Kein rechtes Hooligankonzert in Oberbayern

Der Versuch am vergangenen Samstag, im ehemaligen „Gasthaus Gruber“ in Halsbach ein Rechtsrockkonzert mit „Kategorie C“ zu veranstalten, scheitert. Wir dokumentieren an dieser Stelle den Eintrag  in der a.i.d.a.-Chronologie rechter Aktivitäten (Oktober 2011):

8. Oktober 2011
Halsbach (Lkr. Altötting). Die Bremer Rechtsrock-Band „Kategorie C“ hat ein Konzert im Rahmen ihrer „Deutsche Jungs“-Tournee an geheimgehaltenen Ort „in Südbayern“ angekündigt. Im Stile konspirativer Neonazikonzerte werden mehrere Mobilfunknummern angegeben, über die am Veranstaltungstag Interessent_innen zum Konzertort geschleust werden sollen. In einer Mitteilung der Band heißt es über das Konzert: „Ausserdem endlich das Nachhol-, Ersatz-, oder nennt es wie ihr wollt Konzert. Wir kommen am 08.10.11 nach Bayern, genauer gesagt nach Südbayern. Genaue Infos dieses Mal erst am Tag des Konzerts ab 12.00 Uhr Mittags. Sicherheit geht vor. sport-frei“.
Beim beabsichtigten Konzertort handelt es sich um das einschlägig bekannte ehemalige „Gasthaus Gruber“ im oberbayerischen Halsbach. Hier treffen am Samstag Abend ca. 120 Konzertteilnehmer_innen ein – und werden von einem Großaufgebot der Polizei gestoppt, da die Gemeinde mittlerweile das Konzert verboten hat. Der Halsbacher Oberbürgermeister Georg Pfaffinger ist persönlich vor Ort. Von Seiten der Veranstalter_innen tritt ihm Norman Bordin (Ottobrunn) entgegen, der bekannte Aktivist des neonazistischen Kameradschaftsnetzwerks „Freies Netz Süd“. Nach Aussagen von Bürgermeister Pfaffinger versucht Bordin noch zu behaupten, das monatelang im Internet zuerst mit Vorverkauf, dann mit Abendkasse beworbene Konzert sei eine „private Veranstaltung“, zu der jeder Gast schriftlich eingeladen worden sei.  Aber auch die von Pfaffinger geschilderte Drohung Bordins mit Strafanzeigen bleibt ohne Erfolg.
Die Rechtsrockkonzert-Besucher_innen fahren ab und sorgen noch auf der „Kirta“ in Altötting für Ärger. Schließlich muss die Polizei die Gruppe in einem Bierzelt auf dem Volksfest umstellen, „um weitere Vorfälle zu verhindern“, wie es in der Lokalpresse anschließend heißt. Der „Alt-/Neuöttinger Anzeiger“ berichtet, dass die Neonazis ab 20.30 Uhr gepöbelt, Polizeibeamt_innen beleidigt und angebrüllt und schließlich die Festbesucher_innen verdrängt hätten. Das Festzelt muss daher schon gegen 22.00 Uhr geschlossen werden.
Im Gästebuch auf der „Kategorie C/Hungrige Wölfe“-Website spricht User „Kevin“ nach dem geplatzten Konzert von Halsbach der Band Mut zu: „Aber der Hass auf euch hier ist sehr groß. Leider! (…) selbst harmlose Hausfrauen sind gegen KC. Merkwürdiges Völkchen hier unten. Nicht aufgeben!“. Die Band jammert: „Wir sind 1800 Kilometer für nichts gefahren und dürfen noch die Anlage, Leihwagen, Aushilfen usw. zahlen.“ Pech auch für den „Gasthaus Gruber“-Besitzer Alois Gruber jun.: Wie Landrat Erwin Schneider am Tag nach dem „Kategorie C“-Konzertversuch bekanntgibt, habe die Stadtsparkasse Altötting-Mühldorf das Zwangsversteigerungsverfahren für das seit längerem geschlossene Gasthaus eingeleitet.
„Kategorie C“-Auftritte in Bayern konnten zuletzt meist von Antifaschist_innen verhindert werden: Ein am 18. April 2009 in München angekündigtes Konzert konnte von AntifaschistInnen recherchiert und in München von den Behörden verhindert werden. Die Band mit ihrem Sänger Hannes Ostendorf wich damals ins 80km entfernte Kaufbeuren aus, wo das Konzert im ersten Stock der „All-Kart“-Kartsporthalle stattfand. Konspirativ mit Schleusungspunkten organisierte „Kategorie C“-Konzerte, die die Band am 22. Mai 2010 in der Ruhpoldinger Diskothek „Fire & Ice“, am 26. Juni 2010 „im Raum Ulm“ und am 18. September 2010 im leerstehenden „Alten Milchwerk“ in Boos (Schwaben) spielen wollten, konnten jedoch alle im Vorfeld von Antifaschist_innen recherchiert und daraufhin verhindert werden.

Auf der Internetseite des Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger ist auch eine „Fotostrecke Aufmarsch der Rechtsextremen“ zu finden.