Jagdszenen in Niederbayern trotz juristischer Schläge gegen die Reaktion

So unterschiedlich können Entwicklungen sein: Während gleichgeschlechtliche Paare Adoptionsrechte vor den höchsten Gerichten der BRD und der EU erstreiten kommt es in Niederbayern zu Jagdszenen gegen einen HIV-infizierten Gastronom. Ein US-Fußball-Profi gibt mit 25 Jahren Coming-Out und Karriereende zugleich bekannt.

Adoption: Gleichgeschlechtliche Paare siegen vor zwei Gerichten

Am gestrigen Dienstag entschied der Europäische Menschenrechtsgerichtshof (EGMR), dass auch Österreich gleichgeschlechtlichen Paaren die Adoption eines Stiefkindes ermöglichen muss. Hatte die reaktionäre ÖVP (vgl. CDU) eine grundsätzliche Gleichstellung von Lebenspartner_innenschaften mit der Ehe noch am Vortag ausgeschlossen („Wir haben eine gute Regelung für homosexuelle Paare“), muss sie sich in puncto Adoption nun geschlagen geben. Die Stiefkind-Adoption für Regenbogenfamilien kommen „noch heuer“ so die ÖVP Justizministerin.
In der Bundesrepublik ist die juristische Auseinandersetzung schon einen Schritt weiter. Das Bundesverfassungsgericht urteilte ebenso am Dienstag, dass auch die so genannte Sukzessivadoption Lebenspartner_innen ermöglicht werden muss. Homosexuelle, die in einer eingetragenen Lebenspartner_innenschaft leben, dürfen künftig ein von ihrem_r Partner_in zuvor angenommenes Kind ebenfalls adoptieren.
Im Prinzip ist vollkommen klar, dass jeder Prozess auf Gleichstellung der Lebenspartner_innenschaft mit der Ehe spätestens letztinstanzlich gewonnen wird. „Die Gesellschaft ist weiter als das Recht,“ kommentiert Heribert Prantl. Der Spiegel attestiert Merkels CDU ein „Regenbogen-Problem“.

Jagdszenen in Niederbayern

Gegenläufige Tendenzen hingegen sind im Bayerischen Wald wahrzunehmen: Unter der Überschrift „Schwul, HIV-positiv, fertiggemacht“ berichtet die Süddeutsche über einen Gastronom, der aus Spanien in seine Geburtsregion zurückkehrt. Eigentlich möchte er dort ein Lokal eröffnen – doch ein in Aussicht gestellter Kredit wird ihm „zu seinem persönlichen Schutz“ von der Bank nicht gegeben. In der Folgezeit erhält er Drohbriefe – zuletzt wird eine Todesanzeige auf seinen Namen abgegeben. Der Betroffene erstattete Anzeige.

Coming Out zum Karriereende

Mit nur 25 Jahren erklärt der Fußballprofi und US-Nationalspieler Robbie Rogers zugleich sein Coming Out und das frühzeitige Karriereende:

In den vergangenen 25 Jahren hatte ich Angst, [..]davor zu zeigen, wer ich wirklich bin. Angst, dass mein Geheimnis mir im Weg stehen könnte, meine Träume zu verwirklichen. Träume, an einer Weltmeisterschaft teilzunehmen. Träume von den Olympischen Spielen. Träume davon, meine Familie stolz zu machen.
http://therobbierogers.com/

Es bleibt also dabei, dass es keinen erklärtermaßen schwulen aktiven Fußball-Profi gibt. Wie die Süddeutsche berichtet, fallen die Reaktionen der aktiven US-amerikanischen Profiszene weitestgehend positiv aus. Jürgen Schmieder wertet:

Das Outing von Rogers ist ein wichtiger Schritt, noch wichtiger aber sind wohl die Reaktionen darauf – vor allem die vielen, die am Ende den Satz stehen haben: „Ich wünschte, er würde weiterspielen.“ Das zeigt, dass der Fußball endlich bereit sein könnte für den prominenten Profi, der inmitten seiner Karriere sagt: Ich bin schwul – und ich spiele weiter!