Naziaufmarsch am 1. Mai in Hof und nicht in Rosenheim?

Das Nazinetzwerk „Freies Netz Süd“ (FNS) mobilisiert für den  1. Mai 2012  zu einem Naziaufmarsch in das bayerische Hof an der Salle und nicht nach Rosenheim.

Der Naziaufmarsch am 1. Mai
In den vergangenen Jahren fanden am 1. Mai jeweils zentrale süddeutsche Aufmärsche abwechselnd in Baden Württemberg und Bayern statt.  Dabei wählten die Nazis immer mittelgroße Städte mit 40 bis 120 Tausend Einwohner_innen (2009 Ulm – BaWü – 120.000 Einwohner_innen; 2010 Schweinfurt – Bayern – 53.000; 2011- Heilbronn – BaWü- 120.000;  2012- Hof-Bayern – 46.000). Die Naziaufmärsche am 1. Mai hatten in der Vergangenheit (Schweinfurt 2010, Heilbronn 2011) eine Dimension von jeweils rund 900 Teilnehmer_innen.. Diese zentralen süddeutschen Aufmärsche, wurden von dem Nazinetzwerk „Freies Netz Süd“ (siehe unten) organisiert und von etwa 50 rechten Gruppen und Organisationen (darunter auch die NPD Bayern) unterstützt.

Das Freie Netz Süd  
Das FNS ist ein Zusammenschluss von Neonazikameradschaften, das sich Ende 2008 von der bayerischen NPD abgespaltet hat, da ihnen diese zu angepasst war. Das FNS ist derzeit die aktivste und aggressivste Naziorganisation, die offen nationalsozialistisch auftritt. Viele führende Köpfe waren früher in inzwischen verbotenen Organisationen (z.B. FAF1) aktiv und sind wegen diverser Delikte vorbestraft. Martin Wiese und Karl-Heinz Statzberger waren zum Beispiel an dem geplante Sprengstoffanschlag auf das Jüdische Kulturzentrum in München (2003) beteiligt und wurden wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung verurteilt. Immer wieder kommt es zu Übergriffen von FNS-Aktivisten auf Andersdenkende. Höhepunkt war der Übergriff des führenden FNS-Aktivisten Peter Rausch (Fürth), der am 28. April 2010 in einer Nürnberg U-Bahn einen Antifaschisten mit kurdischem Migrationshintergrund halb tot schlug. Das Opfer konnte nur durch eine 40-minütige Wiederbelebungsmaßnahme gerettet werden. Das Abspielen der Melodie des NSU-Bekennervideos2 (Titelmelodie von „Paulchen Panther“) bei der Demonstration am 21.01.2012 unterstreicht die Solidarität des FNS mit Rechtsterroristen.

Rosenheim als Aufmarschort ?
Einem Pressebericht der „Potsdamer Neusten Nachrichten“ zufolge, war für den 1. Mai 2012 ursprünglich ein Naziaufmarsch in Rosenheim geplant, wörtlich heißt es: „Nach PNN-Informationen ist Wittstock bislang der einzige Ort in den neuen Bundesländern, in dem die Rechtsextremisten eine Demo zum 1. Mai geplant haben. Daneben wollen die Neonazis an diesem Tag in Dortmund (NRW), Neumünster (NDS) und Rosenheim (Bayern) ihre Aufzüge abhalten.“3  Kurz nach dem Erscheinen des Presseartikels trafen sich in Rosenheim Mitglieder aus unterschiedlichen Gruppen, Gewerkschaften, Organisationen, Parteien und Vereinen  um sich auf einen eventuellen Naziaufmarsch vorzubereiten. Mit einem breiten Bündnis wollten sich die Rosenheimer_innen den Neonazis entgegenstellen. Ob die frühzeitige Planung von Gegenaktivitäten und die Anmeldung zahlreicher Kundgebungen, Demonstrationen, etc. die Nazis abgeschreckt und zum Ortswechsel veranlasst haben bleibt spekulativ. Fakt ist leider auch, dass Rosenheim, unabhängig vom 1. Mai, Ort eines Aufmarsches werden könnte.  Seit Mitte Januar 2012 gibt es in Bayern eine neue Nazistrategie von kurzfristig angekündigten bzw. angemeldeten neonazistischen „Demonstrationen“. So versuchten die im „Freien Netz Süd“ organisierten Nazis am 14.01. in Mühldorf, am 21.01. in München, am 18.02. in Fürth und am 25.02. in Landshut aufzumarschieren. Diese Aufmärsche wurden meist erst wenige Tage oder Stunden vor dem Aufmarsch bekannt. Es ist gut möglich, dass Neonazis auch in Rosenheim versuchen, kurzfristig und evtl. unabhängig vom 1. Mai aufzumarschieren. Es gilt also wachsam zu bleiben um ggf. vor Ort schnell agieren zu können. Keinen Fußbreit den Faschisten.

UPDATE: Die Meldung des a.i.d.a. Archives:

1. Mai 2012 Neonazistischer Aufmarsch im oberfränkischen Hof

 

Die süddeutsche Kameradschaftszene will ihren diesjährigen 1.-Mai-Aufmarsch im oberfränkischen Hof an der Saale durchführen. Die Behörden in Hof bestätigten mittlerweile den Eingang einer neonazistischen Anmeldung.

Das neonazistische „Freie Netz Süd“ (FNS) und die „Bürgerinitiative Ausländerstopp München“ (BIA) haben bereits mit der Mobilisierung der Szene begonnen. Die Homepage, mit der für den Aufmarsch geworben wird, ist auf den FNS-Führungskader und Anti-Antifa-Aktivisten Norman Kempken (Nürnberg) angemeldet. Das dort prösentierte Kampagnenlogo wurde unter Verwendung zweier nationalsozialistischer Symbole (Zahnrad der „Deutschen Arbeitsfront“ sowie einem Gaufeldabzeichen der Hitlerjugend) gestaltet.

Das „Freie Netz Süd“ hat seit seiner Gründung jedes Jahr am 1. Mai große neonazistische Aufmärsche durchgeführt, an denen sich zum Teil auch NPD-Landesverbände beteiligt haben: 2009 im oberpfälzischen Weiden, 2010 in Schweinfurt (Unterfranken) und 2011 im nordwürttembergischen Heilbronn.

 

 

 

 

[1] Die Fränkische Aktionsfront (F.A.F.) wurde aufgrund der „Wesensverwandtschaft mit dem Nationalsozialismus“ 2004 verboten.

[2] Der Nationalsozialistische Untergrund (NSU), ist die rechte Terrororganisation, welche unter anderem für die Neonazi-Mordserie in den Jahren 2000 bis 2006 und den Polizistenmord von Heilbronn im Jahr 2007 verantwortlich gemacht wird.

[3] DerArtikelBrandenburgsRechtsextremeaufProvokationskurserschienamSa21.01.2012. http://www.pnn.de/brandenburg-berlin/616114/