Ein Augenblick Freiheit

Die Vorführung des  Films „Ein Augenblick Freiheit“ wurde von Beteiligten des Initiativkreises Migration zum Anlass genommen, sich und ihre Tätigkeit darzustellen. Dabei wurde den Kino-Besucher*innen im Anschluss des Films die Möglichkeit geboten, Fragen zur Situation von Flüchtlingen, speziell im Raum Rosenheim, und zur Arbeit des Initiativkreises zu stellen.

Der gestern abend  im Bad Endorfer „Marias Kino“ gezeigte Film „Ein Augenblick Freiheit“ erzählt von der Odyssee dreier iranisch/kurdischer Flüchtlingsgruppen: einem Ehepaar, zwei jungen Männern mit zwei Kindern und einem ungleichen, befreundeten Männerpaar. Sie alle flüchten aus dem Iran und dem Irak und landen in der türkischen Hauptstadt, wo sie, die Freiheit vor Augen, in einem wenig vertrauenswürdigen Hotel tagtäglich auf den positiven Bescheid ihrer Asylanträge warten. Dabei wird eindringlich die verzweifelte Wahrung von Hoffnung auf ein unversehrtes Leben in Freiheit und das Zerbrechen menschlicher Existenzen an der schier erdrückenden Perspektivlosigkeit in Situationen von Flüchtenden geschildert.

Seine nunmehr erste große Kinoarbeit eröffnet dem 35-jährigen Regisseur Arash T. Riahi die Freiheiten des fiktionalen Kinos. „Obwohl alles beim Spielfilm gestellt ist, kann man manchmal zu einer radikaleren Form von Wahrheit kommen“. Riahi nutzt diese Tatsache, um die Erfahrungen von Flucht als poetisch-realistischen Film darzustellen.

Der Initiativkreis Migration ist ein parteiunabhängiger Zusammenschluss politisch engagierter Menschen, die es sich zum Ziel gemacht haben, die Situation von Flüchtlingen im Rosenheimer Raum zu beobachten, zu begleiten und eine kritische Öffentlichkeit herzustellen. Dazu gehört auch die Schaffung von Transparenz im Umgang mit Flüchtlingen und ein ins Bewusstsein rücken der besonderen Situation von (unbegleiteten minderjährigen) Flüchtlingen.

Auch im Jahr 2011 vergeht keine Woche ohne Meldung der Pressestelle der Bundespolizei über Aufgriffe von „illegal“ in die Region Rosenheim eingereiste Menschen, deren Herkunftsländer sich meist wie das Spiegelbild der globalen Krisenregionen liest:  Nigeria, Somalia, Irak, Iran und nicht zuletzt, das auch von der Bundeswehr „befriedete“, Afghanistan werden z.B. als Herkunftsländer der Aufgegriffenen genannt. Auch das Kreisjugendamt Rosenheim verzeichnet eine gestiegene Anzahl unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge (UMF), welche sich bis Oktober 2010 auf über 25 vornehmlich aus Afghanistan stammende Jugendliche gesteigert hatte und zum Jahresende noch deutlich übertroffen wurde. Viele der Jugendlichen sind seit Monaten auf der Flucht, oftmals aufgrund der Situation in den Herkunftsländern als auch aufgrund der Fluchtgeschehnisse traumatisiert. Jugendliche im Alter von 16 bis 18 Jahren werden an das Bundesamt für Migration und Füchtlinge (BAMF) „verbracht“. Wie groß die Anzahl von direkt nach Österreich zurückgeschobenen Jugendlichen ist, ist nicht bekannt. Teilweise werden die Jugendlichen unter 16 Jahren in nur provisorischen Jugendeinrichtungen in Stadt und Landkreis Rosenheim (Irschenberg, Pflegefamilien) untergebracht oder nach München verlegt. Sie treffen in Rosenheim auf eine Situation, in der es kein Bewusstsein für die besonderen Probleme dieser Jugendlichen gibt. Es fehlt an Personal und Institutionen, welche mit, aufgrund von Flucht und Krieg, traumatisierten Jugendlichen adäquat umgehen, sowie interkulturell sensibel agieren können. Wegen dieser unhaltbaren Zustände, setzen viele der Jugendlichen ihre Flucht unmittelbar fort. Auch die Verlegung nach München ist keine Lösung, da z.B. die Erstaufnahmeeinrichtung Baierbrunnerstraße völlig überbelegt ist und Jugendliche gemeinsam mit Erwachsenen untergebracht werden. Für die speziell für jugendliche Flüchtlinge konzipierten Einrichtungen, wie das Haus Chevalier, gibt es Wartelisten von bis zu 100 Personen. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Verantwortlichen in Rosenheim entweder selber hilflos sind oder abwarten bis sich die Situation, z.B. durch Weiterflucht, von selbst löst.

Ein Konkretes derzeit angestrebtes Ziel des Initiativkreises ist deshalb vor allem auch die Einrichtung einer Clearingstelle mit einer angemessenen Anzahl an Plätzen. Eine Clearingstelle ist eine altersgerechte Aufnahme- und Betreuungseinrichtung für junge Flüchtlinge, auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der jungen Menschen einzugehen sowie Zuflucht, Schutz und Beratung zu bieten.

Der Film ist heute Abend, Freitag, dem 11. März, in der nochmal in der Spätvorstellung, um 22:15 Uhr, zu sehen.