Mensurverbot für Spiele-Killer!

Einem ARD-Bericht nach kritisiert der Innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Hans-Peter Uhl, im Bundestag eine geplante LAN-Party unter Abgeordneten, weil dort auch Counter Strike gespielt werden soll: Solche Killerspiele, die üble Instinkte im Menschen wachrufen, dürfen Jugendlichen nicht zur Verfügung gestellt werden.

Der Bericht legt nahe, dass unter massenhafter Beteiligung (bis zu 200.000 Personen), Menschen auf Menschen schießen würden. Das ist selbstredend falsch, denn allenfalls schießen hier Pixel gegen Pixel. Uhl kommt allerdings aus eher weniger modernen Kreisen, er ist Alter Herr der Münchner Burschenschaft Arminia-Rhenania.

Ob dort so genannte Killerspiele“ verbreitet sind, lässt sich schwer feststellen. Das Leben auf den den Häusern der Studentenverbindungen wird meist nicht allzu transparent gestaltet, um nicht zu sagen hermetisch abgeriegelt vom Rest der Welt. Sicher allerdings ist, dass männliche Ehrerbietung und Wehrhaftigkeit dort sehr traditionell eingeübt werden. Die Arminia-Rhenania ist eine „pflichtschlagende“ Verbindung. Tagtäglich wird dort also eine Recht plumpe, ritualisierte Art des Fechtens praktiziert; mit der Maßgabe, dass neue Mitglieder nach ein bis zwei Semestern eine „Mensur“ schlagen, bei der sie duellartig mit scharfen Waffen gegen einen anderen Burschenschafter oder Verbindungsstudenten antreten. Hässliche Schnittverletzungen, der so genannte Schmiss, sind dabei faktisch fester Bestandteil.

Die Mensur ist Menstruationsneid, scherzen Feminist_innen. Sie dient der „Mannbarkeitsbewahrung“, „Wehrhaftigkeit“ und als „Treuebeweis“ für den Schurbund, sagt die Burschenschaftliche Gemeinschaft.
Fakt ist in jedem Falle, dass Hans-Peter Uhl etwas getan hat, auf das die allermeisten Zocker_innen (Soldat_innen und Bullen einmal ausgenommen) im echten Leben nie kommen würden: Er hat mit einer Waffe auf einen Menschen gezielt und geschlagen, in der Absicht ihn zu verletzen. Wir sind deshalb der Meinung:
Solche Killerrituale, die üble Instinkte im Menschen wachrufen, dürfen jungen Männern nicht länger ermöglicht werden.

Die Deutsche Burschenschaft orientiert sich am „volkstumsbezogenen Vaterlandsbegriff“ – das Deutschtum erstreckt sich demnach quer durch ganz Europa, insbesondere auch auf Österreich und Norditalien. Während in der BRD die Burschenschaft im Moment nur wenige Sitze im Parlament (aber immerhin das Verkehrsministerium) besetzen kann, ist sie in Österreich eine flächendeckende, schwarz-rot-braune Plage im politischen Betrieb. Zwei Videos aus der Alpenrepublik, die sich mit den rechten Netzwerken und ihrer Mensur kritisch auseinandersetzen.

Gefochten wird die Mensur übrigens nicht nur in der Deutschen Burschenschaft, wo sie in Einzelfällen noch nicht einmal verpflichtend ist (fakultativ schlagend), sondern auch in Akademischen Landsmannschaften und Turnerschaften (Coburger Convent), in sämtlichen Corps sowie in Sängerschaften und im Werningerodener Jagdkonvent.