Von Liekedeelern und Piraten

Schon die deutsche Hanse mochte Piraten nicht, da diese den wirtschaftlichen Interessen im Wege standen. Die Basis dafür stellten die Eigentumsverhältnisse dar, welche durch Piraterie angekratzt wurden. Dementsprechend fuhren die Schiffe der Hanse im Verband und teilweise mit Bewaffneten an Bord, um ihr zu vermehrendes Eigentum zu schützen. Die Ächtung der Piraterie durch Staaten muss ebenso in diesem Kontext gesehen werden.


Seit einigen Jahren sorgt das Thema Piraterie erneut für internationales Aufsehen. Vor allem vor Somalia entwenden Menschen immer wieder Frachter. Derartige Aktionen führen heute wie damals zu gewalttätigen Reaktionen, um das Privateigentum mit allen Mitteln zu schützen. Militärs patrouillieren und führen kurzzeitig kollektivierten Besitz wieder den Privateigentümern zu, jedoch ohne auf Unversehrtheit der Besatzung zu achten. Zum Schutz des Eigentums wird hierbei auf staatliche Hilfe, entgegen der sonstigen Privatisierungsexzesse, gebaut. Dies geschieht auch wenn die Schiffe unter „Billigflagge“ fahren. Für die auf den Schiffen Beschäftigen bedeutet das in zweierlei Hinsicht Nachteile: Zwar werden die ausgeflaggten Schiffe von deutschen Soldat_innen „beschützt“, deutsche Tariftabellen können jedoch ignoriert werden (telepolis). Weiterhin gefährden die bewaffneten Befreiungsaktionen die Seeleute akut. So sei das Risiko „im Falle eines Piratenüberfalls bei militärischen Befreiungsaktionen verwundet oder getötet zu werden, […] um mehr als das Zehnfache gestiegen“. Da diese Befreiungsaktionen für die Marine im Grunde ohne Risiko sind, kann bei der Piratenjagd zurecht von einem neuen Kriegsspiel die Rede sein…

Zum Großteil außer Acht gelassen werden bei der Debatte um die Piraterie mögliche Ursachen für das relativ neu erstarkte Phänomen. Ehemalige Fischerdörfer können sich aufgrund der teilweise illegal arbeitenden Fangflotten nicht mehr angemessen ernähren und zeigen sich kreativ – vom Fang von Fischen zum Schiffsfang. Neben der keineswegs zu verharmlosenden Bedrohung der Seeleute und deren traumatischer Schäden gibt es jedoch auch eine positive Konsequenz: Wie u.a. der Spiegel berichtet erholt sich, neben den Preisen für Fisch, vor allem der Bestand desselben u.a. vor Somalia und Kenia. So landen mittlerweile auch bereits verschwundene Fischarten wieder in den Netzen der lokalen Fischer.

Bei der aktuellen Debatte um die Piraterie sind die Interessen des Kapitals tonangebend. Die Überfischung der Meere führt zu vermehrter Piraterie, welche auf dem Rücken der Seeleute bekämpft wird und nebenbei wird auch mit Kriegsversicherungen Geld vermehrt. Ob in diesem Kontext Forderungen wie z.B. von Ecoterra International, das Geld z.B. in die Entwicklung der Küstenregionen zu stecken – wobei bei derartigen Forderungen, aufgrund der „neokolonialen“ Ausrichtung von Entwicklungshilfe, Vorsicht geboten ist – anstelle “Milliarden US-$ für Kriegsflotten [auszugeben] […], um sie für das „Todesspiel“ (deadly game) auszurüsten“ weiterführend sind, muss diskutiert werden. Zum Schluss noch ein Hinweis auf einen Akt der Abrüstung, der generell sehr zu begrüßen ist: Ein Hamburger Frachter hat erst kürzlich eine indische Fregatte im Hafen von Mumbai versenkt…