Rad Reichenhall: Brückenumbenennung gefordert

Zum 70. Jahrestag der deutschen Invasion auf Kreta, wollen am kommenden Samstag (21.05.2011) Antifaschist_innen in Bad Reichenhall gegen rechte Traditionspflege, Nazis und den millitaristischen, nationalistischen deutschen Normalzustand demonstrieren. In einer Presseerklärung fordert das Rabatz-Bündnis nun auch die Umbenennung der Kreta-Brücke in Winkler-Reischl-Brücke.

Am 20. Mai 1941 griff die deutsche Wehrmacht, darunter „Gebirgsjäger“ aus Bad Reichenhall, Kreta an, hielt die Mittelmeerinsel bis zum 9. Mai 1945 besetzt und beging dort zahlreiche Kriegsverbrechen. Nach Angaben des Rabatz-Bündnisses sind auf Kreta über 3500 Zivilist_innen hingerichtet und mehr als 30 Dörfer komplett zerstört worden. Am 01. August 1941 wurde zum Beispiel das Dorfes Skines durch die aus Bad Reichenhall kommende 5. Division niedergebrannt und die 148 Einwohner_innen erschossen. Nach der Meinung des antifaschistischen Bündnisses, zu welchem sich 10 linke Gruppen aus Österreich und Oberbayern zusammengeschlossen haben, sei es an der Zeit die Brücke umzubenennen. „Wir fordern den Stadtrat von Bad Reichenhall auf, die Kreta Brücke in Winkler-Reischl-Brücke umzubenennen“ so Anna Jade, eine Sprecherin des Bündnisses wörtlich. Johann Winkler (Müller, Jahrgang 1908) und Gottfried Reischl (Mechaniker, Jahrgang 1902) waren Antifaschisten aus Bad Reichenhall. Sie stellten unter anderem mit einem Gummibuchstaben-Druckkasten kleine antifaschistische Agitationszettel her, und steckten diese in Bad Reichenhaller Gaststätten in die Mäntel von Soldaten. Als Winkler und Reischl an Ostern 1936 versuchten in die Tschechoslowakei zu fliehen, wurden sie verhaftet und nach München zurückgebracht. Dort wurde Reischl so stark mißhandelt, „ dass er ins Krankenhaus eingeliefert werden musste und dort starb“ oder nach anderer Quelle „wurde er in seiner Zelle in der Ettsraße erschlagen“. Winkler starb 1942 im Konzentrationslager Ravensbrück. „Es ist ein Skandal, dass in Bad Reichenhall nichts an die antifaschistischen Widerstandskämpfer erinnert, aber ein Brückenname den faschistischen Angriffskrieg auf Kreta glorifiziert“ heißt es in einer Pressemitteilung.

In dem Aufruf zu der Demonstration, wird die am kommenden Dienstag (17.05) stattfindende „Kreta-Gedenkfeier“ als „geschichtsrevisionistisch“ und der Veranstalter, der Kameradenkreis der Gebirgstruppe, als „“Selbsthilfegruppe von Kriegsverbrechern“ bezeichnet. Der Bundeswehr wird unter anderem aufgrund der Tatsache, dass die Kaserne in Bad Reichenhall noch immer nach dem Nazigeneral „Rudolf Konrad“ benannt ist, eine „ungebrochene Traditionspflege“ vorgeworfen. Des weiteren soll gegen die Naziaktivitäten in der Region Bad Reichenhall demonstriert werden. Erst vergangenen Sonntag (08.05) trafen sich rund 80 Alt- und Neonazis zu einer SS-Gedenkfeier in Karlstein/Bad Reichenhall und Ende April soll im Berchtesgadener Land ein „nationaler Liederabend“ stattgefunden haben. Es sei nicht hinzunehmen, dass sich die NPD ohne Proteste zum monatlichen Stammtisch in einem Bad Reichenhaller Gasthaus treffen kann, betont das Rabatz-Bündnis. In dem Aufruf zur Demonstration heißt es deshalb unmissverständlich: „Wir finden es reicht – Bad Reichenhall muss endlich entnazifiziert und entmilitarisiert werden“. Die Demonstration startet um 14:30 Uhr am Bahnhof Kirchberg. Weitere Informationen gibt es im Internet unter: http://badreichenhall.rabatz-buendnis.org