Kolbermoor – was niemanden stört

Wir dokumentieren einen, vom ovb nicht veröffentlichten Leserbrief, von Prof. Dr. Klaus Weber zur Meldung über die Hakenkreuzen auf dem Schuhmann-Denkmal in Kolbermoor:

In einer Stadt, in der seit mehr als 20 Jahren Eltern ihre Kinder in eine Schule schicken müssen, die nach einem NSDAP-Mitglied benannt ist (was niemanden stört),

in einer Stadt, in der mehr als ein Dutzend Straßen nach Nazis und SA-Schergen benannt sind (was niemanden stört),

in einer Stadt, die Bürgermedaillenträger und Ehrenbürger ehrt, welche Nazis gewesen sind (was niemanden stört),

in einer Stadt, in der Laienhistoriker von einem SPD-Bürgermeister geehrt werden, obwohl sie die Nazizeit mehr als verharmlost haben (was niemanden stört),

in einer Stadt, in der mehr als 1200 Zwangsarbeiter unter den Augen der Einwohner ausgebeutet und drangsaliert wurden und derer bis heute nicht gedacht werden will (was niemanden stört),

in einer Stadt, die viele Widerstandskämpfer gegen die Nazis hervorbrachte, von denen kein einziger durch Straßenbenennung, Bürgermedaille oder Ehrenbürgerschaft geehrt wurde (was niemanden stört).

In dieser Stadt ist es kein Wunder, dass sich seit Jahrzehnten Neonazis tummeln, dort Menschen töten, weil sie andere Hautfarbe haben, gegen Flüchtlinge hetzen und zum erneuten Mord an Sozialisten und Linken aufrufen („Do it again. Noske“). Das hat bisher niemanden groß gestört und stört – wenn überhaupt – nur die Geschäftsleute (wegen des schlechten Rufs für ihre „Einkaufsstadt“).

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