Entschwörungstheorie (Vortrag mit Daniel Kulla)

Am Freitag den 30. März referiert im Rosenheimer „Z“ (Innstr.45a – www.z-rosenheim.net) Daniel Kulla1 über “Entschwörungstheorie” und stellt sein Buch mit demselben Titel vor.

Entschwörungstheorie” ist ein ironisches Label. Ziel ist nicht die Einheitliche Feldtheorie zur Widerlegung sämtlicher Verschwörungstheorien. Vielmehr geht es darum, das Thema für eine kritische Diskussion überhaupt zugänglich zu machen und die dafür wichtigen Fragen aufzuwerfen. Motiv ist die Unzufriedenheit mit der bisherigen Beschäftigung mit Verschwörungsdenken, die besonders in Deutschland vorwiegend in unkritisches Durch-winken einerseits und akademisch-elitäres Bashing à la Wolfgang Wippermann andererseits zerfällt.

In dem Buch „Entschwörungstheorie. Niemand regiert die Welt“ ( 2007, Verlag: Werner Pieper & The Grüne Kraf) betont Kulla die Besonderheit des modernen Verschwörungsdenkens gegenüber früheren Formen; es werden nicht mehr hauptsächlich aufgrund unzureichender Informationen wilde Spekulationen angestellt, sondern es findet eine Reduktion trotz verfügbarer Informationen statt. Dabei kleidet sich moderne Verschwörungsideologie ins Gewand etablierter Autoritäten (Wissenschaftler, Historiker, Politiker) und übertrifft diese in der Wirkung beim Publikum in vielen Fällen. Dieser als “Travestie” bezeichnete Mechanismus gehört zu den wichtigsten Verbreitungsweisen des Verschwörungsdenkens und sollte nicht durch die üblichen Reaktionen bestärkt werden.

Wichtig ist dem Autor auch die Unterscheidung in offenes und geschlossenes bzw. ideologisches Verschwörungsdenken. Ersteres zeichnet sich durch offene Fragestellungen und die Beschäftigung mit der Realität von Verschwörungen (klandestine Machtstrukturen, Geheimdienste) aus, während zweiteres als geschlossene Ideologie daherkommt, in der die Antworten immer schon vorher feststehen, mittels derer Vorverurteilungen, Opfer- und Feindmarkierungen vorgenommen werden und somit Brennstoff für die Politik von Ausschluss, Verfolgung und Massenmord geliefert wird.

Der „Entschwörungstheorie“ -Vortrag am Freitag den 30. März wird von der infogruppe rosenheim in Zusammenarbeit mit der Petra Kelly Stiftung organisiert. Die Veranstaltung beginnt pünktlich um 19:00 Uhr, der Eintritt ist frei.

1Daniel Kulla, 34, ist ein Ostberliner Autor, Sänger und Blogger. Er war kurz Chefredakteur des Jugendmagazins Spiesser, schrieb eine Biographie über einen Gründer des Chaos Computer Clubs, singt Lieder über den Kommunismus und schreibt im Moment ein Buch über Drogen und Räusche. Kulla hat sich ausführlich mit Verschwörungstheorien beschäftigt. In seinem Buch „Entschwörungstheorie. Niemand regiert die Welt“ beschreibt er, was offene Verschwörungstheorien sind: Sie fragen, ob Terrorgruppen, Geheimdienste oder Konzerne hier tatsächlich etwas Fieses ausgeheckt haben. Dagegen stellen geschlossene Verschwörungstheorien nur Fragen, die sie vorher schon beantwortet haben – das könne gefährlich werden.“ (Süddeutsche Zeitung, 10. September 2011, http://www.sueddeutsche.de/politik/krude-theorien-um-verschwoerungsglaube-eine-ideologie-aus-der-mitte-der-gesellschaft-1.1141196)