Nach Scheungraber jetzt Faber?

Die Niederlande haben nach Bericht der sueddeutschen zeitung einen europäischen Haftbefehl gegen NS-Verbrecher Klaas Faber erlassen. Auch Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger wüsste Faber im Gegensatz zu Amtsvorgänger_innen wohl gerne inhaftiert. Insofern besteht die Chance, dass mit Scheungraber (Ottobrunn) und Faber (Ingolstadt) zwei in Oberbayern lebende Nazis auf ihre “alten Tagen” für ihre Taten doch noch zur Rechenschaft gezogen werden.
Faber ist in den Niederlanden wegen der Ermordung von 22 Jüd_innen rechtskräftig zu lebenslanger Haft verurteilt und war bereits inhaftiert. 1952 gelang ihm die Flucht in die BRD, deren Justiz- und Behördernapparat seitdem einiges unternommen hat, um Faber in Schutz zu nehmen. So wurde die Auslieferung Fabers verweigert mit dem Hinweis auf einen Führer-Erlass von 1943: Dieser erklärte die niederländischen Freiwilligen in der Waffen-SS automatisch zu Deutschen. Während die Niederlande Faber zunächst sogar zum Tode verurteilten (später in lebenslange Haft umgewandelt) und das Simon Wiesenthal Zentrum ihn als Nummer Drei der meist gesuchten NS-Verbrecher aufführt, sprachen deutsche Gerichte Faber immer wieder frei „aus Mangel an Beweisen”. Auch die letztjährige Aufforderung der Justizministerin an die bayerischen Behörden die Strafverfolgung wieder aufzunhemen blieb offenbar folgenlos.
Lesenswerter Artikel in der sueddeutschen zeitung vom 27.08.2010.

Erratum: Ermittlungen gegen Faber wurden 2007 nicht „aus Mangel an Beweisen“ eingestellt, sondern, weil die Staatsanwaltschaft München I die Erschießung jüdischer Gefangener im KZ nicht als Mord, sondern lediglich als Totschlag bewertete (vgl. sz vom 26.11.2010). Mensch ist geneigt, der Münchner Staatsanwaltschaft niedere Beweggründe bei der Strafvereitelung von NS-Verbrechen zu unterstellen.