München: 1000 Kreuze Marsch im Mai 2012

Auch 2012 wollen die Lebensschützer um ihren Vorsitzenden Wolfgang Hering, ansässig im Mutterhaus in der Westendstr. 78, mit einem 1000 Kreuze Marsch den abgetriebenen Kindern gedenken. Der Gebetsmarsch, der am 12.5. um 14:30 h am Sendlinger Tor beginnt, richtet sich gegen das Recht auf Abtreibung und die Selbstbestimmung von Frauen. Wir dokumentieren im folgenden einen Text des asab_m  und wollen an dieser Stelle auf den Vortrag am 9.5.2012 mit Robert Andreasch  und den Soliabend des asab_m am 12.05.2012 ab 20 Uhr im Kafe Marat hinweisen.

Auch 2012 wollen die Lebensschützer um ihren Vorsitzenden Wolfgang Hering, ansässig im Mutterhaus in der Westendstr. 78, mit einem 1000 Kreuze Marsch den abgetriebenen Kindern gedenken. Der Gebetsmarsch, der am 12.5. um 14:30 h am Sendlinger Tor beginnt, richtet sich gegen das Recht auf Abtreibung und die Selbstbestimmung von Frauen.
Die christlichen Abtreibungsgegner_innen sind überkonfessionell in einer Vielzahl von Gruppen wie Aktion Leben e.V., Aktion Lebensrecht für alle, die Europäische Ärzte Aktion oder die Juristische Vereinigung Lebensrecht organisiert. Lebensschützer sind in vielen Parteien aktiv, besonders jedoch in Vereinigungen der Neuen Rechten, wie z.B. bei den Unterzeichner_innen des Manifestes gegen den Linksruck, oder auch in der CSU/CDU und der Jungen Union, welche die Märsche und Kongresse der Lebensschützer regelmäßig mit Grußwörtern oder ihrer Anwesenheit unterstützen. Man bekenne sich generationsübergreifend zum Schutze des Lebens.
Ihr reaktionäres Weltbild begründet sich auf der Bibel. Gemäß der Schöpfungsgeschichte gehen sie von einem zweiteiligen Geschlechtermodell aus, in welchem die Frau dem Mann untergeordnet ist und alle Sexualitäten und Beziehungsformen jenseits der heterosexuellen Ehe bekämpft werden. Mutter zu sein ist in diesem Weltbild göttliches Schicksal von Frauen. Abtreibung ist somit für die Lebensschützer durch nichts zu rechtfertigen.
Immer wieder kommt es zu holocaustrelativierenden Vergleichen, wie etwa durch den Begriff Babycaust. Zudem argumentieren sie, dass in Europa zu wenig Kinder für den Selbsterhalt des Volkes geboren würden. In diesem religiös-völkischem Denken existiert die Selbstbestimmung von Frauen nicht.
Die Ideologie der Lebensschützer findet nicht nur in der Neuen Rechten anklang. Auch Gruppen aus der Neonazi Szene bewerben die 1000 Kreuze Märsche und nehmen die reaktionäre Ideologie der Abtreibungsgegner_innen in Schutz. Zum Beispiel beteiligten sich 2008 etwa 60 Neonazis und andere Protagonist_innen der rechtskonservativen Szene.
Neben den jährlich stattfindenden 1000 Kreuze Märschen organisieren die Abtreibungsgegner_innen regelmäßig Gebetsveranstaltungen und Gottesdienste. Auch führen sie in mehreren Städten sogenannte Gehsteigberatungen durch, bei denen sie Frauen vor Kliniken, in denen Abbrüche vorgenommen werden, belästigen und diffamieren.
Aber nicht nur die christlichen Lebensschützer versuchen die Selbstbestimmung von Frauen einzuschränken. Abtreibung ist bis heute in Deutschland nicht legal, sondern nur unter strengen Bedingungen und Vorgaben straffrei (vgl. §218 StGB). Nicht nur Thilo Sarrazin und die Antifeministin Kristina Schröder beklagen, dass Akademiker_innen zu wenig, während Migrant_innen und Hartz IV Empfänger_innen zu viele Kinder bekommen würden.
In solchen antifeministischen, sozialchauvinistischen und rassistischen Diskursen werden Frauen zu Gebärmaschinen degradiert. Sie sollen im Dienste staatlicher Bevölkerungspolitik handeln, für die nur die Kinder erwünscht sind, die dem Staat vermeintlich nützen.