NSU: Bayerischer Verfassungsschutz-Spitzel betrieb „Aufbauarbeit“

Hat der ehemalige Präsident des bayerischen Landesamts für Verfassungsschutz, Gerhard Forster gelogen, als er im Untersuchungsausschuss ausgesagt, dass das bayerische Landesamt für Verfassungsschutz keinen V-Mann im Umfeld des späteren Terror-Trios geführt habe?  Medienberichten zufolge soll der Bayerische Verfassungsschutz  in den 1990er Jahren den hochrangigen Rechtextremisten Kai D. im Umfeld des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) installiert haben. Nach Informationen der Thüringer Allgemeine ( http://www.thueringer-allgemeine.de/startseite/detail/-/specific/NSU-Bayerischer-Verfassungsschutz-Spitzel-betrieb-Aufbauarbeit-1572488538) „führte die Behörde offenbar über mehrere Jahre den bekannten fränkischen Neonazi Kai Markus D. als Informanten.“ Ähnliches wird wohl morgen im BR-Politikmagazin Kontrovers (um 21:15 Uhr im Bayerisches Fernsehen) berichtet werden. Auf deren Homepage heißt es bereits: „Das Bayerische Landesamt für Verfassungsschutz soll entgegen bisheriger Aussagen einen fränkischen Rechtsextremisten als V-Mann im Umfeld der späteren Terrorzelle NSU geführt haben. Dies haben Recherchen des BR-Politikmagazins Kontrovers ergeben.“

Wir dokumentieren im folgenden die Pressemitteilung des „BR-Politikmagazin Kontrovers“:

Fränkischer Neo-Nazi als V-Mann im NSU-Umfeld? Er soll rechte Szene in Thüringen mitaufgebaut haben München – Das Bayerische Landesamt für Verfassungsschutz soll entgegen bisheriger Aussagen einen fränkischen Rechtsextremisten als V-Mann im Umfeld der späteren Terrorzelle NSU geführt haben. Dies haben Recherchen des BR-Politikmagazins Kontrovers ergeben. Es soll sich um einen Neo-Nazi handeln, der regelmäßig an Stammtischen mit dem späteren Terror-Trio Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe  teilgenommen haben soll. Dies bestätigte der frühere thüringische V-Mann und Gründer des thüringischen Heimatschutzes Tino Brandt gegenüber Kontrovers. Der bayerische V-Mann, dessen Name der Redaktion bekannt ist, soll außerdem Anfang der 90er Jahre am Aufbau rechtsextremistischer Strukturen in Thüringen beteiligt gewesen sein und gilt als einer der Gründer eines bundesweiten, konspirativen Computernetzwerks von Rechtsextremisten. Dem Untersuchungsausschuss des Bayerischen Landtags liegen nach Kontrovers-Informationen schwerwiegende Hinweise vor, dass der fränkische Neo-Nazi Quelle des Verfassungsschutzes gewesen sei. Der Ausschuss beantragte deshalb heute, dass den Mitgliedern sämtliche Akten zu ihm und dessen Computernetzwerk zur Verfügung gestellt werden. Außerdem soll der ehemalige Präsident des Landesamts für Verfassungsschutz, Gerhard Forster, ein zweites Mal als Zeuge vernommen werden. Forster hatte im Untersuchungsausschuss ausgesagt, dass das bayerische Landesamt für Verfassungsschutz keinen V-Mann im Umfeld des späteren Terror-Trios geführt habe. Wörtlich sagte Forster: „Es ist ganz einfach: Es war eine konspirative kleine Zelle, an der wir keinen V-Mann dran hatten.“

 

update(18.10.12): Link zum  Video des Kontrovers Video:

http://www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/sendungen/kontrovers/121017-kontrovers-nsu-102.html