König Kopp von Rosenheim. – Leben und Kampf eines (Berufs-)Revolutionärs

König Kopp von Rosenheim. – Leben und Kampf eines (Berufs-)Revolutionärs.

Vortrag von Gernod Fuchs (Historiker, Salzburg) | So,10.11.2013 | 19:00 Uhr | Z – linkes Zentrum in Selbstverwaltung, Innstr. 45a, Rosenheim

Vor 95 Jahren wurde in Bayern die Monachie gestürzt. Am 7. November 1918 ziehen Friedensdemonstranten durch München und fordern den Umsturz. Die Soldaten aus den Kasernen schließen sich ihnen an und in der Nacht ruft Kurt Eisner den Freistaat Bayern aus. Auch in Rosenheim wurde am 8. November 1918 nach dem Münchner Vorbild ein Volksund Soldatenrat gebildet. Auf der Loretowiese wurde eine Volksversammlung abgehalten, anschließend trugen Abordnungen im Rathaus, im Amtsgericht und in der Bahnhofs- und Garnisonskommandantur ihre Forderungen vor, die überall ohne Widerstand angenommen wurden. (vgl. http://www.stadtarchiv.de/index.php?id=359) Zum Vorsitzenden des Soldatenrates wurde Guido Kopp gewählt.(vgl. http://www.stadtarchiv.de/index.php?id=476)

Am So,10.11.2013 referiert der Salzburger Historiker Gernod Fuchs um 19:00 Uhr im Rosenheimer Z (Innstr 45a,www.z-rosenheim.net) über diese zeitgeschichtlich sehr interessante Person. Wir zitieren aus dem Abstract zu dem Vortrag:

Guido Kopp stammte aus der Gegend von Passau, wurde im I.Weltkrieg bayerischer Soldat, dann Revolutionär, vielleicht sogar Berufsrevolutionär, gründete in Rosenheim die kommunistische Partei. Er kam für Jahre ins Gefängnis, verließ Bayern und ging nach Österreich. Kämpfte dort im im Februar 1934 im Bürgerkrieg, wurde ausgewiesen, ging in die Tschechoslowakei und wurde auch von dort ausgewiesen.
Er nahm am spanischen Bürgerkrieg teil und kam wieder in die für ihn verbotene Wahlheimat Österreich zurück. In Salzburg wurde er festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert. Von München aus wurde er in das KZ-Dachau eingeliefert. Dann folgten Jahre in Buchenwald. Dort trifft er in seiner Zelle den ehemaligen Sicherheitsdirektor Salzburgs, den Mann, der ihn an die deutschen Behörden ausgeliefert hatte. Dieser wurde von einem ehemals illegalen SS-Mann aus Salzburg besonders drangsaliert und zerbricht. Der alte Mann wird im Rahmen des “Euthanasie-Projektes” in Pirna bei Dresden umgebracht.
Kopp strandete 1945 in Salzburg, seiner Schicksalsstadt, von wo er 1937 in die Hölle geschickt worden war. Er schrieb seine Lagererlebnisse nieder, und veröffentlichte diese in seinem kleinen Buchverlag, heiratete nochmals, beschäftigte sich weiter mit revolutionärer Politik und stirbt 1971.

War dies nicht ein Leben, voll von Hoffnungen und Idealismus, von Enttäuschungen und Tiefschlägen, von Verzweiflung und Wut gegen die Menschen, die seine Ideale nicht verstehen wollten oder nicht verstehen konnten, die ihn verachteten und einkerkerten?

Und zuletzt steht in der Zeitung:
Guido Kopp, Rentner, gestorben am 5. Dezember 1971 in Salzburg.
Das kann doch nicht alles gewesen sein?

Ein Revolutionär löst beim Leser meist spontan Zustimmung oder Ablehnung aus. Es ist dem Publikum überlassen, den Menschen Kopp zu erkennen, sein Leben zu bewerten steht mir nicht zu. Ich kannte ihn nicht persönlich. Er war für mich zuerst nur ein Name auf Papier. Mit näherer Beschäftigung entstand die Rekonstruktion eines faszinierenden Menschenlebens in einer verrückt gewordenen Zeit.

Aber ich finde, dass man es jedem Leben, besonders aber einem solchen Leben, schuldig ist, nicht vergessen zu werden.

Das war der Zweck dieser Arbeit.

Gernod Fuchs

Der Referent, Gernod Fuchs, ist Historiker aus Salzburg. Schwerpunkt seiner Forschung ist das Polizeiwesen, insbesonders die Polizeien im NS-Österreich. Zu Guido Kopp hat er bereits 1997 den Aufsatz „Ich aber habe leben müssen … – Guido Kopp – Zur Biographie eines (Berufs-)Revolutionärs“ in der Zeitschtift „Salzburg Archiv“ ( Nr.23, S. 191-206) publiziert.

In Rosenheim referiert er auf Einladung der infogruppe rosenheim. Die Veranstaltung beginnt um 19:00 Uhr, der Eintritt ist frei. Das Z ist ab 18 Uhr geöffnet, ab 18:30 Uhr organisiert die „Rote Zora Rosenheim“ eine VoKü (veganes Essen gegen Spende).