Bad Reichenhall: Kasernenumbenennung kann nur ein erster Schritt sein

Der in den Medien [1] diskutierte Vorschlag der “Initiative gegen falsche Glorie“, die nach dem dem Nazigeneral Konrad („Schlächter von der Krim“ [2]) benannte Bad Reichenhaller Kaserne endlich umzubenennen, wird vom Rabatz Bündnis begrüßt. Das Bündnis hatte in der Vergangenheit mehrfach auf die skandalöse Namensgebung und rechte Traditionspflege hingewiesen [3].
An der menschenverachtenden Ideologie von General Konrad besteht für das Rabatz Bündnis keinerlei Zweifel. Angesichts der Verbrechen der deutschen Wehrmacht und SS bekannte der Bad Reichenhaller Nazigeneral [4]: „Dem Führer gehört unsere ganze Hingabe“ und erklärte in einem Befehl von 1943: „Die Juden sind unser Unglück“. Der Kasernenname steht für das Rabatz-Bündnis symbolisch für die kontinuierliche rechte Traditionspflege in Bad Reichenhall. Konrad war nach dem II. Weltkrieg auch an der Gründung des „Kameradenkreises der Gebirgstruppe“ beteiligt. Dort erklärte er: „Wir hoffen, dass in der neuen Schale die gleichen Männer, die alten Soldaten stecken, die einst Kraft und Ruhm des deutschen Heeres und der Stolz des deutschen Volkes waren.“

Der von Kritiker_innen auch als “Selbsthilfegruppe für Kriegsverbrecher” bezeichnete „Kameradenkreises der Gebirgstruppe“ veranstaltet noch immer jährlich im Mai eine sogenannte Kretagedenkfeier. Dabei wird der „Kampf um Kreta“ „gefallenen“ Reichenhaller Gebirgsjäger und dem Bombenangriff auf Reichenhall gedacht, wobie die Täter_innen zu Opfern und Held_innen verklärt werden. Dass Rabatz-Bündnis geht davon aus, dass dabei auch dieses Jahr die auf Kreta begangenen Kriegsverbrechen der Wehrmacht (über 3500 Zivilist_innen wurden ermordet und über 30 Dörfer komplett zerstört) im Allgemeinen und die Greueltaten der Reichenhaller Gebirgstruppe im Besonderen (u.a. die Zerstörung der Stadt Skines und die Erschießung von 148 kretischen Zivilist_innen am 1. August 1941) verschwiegen werden. Angesichts dieser Bad Reichenhaller Zustände erklärt Anna Jade, eine Sprecherin des Rabatz-Bündnisses:

„Eine Umbenennung der Bundeswehrkaserne ist mehr als überfällig, dies kann jedoch nur ein erster Schritt sein. Die rechte Gedenkpolitik in Bad Reichenhall stinkt seit Jahrzehnten zum Himmel. Egal ob das ungestörte jährliche SS-Gedenken der NPD am Kugelbach oder die geschichtsrevisionistische Kretagedenkfeier des Kamaradenkreises, eine solche Gedenkpolitik ist nicht tolerierbar. Bad Reichenhall muss endlich entnazifiziert werden“

1Nach einem Bericht der Süddeutsche Zeitung (http://www.sueddeutsche.de/y5w38v/562924/Neue-Debatte-um-Konrad-Kaserne.html) berichtet auch die Lokalpresse (u.a. bgland24.de). Der Radiosender Bayernwelle Süd -Ost fragt in einer Umfrage bereits: „Die General-Rudolf-Konrad-Kaserne in Bad Reichenhall soll einen neuen Namen bekommen. Denn Konrad war ein General in der Nazi-Zeit. Nach wem oder wie würden Sie die Kaserne benennen?“

2 Konrad bewies sich bereits im Vernichtungskrieg auf der Krim als antisemitischer Massenmörder. In diesem vom nationalsozialistischen Vernichtungswahn getriebenen Feldzug lies Konrad „ganze Ortschaften südlich der Linie Karassubasar-Suja samt Zivilisten in Grund und Boden bombadieren“. Vgl ¹ Jakob Knab: Falsche Glorie. Das Traditionsverständnis der Bundeswehr. Berlin 1995.

3 Zuletzt am 10.Juni 2011 in der Pressemitteilung „Auch Name der Kaserne ist skandalös“, http://rabatz-buendnis.org/2011/06/auch-name-der-kaserne-ist-skandaloes/)

4Rudolf Konrad, war der erste Kommandeur des 1935 in Bad Reichenhall aufgestellten Gebirgsjäger-Regiments 100