»Alles Gute«, Kathrein

Ein paar Tage Verspätung machen auch nichts, wenn mensch ohnehin nicht vor hat zum Geburtstag zu gratulieren. Anton Kathrein jun., im Volxmund auch Schüsseltoni genannt, ist am Dienstag sechzig geworden.
Und was schenkt sich ein geltungssüchtiger Provinzmogul zum runden Geburtstag? Na klar: Ein Denkmal. Aber nachdem Statuen out sind, nimmt es eben die Form eines Firmenmuseums an.
Wir wünschen Anton Kathrein Arbeiter_innenaufstände an sämtlichen Produktionsstandorten, die Beschlagnahmung und Vergesellschaftung seines Vermögens sowie alles weitere, was wir für gut halten. Im neuen Museum kommen wir vielleicht auch mal vorbei und erkundigen uns nach den Dokumenten, die die Ausbeutung von Zwangsarbeiter_innen beim „nationalsozialistischen Musterbetrieb“ belegen.
Hier unser Ständchen. Es ist zwar nicht explizit zum Geburtstag, sondern ein Jingle vom Ersten Mai, aber vielleicht hat es der Jubilar bislang ja noch nicht gehört.



In 2005 untersuchte die Historikerin Veronika Diem erstmals die Geschichte regionaler Unternehmen hinsichtlich der Ausbeutung von Zwangsarbeit¹. Während bspw. die Kolbermoorer Firma Roeckl kooperativ war, verweigerten die Kathrein Werke jeden Zugang zu Firmenarchiven und behindern damit die wissenschaftliche und kritische Aufarbeitung. Obwohl Kathrein die Ausbeutung von Zwangsarbeit trotzdem nachgewiesen werden kann, hat er bislang nicht in den Entschädigungsfonds der deutschen Wirtschaft eingezahlt. Das wurde von Prof. Dr. Klaus Weber in Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und uns im Rahmen der Kampagne „Kathrein und Döser – Profiteure der Nazis?“ 2008 thematisiert. Entstanden ist in diesem Zusammenhang eine Zusammenstellung historischer und zeitgeschichtlicher Dokumente, die nochmals ergänzt auch in gebundener Form erhältlich ist.

¹ Diem Veronika 2005: Fremdarbeit in Oberbayern am Beispiel Rosenheim und Kolbermoor. Geschichtswerkstatt Kolbermoor. Im Online-Katalog der Bayerischen Staatsbibliothek, ein Veranstaltungsbericht auf indymedia