Nazi-Schmierereien an Schuhmann-Gedenktafel in Kolbermoor

Im Folgenden dokumentieren wir die Stellungnahme des Kreisvorstandes der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft zu den Schmierereien auf der Schuhmann-Gedenktafel in Kolbermoor:

In der Nacht zum 1. Juni 2014 wurde in Kolbermoor die Gedenktafel, die an den am 4. Mai 1919 ermordeten Kolbermoorer Volksratsvorsitzenden Georg Schuhmann und seinen Kampfgenossen Alois Lahn erinnert, von Unbekannten mit schwarzer Farbe beschmiert. Sie schrieben: „Noske, do it again“ und dazu hinterließen sie zwei große Hakenkreuze. Ein weiteres Hakenkreuz wurde in der Unterführung an die Wand gepinselt. Im Namen unserer Gewerkschaft habe ich bei der Polizei in Bad Aibling Anzeige erstattet.

Dies ist bereits der dritte Anschlag in Kolbermoor auf die Erinnerungsarbeit der GEW an die Kolbermoorer Rätezeit. Die erste Tafel wurde im Januar 2000, also nicht einmal ein Jahr nach der Errichtung mit blauer Farbe so zugesprüht, dass wir sie ersetzen mussten. Am 10. Mai 2009 führte ich einen Rundgang durch Kolbermoor auf den Spuren der Räterepublik durch, an dem auch zwei junge Männer in der Tracht der Weißgardisten teilnahmen. Einer von ihnen trug auf dem Rücken eine Schreibmaschine. Dies war eine ungeheure Provokation, wurde doch Alois Lahn, der der Schreiber von Schuhmann war, mit einer Schreibmaschine der Schädel eingeschlagen. Ich ließ mich damals nicht irritieren und ließ sie mitgehen – in der Hoffnung, dass sie was dazulernen würden. Sie verhielten sich ruhig, zogen danach ab und stiegen in ein Auto, in dem NPD-Flugblätter lagen.

Der jetzige dritte Anschlag spricht ebenfalls eine deutlich Sprache. Als es um die Niederschlagung der Revolution von 1918/19 ging, war es allen voran der Polizeiminister Noske, der zuerst in Kiel und sodann im Reich mit äußerster Brutalität vorging, wobei Hunderte von Menschen ermordet wurden. „Einer muß der Bluthund werden, ich scheue die Verantwortung nicht.“ Rücksichtslos schlug er den Spartakusaufstand nieder, wobei er auch Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht umbringen ließ.

Wenn die Nazis in Kolbermoor auf die Schuhmann-Tafel schmierten, Noske solle es noch einmal tun (do it again), so ist das eine unmissverständliche Aufforderung, dass es wieder jemanden brauche, der mit Gewalt sich aller fortschrittlichen Kräfte entledige.

Der Anschlag auf die Tafel in Kolbermoor ist ein Anschlag auf uns alle. Er enthält eine Morddrohung an uns, die wir nicht auf die leichte Schulter nehmen dürfen. Derartigen Aktionen der Nazis müssen wir entschieden entgegentreten und vor allem geschlossen. Unsere ganze Wachsamkeit ist gefordert, den braunen Umtrieben keinen Raum zu lassen und für Freiheit und Demokratie uns einzusetzen.

 

 

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