Bad Reichenhall: Eine Stadt bettelt um antifaschistische Intervention.

Trotz der Aufforderung des RABATZ-Bündnis wurden weder die beiden „Charlemagne-Gedenken“, noch das Kreta-Gedenken verhindert oder anderweitig kritisch begleitet.
In nur einem Monat wurde drei rechten, nationalistischen und geschichtsrevisionistischen Veranstaltungen in Bad Reichenhall Raum gegeben.
So konnte am 4.Mai 2013 das alljährliche SS-Gedenken um den ehemaligen NPD-Funktionär Uwe Brunke am Kugelbach-Parkplatz ungestört stattfinden. Durch Kommunikationsprobleme und das Fernbleiben des Freien Netz Süd waren dieses Jahr deutlich weniger Personen anwesend als in den letzten Jahren. Was den (neo)nazistischen Charakter dieser Veranstaltung allerdings nicht abschwächte.
Beim vom Freien Netz Süd veranstalteten neonazistischen Gedenken am Abend des Tags der Befreiung (08.Mai 2013) versäumte es die Bad Reichenhaller Bevölkerung ebenfalls ein antifaschistisches Zeichen zu setzen und dagegen vorzugehen. So konnte u.a. der Rechtsterrorist Karl-Heinz Statzberger mit den FNS-Aktivisten Roy Asmuß (Teising), Benjamin Hager (Waging am See) und Florian Gottschling (Waging am See) die geschichtsrevisionistische Veranstaltung abhalten.
Durch das Versagen der örtlichen Zivilbevölkerung die Entfernung des SS-Denkmals am Bad Reichenhaller Friedhof St. Zeno zu erwirken, ergab sich für die (Neo)Nazis am 04. und am 08.Mai 2013 die Möglichkeit auch dort eine Kranzniederlegung zu zelebrieren.
Die Distanzierung der Stadt Bad Reichenhall vom Kameradenkreis der Gebirgstruppe e.V. ist offensichtlich nicht vollzogen. Der Oberbürgermeister Herbert Lackner, der 2. Bürgermeister Manfred Adldinger und vier Stadträte nahmen an dem diesjährigen Kreta-Gedenken, am 22.Mai 2013, teil. Manfred Held, Vorsitzender der Kameradschaft Bad Reichenhall, erklärte dort in seiner halbstündigen Rede u.a., dass es keine Kollektivschuld der Deutschen am 2. Weltkrieg gäbe und riss das Gedenken an die gefallenen Gebirgsjäger des 3. Bataillons aus dem Zusammenhang des Angriffskrieges auf Kreta. Außerdem beklagte er, dass Schüler_innen nicht mehr „objektiv“ über den 2. Weltkrieg unterrichtet werden könnten. Die Lehrer_innen, seien seiner Meinung nach unfähig hierzu, da sie zu diesem Zeitpunkt nicht gelebt hätten und somit „keine Ahnung“ hätten.
Der, am 14.Mai 2013 vom Stadtrat wegen zweifelhafter Entscheidungen für dienstunfähig erklärte, Oberbürgermeister Lackner ließ es sich dieses Jahr wieder nicht nehmen, den Charakter der Veranstaltung zu verharmlosen. Er lud zu diesem Zweck auch eine Delegation der griechischen Botschaft ein. So wurde das geschichtsrevisionistische Trauern um die Gebirgsjäger im Angriffskrieg auf Kreta als „Völkerverständigung“ verklärt.
Anna Jade, Sprecherin des RABATZ-Bündniss sagt hierzu: „Die Stadt Bad Reichenhall und ihre Bevölkerung sind bisher keiner unserer Forderungen nachgekommen. Somit wurde die Chance nicht genutzt, Position gegen den rechten, nationalistischen und geschichtsrevisionistischen Normalzustand in Bad Reichenhall zu beziehen oder diesem Einhalt zu gebieten. Dadurch werden wir dazu aufgefordert, erneut zu intervenieren.“
Im Übrigen muss Anna Jade für das RABATZ-Bündnis eingestehen, dass die Bezeichnung „Selbsthilfegruppe für Kriegsverbrecher“ keine Eigenerfindung ist: „Wir zitieren hier lediglich das Kulturmagazin des Senders 3SAT vom 30.Juli 2009. Wir halten diese Bezeichnung allerdings auch nicht für unpassend angesichts der Tatsache, dass der Kameradenkreis jahrzehntelang auch für die Belange von Mitgliedern wie dem verurteilten Kriegsverbrecher Josef Scheungraber eingetreten ist.“