Wir trauern um Otto Schmeing

Wir trauern um unseren Kollegen, Mitstreiter und Freund Otto Schmeing. Otto ist im Laufe des VerDi Bundeskongresses schwer erkrankt und am 30.09.2011 verstorben. Mit ihm verliert die linke Bewegung in Rosenheim einen ihrer wichtigsten Aktivist_innen und der Stadtteil Happing seine „gute Seele“.

Am kommenden Freitag wird Otto in seiner Geburtstadt Nordhorn beigesetzt – in Rosenheim findet am Samstag um 15.00 Uhr eine Trauerveranstaltung an der Grund- und Teilhauptschule Happing (Eichenholzstr. 1) statt. Bis dahin liegt ein Kondulenzbuch in der Bäckerei in der Happinger Netto-Filiale (Isarstr. 1c) aus.

Dort hat Otto oft seine Vormittage verbracht, mit einer Tasse Kaffee und vor allem mit den Menschen, die im Supermarkt aus- und eingingen. Es schien so, als kenne er sie alle, die Happinger_innen. Sie nahmen sein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte in der Nachbar_innenschaft gerne und dankend an. Denn Otto war da: wenn nicht in der Bäckerei, dann eben beim Kinder- und Ferienprogramm im Stadtteilladen oder der Schule. Es war ein riesiges Stück gelebte Solidarität, die Otto da leistete und die wahrscheinlich effizienteste Sozialarbeit, die vorstellbar ist. Büro hatte (und brauchte) er dafür seit längerer Zeit keines mehr. Denn die formale Qualifikation für diese Aufgabe wurde ihm abgesprochen, so dass er vollkommen ehrenamtlich tätig und in den letzten Jahren oft Hartz-IV-Empfänger war.

Otto war aber nicht nur für die Menschen in Happing da: Aktiv war er unter anderem in Attac, im DGB Kreisvorstand sowie als Ortsvereinsvorsitzender der SPD. In Ver.Di setzte er zuerst als erwerbsloser Rosenheimer Ortsvereinsvorsitzender und zuletzt als Bezirksvorsitzender ein Zeichen; ein Zeichen, dass sich die gewerkschaftliche Bewegung im Jahr 2011 nicht mehr allein am tariflich abgesicherten „Normalarbeitsverhältnis“ orientieren kann. Er forcierte außerdem Themen wie Versammlungsfreiheit und eine kritische Auseinandersetzung mit der Bundeswehr. Otto wusste nicht nur, welche Themen wichtig sind, sondern brachte diese auch auf die Agenda – weniger mit Durchsetzungs-, sondern mit seiner Überzeugungskraft.

Auf Otto war verlass! Egal, ob Anti-Atom-Mahnwachen, Erster Mai oder Flüchtlingssolidarität: Otto war da und unterstützte, wo er konnte. Egal, ob Moderation, Redebeitrag, Fahrdienste oder Aufräumen: Otto war da und tat das, was zu tun war. Wie selbstverständlich, dass er auch bei den Vorbereitungen für das Selbstverwaltete Zentrum mitwirkte, und Mitglied im Förderverein war.

Wir sind dankbar, dass wir mit Otto zusammenarbeiten durften – Die Gewissheit ihn nicht mehr wieder zu sehen schmerzt uns.