Wutbrauer bei Auer

Im bairischen Brauereiwesen kam es diese Woche zu ersten Warnstreiks in der aktuellen Tarifrunde. Verhandelt werden zugleich Rahmentarif und Entgeltrunde. Die Arbeitgeberseite hat zwar für eine geringe Lohnerhöhung angeboten, versucht die Beschäftigten jedoch mit Herabstufungen langfristig zu verarmen. Am Mittwoch wurde bei Auer Bräu gestreikt.

Vorab hat die Stadt Rosenheim aber einmal mehr veranschaulicht, was sie von Grundrechten wie Versammlungs- und Koalitionsfreiheit hält und der Geschäftsleitung den Streik angekündigt. Diese war entsprechend vorbereitet und notierte alle Kolleg_innen im Ausstand. Vor zwei Jahren fotografierte sie Streikende noch hektisch ab und zitierte sie anschließend zu Einzelgesprächen, womit auch dieses Mal wieder zu rechnen ist. Überhaupt, erzählten die Kolleg_innen, sei die Stimmung im Betrieb seit dem letzten Wechsel der Geschäftsleitung vergiftet. Selbst nach einem Zwölf-Stunden-Tag sei er einmal herablassend abgekanzelt worden, berichtet einer von ihnen.

Der Stimmung vorm Werkstor tat das keinen Abbruch. Eingeheizt von der Streikleitung bekundeten die Ausständler_innen „Ein neuer Tarifvertrag muss her – sonst geb’n wir keine Ruhe mehr“ und „Wer heute sagt zum Kampfe nein, wird morgen ohne Arbeit sein“. Solidaritätsdelegationen aus Betrieben der Milchwirtschaft sprachen Grußworte, ein VerDi Kollege lud zum Ersten Mai ein, wo auch der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätte, Franz Josef Möllenberg, sprechen wird. Der DGB Regionsvorsitzende kam gerade erst als der Warnstreik beendet und die Arbeit wieder aufgenommen wurde, aber der gute Wille zählt ja auch.

Neben der Entgeltrunde, für die die NGG 6% möchte, wird auch der Rahmentarifvertrag verhandelt. Gegenüber dem gekündigten bundesweiten Rahmen möchten die Brauereien eine Herabstufung aller Beschäftigten, die nicht direkt am Brauprozess beteiligt sind. Für eine Gabelstaplerfahrerin wären das etwa 1500€ Lohneinbuße, für einen LKW-Fahrer bis zu 3000€ jeweils pro Jahr. Deshalb zeigten dieses Mal auch Beschäftigte aus der Logistik Flagge. Knapp 40 Kolleg_innen aus der etwas weniger als 100 Beschäftigte zählenden Belegschaft waren damit im Ausstand.

Ein RFO-Bericht findet sich hier.