Kampf dem Rassismus überall !

Rostock/Rosenheim (ig). Zwischen dem 22. und 26. August 1992 flackerten Bilder aus Rostock-Lichtenhagen um die Welt, die man für Vergangenheit hielt: Brennende Häuser, fliehende Menschen, ein gewalttätiger Mob, angeleitet von neofaschistischen Strippenziehern, Beifall klatschendes Publikum, verantwortungslose Verantwortliche. Rostock war kein Einzelfall, sondern steht stellvertretend für das rassistisch-nationalistische Gesellschaftsklima der 90er Jahre. Mölln, Solingen und Lübeck sind vielen Menschen in diesem Zusammenhang noch ein Begriff. Jedoch sind die meisten dieser Ereignisse, wie der Sprengstoffanschlag von Kolbermoor, aus dem kollektiven Geschichtsbewusstsein verschwunden.

Die infogruppe rosenheim erinnert in einer Pressemitteilung, dass es zu jener Zeit auch in der Region Rosenheim rechte Anschläge gab. „Am 12.10.1992 explodierte beispielsweise eine Rohrbombe an der Flüchtlingsunterkunft in Kolbermoor. In den Tagen zuvor hatten die Täter, zwei Neonazis aus Kolbermoor, zwei Rohrbomben an unterschiedlichen Orten mit Nähe zu Flüchtlingsunterkünften in Bad Aibling und Heufeldmühle ´getestet´“ so Michael Kurz ein Sprecher der Infogruppe.

Die rassistischen, meist massenhaften, Angriffe auf nichtdeutsche Menschen und die Asylgesetzesänderung 1993 dürften nicht losgelöst voneinander gesehen werden. Beide würden sich gegenseitig bedingen und seien Teil des rassistischen, deutschen Mehrheitskonsens und dieser habe Kontinuität. Die infogruppe verweißt auf eine Dokumentation der Antirassistischen Initiative Berlin, welche seit 1993, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, die Folgen bundesdeutscher Flüchtlingspolitik dokumentiert:

„18 Flüchtlinge starben durch rassistische Angriffe auf der Straße, 70 bei Bränden und Anschlägen auf Flüchtlingsunterkünfte. 182 Flüchtlinge starben auf dem Weg in die BRD, davon 131 an den deutschen Ost-Grenzen, 164 Flüchtlinge töteten sich angesichts drohender Abschiebung oder auf der Flucht vor dieser, 968 versuchten sich umzubringen oder verletzten sich aus Angst oder Protest gegen ihre Abschiebung, 554 Flüchtlinge wurden nach der Abschiebung in ihren Herkunftsländern misshandelt und gefoltert oder starben an Krankheiten, 32 kamen um.“ [1]

Für die infogruppe ist es deshalb eine Selbstverständlichkeit auch heute die bestehenden antirassistischen Kämpfe u.a. gegen Lagerunterbringung, Flughafenasylverfahren oder Residenzpflicht zu unterstützen. „In einem Land, in dem Menschen in Polizeizellen verbrennen, weil sie nicht weiß sind und in dem Menschen von Rassist_innen totgeschlagen werden, in einem Land, dass Flüchtlinge an den europäischen Außengrenzen verrecken lässt und ihnen das Leben hierzulande zur Hölle macht, sehen wir es als extrem wichtig an jede Form von Rassismus zu bekämpfen – überall“ so Michael Kurz. In Erinnerung an die damaligen Ereignisse zeigt die infogruppe rosenheim am Sonntag den 07. Oktober 2012 [2] im „Z“ (Innstr. 45a, Rosenheim) den Dokumentarfilm „The Truth lies in Rostock – Die Wahrheit liegt (lügt) in Rostock“ (BRD, Großbritannien 1993, 78 min). Die Vorführung beginnt um 19:00 Uhr, der Eintritt ist frei.

 

[1] ANTIRASSISTISCHE INITIATIVE E.V.: „Bundesdeutsche Flüchtlingspolitik und ihre tödlichen Folgen „, Presseerklärung vom 25.3.2012; http://www.ari-berlin.org/doku/PE_deutsch_19.pdf

 

[2] Zeitnah zum Jahrestag des Sprengstoffanschlag auf die Flüchtlingsunterkunft in Kolbermoor (am 12.10.1992 )

 

(Pressemitteilung vom 17.08.12)