Burschentag: Nicht ohne meinen Abstammungsnachweis

Feine Herren sind es, die sich da am Wochenende in Eisenach zusammenrotten, ein „Akademikerverband“. Im Anzug, mit Band, Mütze und viele auch mit Schmiss. Renomierschmiss, versteht sich, den Mann sich ehrenhalber als Zeichen der Wehrhaftigkeit und des Treuschwurs gegenseitig beim Fechten zufügt als sichtbare Narbe im Gesicht. Frauen können beim Festball als Schleifchen-Dame vielleicht dazustoßen, aber ihnen wird diese Ehre nicht zu Teil – ziemt sich ja auch nicht fürs schwache Geschlecht.

Und es ziemt sich ebenso wenig ohne volksdeutschen Abstammungsnachweis bei der Deutschen Burschenschaft anheuern zu wollen. Erst recht nicht, wenn Mann dann auch noch undeutsch aussieht! Wo käm‘ Mann da noch hin, da könnt‘ ja jeder kommen. Zum Beispiel dieser .. asiatischstämmige da in Mannheim, der gehört doch dem chinesichen Volk an, der kann doch nicht!

So oder so ähnlich hat Mann sich das wohl auch bei der Deutschen Burschenschaft im Rechtsausschuss gedacht – und den Jahrzehnte alten Volkstumsnachweis erstmals nach 1945 öffentlichkeitswirksam praktisch angewandt. Dass die Burschenschaften in Österreich keine Juden aufnehmen, kann als gesichert gelten, denn dementiert wurde das wahrnehmbar noch nicht. Dem Spiegel liegt jetzt allerdings auch ein schriftliches Dokument vor, aus dem sich ein „Ariernachweis“, wie es dort genannt wird, als Aufnahmevoraussetzung für den gesamten Verband der Deutschen Burschenschaft ergibt. Den konnte ein Mannheimer Bursche nicht erbringen, seinem Bund, der B! Hanseat, droht jetzt der Ausschluss. Das versteht sich, bei einem Mitglied, das so eklatant gegen die Regeln des Verbandes und der Gemeinschaft verstößt. Am Ende kämen dann noch Frauen und Schwule daher und forderten Gleichberechtigung.

So feine Herren sind es wohl doch nicht am Burschentag in Eisenach, eher völkischer Abschaum. Mal sehen, ob SPD-Bürgermeister Dohnt (trotz scharfer Kritik der Juso-Hochschulgruppen) und der Innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag Hans Peter Uhl (wie die Jungle World berichtet) dann tatsächlich ihre Grußworte halten. Uhl als Altem Herrn der Burschenschaft Arminia Rhenania München haben wir übrigens schon mal einen Artikel gewidmet: Mensurverbot für Spiele-Killer.