rabatz begrüßt Sizzla-Absage

Veranstalter_innen weiter in der Kritik

Übersee / Dachau bis Innsbruck – Erfreut nimmt das rabatz-Bündnis die Absage des homophoben Hasssängers Sizzla durch den Chiemsee Reggae Summer zur Kenntnis. Es kritisiert jedoch dessen falsche und uneinsichtige Argumentation. Darüber hinaus werde weiterhin nichts gegen sexualisierte Gewalt unternommen.Das rabatz-Bündnis [1] wertet die Sizzla-Absage als gemeinsamen Erfolg unterschiedlicher emanzipatorischer Kräfte. „Es ist gelungen einen breiten gesellschaftlichen Druck aufzubauen, so dass es der CRP Konzertagentur am Ende zu heiß wurde einen Künstler mit derartig menschenverachtendem Liedgut auftreten zu lassen,“ so Anna Jade, Sprecherin des Bündnisses. Geradezu skandalös sei jedoch, dass die CRP Konzertagentur in der Begründung für die Absage, den Kritiker_innen Gewalttätigkeit unterstellt. Jade ist empört: „Mordaufrufe und Gewaltansagen kommen von Sizzla und Co – sie gehen nicht von unseren Infoständen und Kundgebungen aus.“

Das angebliche Ziel, die „körperliche Unversehrtheit der Festivalbesucher“ zu schützen sei heuchlerisch. Nach mehreren Vergewaltigungen und sexuellen Übergriffen auf dem Chiemsee Reggae Summer forderte rabatz bereits 2009 ein Konzept zur Vermeidung von sexualisierter Gewalt. Exemplarisch wurde das Projekt „Sichere Wies’n für Mädchen und Frauen“ beim Münchner Oktoberfest [2] genannt. Die Veranstalter_innen hätten ein Jahr Zeit gehabt, ein solches Konzept zu entwickeln und zu finanzieren. Sie haben nichts getan.

Die Aussage des Veranstalters, dass „Künstlern wie Sizzla eine Plattform gegeben werden sollte“, werten die Kritiker_innen als trotzig und uneinsichtig. Sie sei Beleg, dass die CRP Konzertagentur keine inhaltliche Auseinandersetzung über menschenverachtende Aussagen anstrebt. Deshalb sei die Problematik Homophobie und Sexismus am Chiemsee Reggae Festival weiter zu thematisieren. Dem entspriche, dass mit Anthony B [3] nach wie vor ein schwulenfeindlicher Act im Programm ist. Im Übrigen sei es auffällig, dass die Absage Sizzlas erst nach Ende des Kartenvorverkaufs bekannt gegeben wurde.

Das Bündnis rabatz hält deshalb an der Kundgebung am kommenden Samstag fest [4]. „Unser Motto »Bash Back! – Gegen Homophobie und Sexismus auf dem Chiemsee Reggae Summer« bleibt aktuell,“ so Anna Jade. Um 15:00 und um 17:00 Uhr wird es am Festivalgelände (Kreuzung zwischen P3 & P4) Redebeiträge verschiedener Gruppen geben und für 20:00 Uhr ist der Vortrag “Murder Inna Dancehall” angekündigt. Eine Demonstration, die Michael Buchholz als Pressesprecher der CRP Konzertagentur anführt, war hingegen zu keinem Zeitpunkt geplant oder angemeldet.


[1] Ein Bündnis von neun linken Gruppen aus Oberbayern, Salzburg und Tirol; www.rabatz-buendnis.org
[2] Aus dem offenen Brief von 2009: „Desweiteren kommt es auf dem Chiemsee Reggae Summer fast jährlich zu Vergewaltigungen und sexuellen Übergriffen. Zuletzt im Jahr 2008¹. Vergewaltigungen sind aber nur die Spitze des Eisbergs ungezählter Fälle sexueller Belästigung, entwertender “Witze”, demütigender und obszöner Darstellungen, abschätziger Blicke, unerwünschter Berührungen und Annäherungsversuchen. Dass dies auf dem Chiemsee Reggae Summer alltägliches Rahmenprogramm ist, dürfte den Veranstalter_innen ja kaum entgangen sein. Sie tragen dabei zwar nicht die Verantwortung für genannte Vergewaltigungsfälle – ihr demonstratives Desinteresse und ihre Praxis, die sich lediglich auf das Abwarten polizeilicher Ermittlungen beschränkt,verurteilen wir aber aufs Schärfste. Denn das befördert eine Kultur des Wegschauens und Wegdelegierens. Sexismus ist aber ein gesellschaftliches Problem. Es bezieht sich nicht nur auf strafrechtlich relevanter offene Gewaltausbrüche, sondern beginnt weit in deren Vorfeld! Als Veranstalter_innen müssten sie dieser Situation nicht tatenlos gegenüberstehen als ob es sich um ein Naturereignis handle! Ein erster Schritt wäre das öffentlich formulierte Eingeständnis, dass es sich hier um ein Problemfeld handelt. Ein zweiter, dass mensch sich von sexistischen Handlungen distanziert und diese ablehnt. Eine weitere Maßnahme könnte das Einrichten eines Rückzugsraumes, der nur Frauen offen steht, sein. Das aber reicht noch nicht aus: Es liegt in der Verantwortung der Veranstalter_innen ein Konzept zur umfassenden Information im Vorfeld und für eine qualifizierte Beratung für Betroffene sexueller Übergriffe zu entwickeln und anzuwenden. Vergleichbares wurde mit dem Projekt “Sichere Wiesn für Mädchen und Frauen” beim Münchner Oktoberfest erreicht. Wir fordern die Veranstalter_innen auf, zu diesem Zweck umgehend Kontakt zu geeigneten Fachstellen, bspw. dem AMYNA e.V., aufzunehmen!“ siehe auch hier.
[3] „Zwei Millionen Rastas können nicht durch Frankreich gehen, aber zwei Millionen Schwule können es. Das ist Babylon! Wenn nur 100 Rastas auf die Strasse gehen, werden sie verprügelt. Die Schwulen gehen ungehindert… Denn Frankreich ist auch ein «Battyman-Country»“ http://www.armageddontimes.ch/Artist/Interview/I_AnthonyB.html
[4] Die geplanten Infostände am Freitag und Sonntag werden aufgrund der Sizzla-Absage voraussichtlich nicht stattfinden.

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