Ungewollt schwanger in Rosenheim

Eine Schwangerschaft wird von mancher_m als ein Geschenk des Himmels angesehen, ist aber vor allem das Ergebnis der Einnistung einer befruchteten Eizelle in der Gebärmutterschleimhaut. Eine Schwangerschaft kann erwartet oder unerwartet, gewollt oder ungewollt eintreten.
Seit Jahrhunderten kämpfen Sozialist_innen und Feminist_innen für das Recht der Frau ungewollte Schwangerschaften abzubrechen. Eine solche Abtreibung ist in Deutschland heute rechtswidrig – sie bleibt aber bis zwölf Wochen nach Befruchtung der Eizelle („14. Schwangerschaftswoche p.m.”, p.m. bedeutet nach der letzten Menstruation) unter engen Bedingungen straffrei. Dazu einige Informationen und Anlaufstellen für Betroffene in der Region Rosenheim.

Was tun, wenn…?

Leider ist es Einrichtungen, die selbst beraterisch oder ärztlich tätig sind, untersagt, in Publikationen zu erklären, was Frauen tun müssen, um eine Abtreibung straffrei durchführen zu können. Deshalb möchten wir die notwendigen Schritte, wie bei www.abtreibung-web.de angegeben, auch hier wiedergeben. Die so genannte „medizinische” und „kriminologische Indikation”, also die Abtreibung aus gesundheitlichen Gründen oder nach einer Vergewaltigung (zum Frauennotruf Rosenheim), bleiben hierbei unberücksichtigt.

  • Zuerst
    den Frauenarzt/die Frauenärztin anrufen und einen Untersuchungstermin ausmachen. (Wenn du keinen Frauenarzt hast, frage bei der Beratungsstelle nach.) Falls dein Frauenarzt die Abtreibung durchführen wird, lege so bald wie möglich einen Termin dafür fest.
  • Dann eine
    offizielle Beratungsstelle anrufen und einen Termin zur Schwangerschaftsberatung vereinbaren.
  • Wichtig: Du brauchst eine Schwangerschaftsbescheinigung vom Frauenarzt und eine Bescheinigung, daß du beraten worden bist, von der Beratungsstelle.
  • Wenn du die Abtreibung nicht bezahlen kannst, erstattet dir der Staat die Kosten (ca. 400 Euro) – allerdings nur, wenn du dich vor dem Eingriff darum kümmerst. Gehe mit den beiden Bescheinigungen und mit Belegen deiner finanziellen Lage zu einer gesetzlichen Krankenkasse (z.B. der AOK). Diese sind verpflichtet, die Erstattung deiner Kosten zu bearbeiten.
  • Zwischen Beratung und Abtreibung müssen mindestens drei Tage Bedenkzeit liegen. Du darfst also erst am vierten Tag nach der Beratung den Abbruch vornehmen lassen.
  • Alles Gute am Tag des Eingriffs!

Schwangerschaftskonfliktberatung

Rechtliche Grundlagen

Um einen Schwangerschaftsabbruch straffrei vornehmen zu können, muss sich die Betroffene einer „Schwangerschaftskonfliktberatung“ nach §219 StGB unterziehen. Diese Beratung ist dabei nicht nur eine Information über einen medizinischen Eingriff, sondern folgt – zumindest der rechtlichen Grundlage nach – einem klaren gesetzlichem Auftrag:

Die Beratung dient dem Schutz des ungeborenen Lebens. Sie hat sich von dem Bemühen leiten zu lassen, die Frau zur Fortsetzung der Schwangerschaft zu ermutigen […]. Dabei muß der Frau bewußt sein, daß das Ungeborene in jedem Stadium der Schwangerschaft auch ihr gegenüber ein eigenes Recht auf Leben hat und daß deshalb nach der Rechtsordnung ein Schwangerschaftsabbruch nur in Ausnahmesituationen in Betracht kommen kann, wenn der Frau durch das Austragen des Kindes eine Belastung erwächst, die so schwer und außergewöhnlich ist, daß sie die zumutbare Opfergrenze übersteigt.
§219 StGB Absatz 1

Das Konstrukt „Ungeborenes Leben” dient dabei der ideologischen Rechtfertigung des staatlichen und gesellschaftlichen Zugriffs auf den Körper der Frau. Im Zentrum steht also nicht – wie der Begriff der Beratung vermuten lässt – eine Informationsdienstleistung und Hilfestellung für Betroffene, sondern bevölkerungspolitisches Interesse, patriarchale Kontrolle und eine nicht näher definierte zumutbare Opfergrenze. Erst im Satz vier findet sich der Hinweis, dass durch Rat und Hilfe dazu beigetragen [werden soll], die in Zusammenhang mit der Schwangerschaft bestehende Konfliktlage zu bewältigen und einer Notlage abzuhelfen.

Was soll das?

In diesem Gesetzestext spiegeln sich einige der Gründe wider, warum es vielen betroffenen Frauen schwer fällt, Schwangerschaftsabbruch und Abtreibung offen zu thematisieren. Diese Gesetzestexte sollen dich aber nicht abschrecken, zu tun, was du für richtig hälst! Wir plädieren für ein pragmatisches Verhältnis zu dieser Form der Zwangsberatung:

Wenn du noch nicht sicher bist, hast du hoffentlich das Glück, im Gespräch mit einer kompetenten und außenstehenden Frau dich in deiner Situation besser sortieren zu können (best case). Und im schlechtesten Fall war die Beratung wahrscheinlich nicht das erste Mal, dass du eine Belehrung in den Wind schlagen musstest. Auf jeden Fall solltest du nicht auf den Beratungsschein verzichten. Du wärst nicht die Erste, die eine Beratung voller Optimismus verlässt, um kurz darauf von ihren Lebensrealitäten wieder eingeholt zu werden.
Wenn du deine Entscheidung bereits getroffen hast, triffst du bestenfalls auf eine Beraterin, die das akzeptiert und ihre Aufgabe darin sieht, den gesetzlichen Notwendigkeiten nachzukommen und dich ansonsten bestmöglich zu unterstützen. Schlimmstenfalls gilt: Was sind schon 45 Minuten Beratung und drei Tage „Bedenkzeit” gegen das, was dir sonst bevorstünde? Also Augen zu und durch!

Daneben ist es in den Niederlanden bis zur sechsten Schwangerschaftswoche (p.m.) möglich ohne vorherige Beratung abzutreiben. Einige Fachkliniken sind bei abtreibung.at aufgelistet.

Beratungsstellen in Rosenheim

In Rosenheim gibt es zumindest zwei Beratungsstellen, die den notwendigen Schein ausstellen können:

  • Beratung für Schwangerschaftsfragen am Gesundheitsamt Rosenheim
    Prinzregentenstraße 19 – Rosenheim
    08031-392-6205
    www.schwanger-in-rosenheim.de
  • Donum Vitae
    Donum Vitae hat neben der Beratungsstelle in der Aventinstraße 2 auch Außensprechtage in Wasserburg und Bruckmühl. Zu den jeweiligen Kontaktdaten

Zu Donum Vitae möchten wir uns allerdings eine Bemerkung nicht verkneifen: Der gleichnamige Verein entstammt dem katholischen Milieu und wurde aus der Kirche verstoßen, weil er auf Wunsch die für straffreien Abbruch notwendigen Beratungsscheine ausstellt. In der innerkirchlichen Debatte wurde dieses Vorgehen (auch) damit begründet, dass erst die Aussicht auf einen Beratungsschein den christlichen (Beratungs-)Zugriff auf abtreibungswillige Frauen verschafft, die ansonsten zu anderen Stellen gehen. Das bedeutet nicht, dass du bei Donum Vitae zwangsläufig schlechter beraten wirst als anderswo.

Wenn du dich aber weder dem staatlichen Gesundheitsamt noch einer „katholisch geprägten“ Einrichtung anvertrauen möchtest, musst du den Weg nach München auf dich nehmen. Dort kannst du dich beispielsweise an pro familia wenden. In München gibt es außerdem ein Frauengesundheitszentrum, das aber keine Beratungsscheine ausstellen kann.

Und wo?

Nicht nur Frauen, die abgetrieben haben, sondern auch Ärzt_innen, die diesen Eingriff vornehmen, hüllen sich oftmals in Schweigen. In Rosenheim und Umgebung ist uns kein_e Ärzt_in oder Klinik bekannt, die_der in diesem Zusammenhang öffentlich genannt werden möchte. Lass dich aber auch dadurch nicht verunsichern! Üblicherweise sollte dir aber durch dein_e Ärzt_in oder in der Beratung eine Möglichkeit verraten werden. Ansonsten wirst du auch hierzu in München Einrichtungen und Praxen finden, die neben anderen bei abtreibung.at aufgelistet sind.

Bin ich denn die einzige?

Nein, keineswegs! Im Jahr 2009 wurden in Deutschland laut Statistischem Bundesamt 110.694 Schwangerschaftsabbrüche vorgenommen, die wenigsten übrigens seit der Jahrtausendwende. Von 1000 Frauen zwischen 15 und 45, denen du begegnest, haben statistisch betrachtet sieben letztes Jahr abgetrieben, auf 100 Geburten kamen 16,13 Abtreibungen.
Diese Zahlen helfen dir zwar wahrscheinlich nicht weiter – aber sie verdeutlichen: Auch andere Frauen haben diesen Schritt unternommen.

Weblinks

Leider gibt es zum Thema Abtreibung zahlreiche irreführende Websites religiöser Fundamentalist_innen. Hier einige Links, die hoffentlich hilfreicher sind:

  • www.abtreibung-web.de
    Die Seite wird von einer Frau betrieben, die 2001 selbst abtreiben lies und dazu keine geeigneten Informationen im Internet gefunden hatte. Sehr empfehlenswert für Betroffene!
  • abtreibung.at
    Ein exzellentes Portal für Betroffene, allgemein Interessierte und Fachkräfte, das nicht allein auf die Situation in Österreich spezialisiert ist.
  • Das Infoangebot bei www.gofeminin.de fasst viele Fakten zusammen. Das Forum scheint nicht uneingeschränkt empfehlenswert.
  • Themenschwerpunkt Abtreibung in der Emma
  • schwanger-in-rosenheim.de
    Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen im staatlichen Gesundheitsamt.
  • In Deutschland ist ein Schwangerschaftsabbruch nur bis zur 14. Schwangerschaftswoche (p.m.) straffrei. Im europäischen Ausland, insbesondere in den Niederlanden, gibt es z.T. sehr viel weitergehende Regelungen, die eine Abtreibung bis hin zur 22. Schwangerschaftswoche erlauben. Eine Liste einiger internationaler Fachkliniken.
  • Frauennotruf Rosenheim
    Für Betroffene sexueller Gewalt