Streik-Demo in Rosenheim

Etwa 450 Kolleg_innen nahmen heute an einer Warnstreikdemo vom Landratsamt in die Rosenheimer Innenstadt teil. Aufgerufen waren die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst der Länder und bei der Telekom. Während es im TV-L diese Woche zu den ersten Arbeitsniederlegungen in der laufenden Tarifrunde kam, sind die Verhandlungen bei Telekom schon fortgeschritten. Auch Beamt_innen beteiligten sich an der Demo. Sie fordern nach Abschluss die wirkungsgleiche Übernahme, bislang hat der Freistaat jedoch eine Nullrunde verordnet. Nicht zuletzt deshalb fiel die Aktion deutlich kräftiger aus als vor zwei Jahren.

Und das obwohl VerDi Bayern die Losung ausgab, keine gemeinsamen Aktionen mit dem Beamtenbund durchzuführen. Ausgangspunkt für diese kontraproduktive Spaltung der Kampfkraft, ist die Auseinandersetzung zwischen VerDi München und der Gewerkschaft der Lokomotivführer_innen (GDL) bei der Tarifrunde im MVV, die die Münchner Gewerkschaftslinke (MGL) hier kommentiert. Die Kolleg_innen an der Basis liesen sich das allerdings nicht so ohne Weiteres verordnen. Viele trugen – geradezu provokativ – Streikwesten von VerDi und Fahnen des Beamtenbunds oder umgekehrt.

Eine Kollegin trägt die VerDi Fahne und eine Streikweste der dbb Tarifunion

Traditionell angespannt ist das Verhältnis lediglich bei den Straßen- und Autobahnmeistereien. Sie bilden das Rückgrat der Streiks, denn ihre Arbeitsniederlegung wird – insbesondere bei Schneefall – ganz unmittelbar spürbar. Und ihre Arbeit ist gefährlich: Jedes Jahr verunglücken dort Kolleg_innen tödlich, in 2010 waren es sechs bundesweit. Hunderte werden schwer verletzt. Wohl auch deshalb sind die Kolleg_innen besonders kämpferisch: „Heid streik und moing bin i krank“ und „Mia woiln ned ren, mia woin streika, wenns sei muas a bis Weihnachten“¹ sind nicht nur leere Sprüche, sondern durchaus ernst zu nehmen. Das weiß auch der Klassenfeind und hat in Ampfing schon einmal ein Exempel statuieren wollen: Erst sollte die Verteilung des Streikaufrufs per eMail untersagt werden, dann das Aufhängen am schwarzen Brett und am Mittwoch morgen wurden die Kolleg_innen des Werksgeländes verwiesen als sie noch eine Tasse Kaffee trinken wollten bis der Bus kommt. Die müssen sie jetzt wohl auf Arbeitszeit nachholen…

Und in der Tat könnte es im Länderbereich auch in den unbefristeten Streik gehen: Sollten die Verhandlungen scheitern, gibt es keine Schlichtungsvereinbarung mehr und VerDi müsste zügig die Urabstimmung einleiten. Ein Gedanke, mit dem sich Norbert Flach, Tarifkoordinator von VerDi Bayern und Redner bei der Abschlussveranstaltung im Mailkeller, augenscheinlich noch nicht so recht anfreunden wollte. Den Streikenden aber gefiels.

Die Telekom behauptet offiziell, die Streiks seien bislang kaum spürbar gewesen. Die Kolleg_innen können darüber aber nur müde lachen. Denn gerade im Bereich der Störungsbehebungen und in den Call-Centern leuchten die Ampeln wohl ziemlich rot. Einzelne treten zehn Minuten vor Streikbeginn den Dienst an, holen sich einen Auftrag und legen dann die Arbeit nieder. Die interne Logistik sorgt dann von selbst dafür, dass dieser Auftrag auch vom willigsten Streikbrecher nicht mehr bearbeitet werden kann, sondern frühestens erledigt wird, wenn die betreffende Person die Arbeit wieder aufnimmt.

Der Demozug erreicht den Roxyberg

Insgesamt gab der Streiktag Motivation und Lust auf mehr: „Schickte“ VerDi vor zwei Jahren noch Länderbeschäftigte am einen und Kolleg_innen im Nahverkehr am nächsten Tag „raus“, ist das doch ein Schritt in die richtige Richtung: Mensch hat sogar in einer Kleinstadt wie Rosenheim das Gefühl, dass wir gar nicht so wenige sind – und dass wir noch einiges im Kreuz haben…

Berichte:



¹ „Heute streik ich und morgen bin ich krank“, „Wir wollen nicht reden, wir wollen streiken – wenn es sein muss auch bis Weihnachten.“