Girl & Rayguns Rebels,
http://www.jig-grafing.de/, 5 Euros

Fr, 13.11.09 LiBella Altenmarkt: Frenzy (Psychobilly from England)
Support Funatix http://www.cafe-libella.de

Fr, 13.11.09 Kramerwirt (Hubbi) bei Bad Endorf (Hemhof)Konzert mit dem
„Tigerwilli“. Der gelernte Metzger und jetzige Heimleiter psychisch
auffälliger Jungendlicher, lebt auch optisch seinen erfrischenden
Wahnsinn. Witz, Einfühlsamkeit und schräge psychlogische Betrachtungen
prägen seine Lieder – 21 Uhr
Fr, 13.11.09 @ Outsider, Viaduktogen 168, Innsbruck HELLSHOCK (us)
CAMPUS STERMINII (it) COALITION OF EVIL (a) www.catbull.com/faulzahn

Fr, 13.11.09 Vetternwirtschaft Rosenheim: Faust I RiP-Theater, 20 Uhr
bitte reservieren unter 08031 – 44345
Sa,14.11.09: Proteste gegen neonazistisches Heldengedenken in München.
Die Freie Nationalisten München wollen wieder in München aufmarschieren
und das soll behindert  werden, weitere Infos folgen auf
http://actiondaymuc.blogsport.de und  www.antifa-nt.de
Sa,14.11.09 Silo 1 : Töging: Konzert: uncommon men from mars
+ support, 21 Uhr, www.silo1.de
Sa, 14.11. Stuttgart, Landespavillon: Dritte Wahl

Sa, 14.11.09 Glockenbachwerkstatt München Volxtanz (Punk)
Diesmal mit: Die Blutjungs und Rohrzange, Beginn: 19.00 h ,Eintritt: 6 Euros
[www.myspace.com/ottkeys]
Sa, 14.11.09 Freiraum Dachau: Bojitos (Dachau) & Chaotic (Prag) bringin
you fresh reggae, latin and ska beats, 21 Uhr  www.myspace.com/bojitosband
www.myspace.com/chaoticprague

Sa, 14.11.09 Asta-Kneipe Rosenheim:  Konzert mit Red Bricks + Steady
Pace + Werner Krauss + DJ-Set-  indie-electro-alternative Konzert mit
anschließender Party
http://www.myspace.com/rbricks
http://www.myspace.com/stpace
http://www.myspace.com/wernerkrauss

Sa, 14.11.09 Kufstein KulturfabrikTanzt! Mittelalterfest mit
Vroudenspil, Ingrimm, Folkstone www.tanzt-mittelalter.de

So, 15.11.09 Vetternwirtschaft Rosenheim: Faust I RiP-Theater, 20 Uhr
bitte reservieren unter 08031 – 44345

Mo, 16.11.09 Feierwerk Sunny Red, München: RISE AND FALL Hardcore, Punk
| Belgien
RISE AND FALL [Hardcore, Punk | Belgien]  IRON AGE [Hardcore, Thrash |
USA]  HEARTBREAK KID [Hardcore | München]  BRIDGE TO SOLACE [Hardcore,
Metal | Ungarn] Eintritt 11 Euros

Do,19.11.09 München, 59 to 1: Himmel, Arsch & Tibor Vol. XXXXI, Deadbolt
+ Support

Do, 19.11.09 Augsburg, Kantine: Die Kassierer, Emscherkurve 77, Einlass:
20.30 Uhr, Beginn 21:00 Uhr pünktlich; präsentiert von Alter Lan –
Productions

Fr, 20.11.09 Asta-Kneipe Rosenheim: Konzert mit Kitty Empire + We Fade
to Grey + Planet Ersag...danach Plattenmusik mit Herrn Nils
http://www.myspace.com/kttympre
http://www.myspace.com/wefadetogrey
http://www.myspace.com/planetersag

Sa, 21.11.09 Vetternwirtschaft Rosenheim: "stromlos"-Konzert mit Raygun
Rebels, 20 Uhr Eintritt frei
Do, 26.11.09  Regensburg, Alte Mälzerei: TV Smith

Sa, 28.11.09 Vetternwirtschaft Rosenheim: Konzert mit Pig Dog + Prosa,
20 Uhr

Sa, 28.11.09 Silo 1, Töging:  kurzfilmfestival  finde den fisch!
oberbayerisches kurzfilmfestival, 21 Uhr
http://www.silo1.de/flyer/film09.pdf

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Wichtige Termine Anfang Dezember
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Mi, 02.12.09 – Konzert mit Horse Feathers
Folk / Indie aus Portland, USA
http://www.myspace.com/horsefeathersmusic

Fr, 04.12.09 – Party : Redneck Connecktion pure Rock'n'Roll

So, 06.12.09 Vetternwirtschaft Rosenheim: Der Politische Film „Mein
Leben in Rosarot“
20 Uhr, Eintritt Freitag

Fr, 18.12.09 Vetternwirtschaft Rosenheim: Konzert mit Rocco Recycle und
Klaus Kaufsnicht
www.myspace.com/roccorecycle

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