Proteste gegen Neonazis in Rosenheim

In Rosenheim zeigten heute hunderte Menschen Flagge gegen Neonazis. Am Bahnhof protestierten über 200 Antifaschist*innen direkt gegen rund 25 angereiste Neonazis. Gleichzeitig versammelten sich am Salzstadel weitere Rosenheimer*innen unter dem Motto „Rosenheim bleibt bunt“.
Für die Nazis des Freien Netz Süd dürfte der Tag kein Erfolg gewesen zu sein. Nur etwa 25 „Kameraden“, darunter der als Rechtsterrorist verurteilte Karl-Heinz Statzberger (Markt Schwaben) kamen zu der von dem Meringer Neonazi Roland Wuttke angemeldeten ultra rechten Kundgebung. Zwei Stunden standen sie im Regen, auf der sogenannten „Sumpfwiese“ vor dem Bahnhof, fast zehn mal so vielen Antifaschist*innen gegenüber. „Mobilisierungstechnisch war es ein Erfolg, innerhalb von wenigen Stunden über 200 Menschen auf die Gegenkundgebung an der Post zu mobilisieren“ so Michael Kurz, ein Sprecher der infogruppe rosenheim. Im Laufe des Tages beteiligten sich rund 300 Personen an der Kundgebung, zu Hochzeiten protestierten gleichzeitig rund 200 Menschen lautstark gegen die Nazis.
Aufgrund des unverhältnismäßigen Polizeieinsatzes und mangelnder antifaschistischer Entschlossenheit waren die Nazis jedoch  trotzdem wahrnehmbar. So untersagte die Polizei eine angemeldete antifaschistische Kundgebung am Südtiroler Platz. Es wurde lediglich ein Kundgebung auf der anderen Straßenseite, hinter Abspergittern, genehmig. Im Laufe des Tages kam es zu mehreren Platzverweisen und einer Ingewahrsamnahme gegen Personen welche ihren Protest nicht nur eingepfercht hinter Gittern zeigen wollten.  Während die Gegendemonstranten im Fokus der Polizeikräfte waren, konnten sich Neonazigruppen am Vormittag frei und ohne Polizeibegleitung durch Rosenheim bewegen. Es kam unter anderem zu Flugblattverteilungen (vor dem Karstadt) und mindestens einen versuchten Angriff auf Antifaschisten (in der Münchnerstraße). Weiter konnten Nazi-Fotografen ungehindert Antifaschist*innen abfotografieren, während Pressevertreter*innen teilweise Platzverweise erhielten, und so in ihrer Pressefreiheit eingeschränkt wurden. Außerdem wurde ein Gewerschafter gezwungen unliebsame Fotos von einer ruppigen Festnahme zu löschen. Auch zu kritisieren ist die Polizeikette vor den Gegendemonstrant*innen, welche den Protest weiter abschirmte und Transparente verdeckte.
Trotz der negativen Begleiterscheinungen kann der Tag aus antifaschistischer Sicht als Erfolg gewertet werden. Insgesamt gingen mehrere hundert Nazigegner*innen gegen menschenverachtende Ideologien auf die Straße, um den ersten organisierten Naziaktivitäten nach längerer Zeit in Rosenheim Einhalt zu gebieten.  „Wann auch immer Nazis aufmarschieren, werden wir uns ihnen direkt entgegenstellen.“ so Kurz abschließen.