„KEIN MENSCH IST ILLEGAL“

Benefizkonzert und antirassitische Fahraddemo in Rosenheim

Rosenheim – Der Liedermacher und Radikalpoet Heinz Ratz begibt sich auf die dritte Etappe eines moralischen Triathlons: 7.000 km will er mit dem Rad zurücklegen, 70 Konzerte in ebenso vielen Städten spielen. Die „Tour der tausend Brücken“ steht für Ratz´ wichtigstes Anliegen: Gegen Diskriminierung und Ausgrenzung, für einen menschenwürdigen Umgang mit Flüchtlingen. Am Freitag den 07.01.2010 kommt er nach Rosenheim.

Nach einem Konzert im Münchner Feierwerk wird Heinz Ratz am Freitag den 07.01.10 mit dem Rad Richtung Rosenheim aufbrechen. Antirassistische Aktivist_innen aus der Region Rosenheim werden Heinz Ratz um 17:00 Uhr mit einer Kundgebung unter dem Motto „Kein Mensch ist illegal“ am Rosenheimer Bahnhof empfangen, um anschließend mit einer antirassistischen Fahrraddemonstration für die Rechte von Flüchtlingen zu demonstrieren.

„Wir wollen dies zum Anlass nehmen und auch in dieser Region (in welcher die staatliche „Jagd auf Flüchtlinge“ im Rahmen der sog. Schleierfahndung besonders extrem ist), auf die Situation von Flüchtlingen aufmerksam machen.“ heißt es in einem Flugblatt zur Kundgebung. Für die Rosenheimer Antirassist_innen ist die tägliche Realität, in der Flüchtlinge leben müssen, zermürbt: „Neben genannten Wohnbedingungen sorgen Polizeikontrollen zu allen Tages- und Nachtzeiten, Essens- und Hygienepakete, gebrauchte Kleidung oder Gutscheine dafür, dass ein menschenwürdiges Leben unmöglich gemacht wird. Arbeitsverbote, Residenzpflicht und Anzeigen wegen Verstoßes gegen die Passpflicht – all diese staatlichen Schikanen dienen der ‚Förderung der Rückkehrbereitschaft’“ so Michael Kurz von der infogruppe rosenheim.

Ähnlich sieht das Heinz Ratz: „Flüchtlinge sind in Deutschland in besonderem Maße von Ausgrenzung und Diskriminierung betroffen. Mehr als 86.000 Menschen leben nur mit einer Duldung und in ständiger Angst vor Abschiebung, mehr als 55.000 von ihnen seit über sechs Jahren. Durch nachrangigen Zugang zum Arbeitsmarkt oder sogar Arbeitsverbote, eingeschränkte Bewegungsfreiheit durch die Residenzpflicht und mangelnde Versorgung werden sie bewusst an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Etwa 40.000 Menschen in Deutschland werden gezwungen, in Lagern zu leben. Das bedeutet zumeist: Viele Menschen auf engstem Raum, kein Privatleben, keine ausreichende medizinische Versorgung, Anwesenheitskontrollen, Essenspakete.“

Nach der Kundgebung und Demonstration spielt die Band „Strom & Wasser“ ab 19:30 Uhr im Studio des Regional Fernsehen Oberbayern (Hechtseestr.16) ein Benefizkonzert. Hier soll nicht nur Geld für die Flüchtlingsarbeit gesammelt (Eintritt: 10,- Euro), sondern insbesondere der Umgang mit Flüchtlingen in Deutschland und ihre Situation thematisiert werden.

An nächsten Morgen wird Ratz im Rahmen seines „moralischen Triathlon“ über 90 km von Rosenheim über Wasserburg/Inn und Dorfen zum Flüchtlingslager nach Landshut fahren. Der „moralische Triathlon“ begann im Winter 2008, als Ratz 956 km für Obdachlose durch Deutschland lief. Im Sommer 2009 schwamm er als zweite Etappe 890 km durch deutsche Flüsse für die Erhaltung sauberer und natürlicher Gewässer – die Tour der tausend Brücken ist nun die dritte und letzte Etappe per Fahrrad. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.1000bruecken.de und www.infogrupperosenheim.tk.

[ Pressemitteilung der infogruppe rosenheim]