Miesbach: Es ist unser Dorf |update

Nachdem es in Miesbach keine selbstverwalteten Freiräum für Jugendliche gibt, organisierten selbige für eine Party unter einer Unterführung. Nach einem Bericht von randale & liebe wurde diese aber von den Dorfbullen verhindert. Als Reaktion gab es ein Spontandemo mit rund 70 Teilnehmer_innen „‚kein platz, kein ort, das ist unser dorf!‘, ‚whose streets? – our streets!‘ und ‚acab‘ schallt es durch die ganze stadt.“ heißt es auf r&l. Zum Demoende hin ließen die Dorfsheriffs die Situation wohl noch eskalieren und es kam zu zwei, zum Teil brutalen, Festnahmen und verbalen Bedrohungen wie z.B. „eigentlich sollt ich dich zamschlagen und irgendwo hin schmeissen.“ [Bericht auf Randale und Liebe]

Um sich das reaktionäre Dorfklima besser vorstellen zu können, sei erwähnt, dass der CSU Kreisverbandes Miesbach am kommenden Donnerstag (24.03.), den wegen seiner rassistischen und elitaristischen Hetze gegen Migrant_innen viel kritisierten Populisten Sarrazin, in den Oberbräusaal, Holzkirchen eingeladen hat. Dazu passend vermeldet der Miesbacher Merkur einem zwei Meter breiten und zirka 40 Zentimeter hohen „Ausländer raus“-Schriftzug an der Haushamer Grund- und Mittelschule.

Update, 21.03, auf randale & liebe ist nun ein zweiter 2ter Erfahrungsberich online, welchen wir hier dokumentieren:

2ter Erfahrungsbericht:
Es sollte am Freitag Abend um 22Uhr losgehen. Eine Party, an einem Ort, wo sich um diese Uhrzeit niemand mehr aufhält und möglichst keiner gestört wird. Die jungen Menschen hatten vor einfach nur so zu feiern wie sie wollten, ohne Geld ausgeben zu müssen oder einem Dresscode zu entsprechen.
Beim Aufbau wurde schon deutlich, dass es für einige Menschen unmöglich erscheint, dass Jugendliche etwas selber auf die Beine stellen können, ohne etwas kaputt zu machen. „da gehts nicht mit rechten dingen zu“… mit diesen Worten ging eine Bürgerin, die ihre Steuern gerne dafür ausgeben lässt, dass eine müffelnde Unterführung, in der das Wasser von der Decke tropft, bei einem Polizeieinsatz geräumt wird, scheinbar direkt in die ESSO-Tankstelle, wo sie um das Telefon bat, um die Polizei zu rufen.
Pünktlich um 22Uhr erschienen die ersten Leute in großen Gruppen und konnten sich ca. 2 Minuten zur Musik bewegen. Dann ging der stadtbekannte Polizist in zivil, F. zum DJ. Unterstützt wurde er von 2 Beamten in Uniform und einem weiteren in Zivil.
(Auch, wenn es so wirkte, als ob die Beamten durch die ältere Dame alarmiert wurden, scheinbar war der Einsatz schon geplant gewesen, da eigentlich nicht damit gerechnet werden kann, dass in der Miesbacher Polizeistation so viele Polizisten anwesend sind und selbst wenn, diese nicht mit so vielen Leuten anrücken, nur weil eine Bürgerin gemeint hat, da treiben Jugendliche Unsinn)
Der DJ wurde sofort geduzt und rabiat aufgefordert die Musik auszuschalten und den Ausweis abzugeben. Die Partygäste, die sich auf eine mindestens halbstündige Party gefreut hatten, blieben ruhig, aber zusammen. Wenn jemand nachfragte, was diese unfreundliche Art sollte und warum das nicht zumindest kurzzeitig gehe, wurde unfreundlich geantwortet, mit Platzverweisen und Aussagen wie: „und du hälst jetzt deine Klappe“.
Trotz dieser offensichtlichen Geringschätzung junger Menschen, die Herr F. dadurch begründet, dass mensch sich kenne, wurde die Unterführung aufgeräumt und ordentlich hinterlassen. Dass Herr F. meint die junge Leute duzen zu dürfen, liegt wohl daran, dass er Einzelne teilweise zwei mal am Tag auf Drogen durchsucht, ohne etwas zu finden oder Hinweise darauf zu haben.
Draußen wurden die Partyutensilien dann in die Autos verladen und besprochen, wie es weitergehen soll. Viele hatten keine Lust und kein Geld sich wieder nur in eine Kneipe zu setzen und sich zu betrinken. Unter den mittlerweile über 50 Leuten wurde beratschlagt und diskutiert. Das nahm die immer noch anwesende Polizei zum Anlass, dass Mischpult aus dem Auto des DJs heraus zu konfiszieren. Die mittlerweile herumspukende Idee einer Party auf privatem Gelände musste somit fallen gelassen werden. Auch der Hinweis an die Polizei, dass über 50 wütende Jugendliche in Miesbach, die sich weder ernst genommen noch anständig behandelt fühlen, nicht der perfekte Ausklang für den Abend sind, wurde nur lächelnd aufgenommen.
Letzt endlich fuhr die Polizei davon und ließ die Gruppe an der Hauptstraße stehen. Dort überwog die Wut auf die selbstgefällige Art der Beamten und die Missachtung der Bedürfnisse und Wünsche der Jugendlichen. Ein legale Art die Party weitergehen zu lassen wurde in einer Spontandemonstration „gegen die Art des Polizeieinsatzes und den Mangel an Alternativen in Miesbach“ gefunden.
Zwei Autos wurden gefunden, die die Menge mit Musik versorgen sollten und dann ging es auf der Hauptstraße los in Richtung Waitzinger Keller und Polizeistation. Als dann auf der Höhe des Waitzinger Kellers das zivile Polizeiauto des Herrn F. auftauchte wurden die Autos abgestellt und entschlossen ohne Musik oder sonstige Kundgebungsmittel weitergelaufen. Mit lauten Sprechchören wurde klar gemacht worum es ging und was eigentlich los ist. „Kein Platz, kein Ort, das ist unser Dorf“ und einige Antirepressions-Slogans sollten klar machen, was los ist.
Zwischenzeitlich wuchs die Spontandemonstration auf ca. 70 Leute an und bewegte sich, gerüchteweise, auch an der Frau Bürgermeisterin Pongratz in ihrem neuem BMW vorbei. Ältere Passant_innen die im Bräuwirt den Abend verbrachten, waren von der Menschenansammlung überrascht, aber eher begeistert als verängstigt. Sie jubelten mit.
Letztendlich ging die Demo ihrem Anfangspunkt und voraussichtlichem Ende nach ca. einer Stunde entgegen. Um die ESSO-Tankstelle wurde sich wieder gesammelt und nach besprochen, als die Situation eskalierte. Nach einer angeblichen Beleidigung wurde eine Demoteilnehmerin aggressiv und gewalttätig in das zivile Auto der Beamten gedrängt. Als sich diese Nachricht unter allen Teilnehmenden verbreitet hatte, folgte auf Fassungslosigkeit Tatendrang. Nachdem das Auto scheinbar über Feldwege weggefahren war, ging der Demonstrationszug mit ca. 60 Leuten zur Polizeiwache um dort auf die Freilassung der Freundin zu warten. Dort angekommen wurde versucht mit der sichtlich Verängstigten Kontakt aufzunehmen.
Kurz darauf kam Panik auf, als vier Polizeiwägen in erhöhtem Tempo auf den Parkplatz einfuhren und aggressive Beamten, inklusive eines Polizeihundes heraussprangen. (Ob dieser Polizeihund für solche Einsätze ausgebildet war, darf bezweifelt werden. Er trug weder einen Maulkorb noch schien er die Situation gut zu verarbeiten und bellte mehrmals unaufgefordert, bzw. unkontrolliert, selbst als die Situation entspannt war).
Als sich nicht alle der Panik anschlossen sondern ca. 20 Jugendlich sich stattdessen im Gehen entfernten, stieg die Wut der Beamten, die sich allein durch ihr Auftreten eine Lösung der Situation erhofft hatten. Aus diesem Grund wurde ein Einzelner, offensichtlich noch nicht Volljähriger herausgegriffen und, trotz keiner aktiven Gegenwehr, unter massivem Einsatz von Gewalt zu Boden gedrückt. Der Hund wurde eingesetzt um die restlichen Jugendlichen, die von dem gewalttätigem Vorgehen geschockt waren, von dem am Boden Liegendem fern zu halten. Dadurch hatte der Jugendliche den kläffenden Hund direkt über sich, während ihm Handschellen angelegt wurden um ihn in das, ca. 10 Meter entfernte, Polizeirevier zu bringen.
Vor der Wache kamen nun alle wieder zusammen und zeigten, dass sie sich nicht einschüchtern lassen wollten. Es blieb jedoch friedlich und vereinzelt gaben Jugendliche ihre Ausweise zur Personalienfeststellung ab, während andere sich dieser unnötigen Maßnahme verweigerten.
Ca. eine dreiviertel Stunde nach ihrer in Gewahrsamnahme kam die erste Teilnehmerin wieder frei und wurde sofort freudig begrüßt. Kurz darauf wurde auch der Jüngere freigelassen. Nachdem mensch sich ausgesprochen hatte, löste sich die Versammlung langsam vor der Polizeistation auf.
Es lässt sich sagen, dass die geplante Party nicht unbedingt legal gewesen wäre, jedoch das unverschämte Verhalten der Polizei, speziell des Herrn F., aus einer friedlichen Party, eine wütende, aber friedliche Spontandemonstration werden lies. Das übertriebene Verhalten gegenüber der Teilnehmer_innen zeigte, dass die Polizei scheinbar nicht gewillt ist, Jugendliche als gleichwertige Bürger_innen zu behandeln.
Das Alter der Teilnehmer_innen war zwischen 15-23.