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Die AfD aus der Erlenau jagen

„Wir haben es satt, diese rechte Hetze kotzt uns an, wir stellen uns ihr und ihren Akteuren entschlossen entgegen, egal ob in Rosenheim oder anderswo. Wir müssen die AfD-Positionen rausholen aus einer gesellschaftlichen Akzeptanz und diese isolieren, ihre Falschbehauptungen widerlegen und sie wieder rausjagen aus der Erlenau“

Kommt am Sa. 15.12.18 zur antifaschistischen Demonstration „Kein Raum für rechte Hetze – gegen das AfD Büro in der Erlenau“. Diese startet um 15:00 Uhr am Ludwigsplatz

Aktuelle Infos: https://noafdrosenheim.noblogs.org/

 

 

 

Sa 15.12. – Demo Kein Raum für rechte Hetze – gegen das AfD Büro in der Erlenau

Sa. 15.12.18 – 15:00 Uhr – Ludwigsplatz

Kein Raum für rechte Hetze – gegen das AfD Büro in der Erlenau

antirassistische Demonstration für ein offenes und vielfältiges Rosenheim

aktuelle Infos: https://noafdrosenheim.noblogs.org/

Im Dezember will die rassistische, frauenfeindliche und antisemitische AfD im Rosenheimer Stadtteil Erlenau ein „Bürgerbüro“ eröffnen. Es ist zu befürchten, dass die rechte Szene mit dem Abgeordnetenbüro von Franz Bergmüller in Rosenheim eine wichtige Infrastruktur bekommt.
Welche menschenverachtende Ideologie von der Partei ausgeht, die seit Jahren daran arbeitet, den öffentlichen Diskurs nach rechts zu verschieben, lässt sich treffend gerade am AfD Kreisverband Rosenheim zeigen.
Bei einer Wahlkampfveranstaltung der Rosenheimer AfD am 30.09.18 in Willing bei Bad Aibling trat Andreas Winhart mit extrem rechten Äußerungen auf, von denen sich die anderen auf dem Podium vertretenen AfD Politiker*innen (u.a. Franz Bergmüller) nicht distanzierten. Winhart hetzte in einer mit Fakenews gespickten Hassrede gegen Migrant*innen und Geflüchtete. Er behauptete Albaner und Kosovaren würden als mobile Pflegekräfte zu den Menschen „nach Hause kommen und die Bude ausräumen“. Nachdem er Geflüchtete mit dem „N“-Wort beleidigte forderte er für sie eine zwingende Offenlegung ihrer Gesundheitsakten. Damit schrieb er ihnen allein eine hohe Infektionsgefahr für Krätze, TBC und HIV zu und unterstellte ihnen die mutwillige Verbreitung dieser Krankheiten unter „Biodeutschen“. Das Gesundheitsamt sah sich im Nachgang zu einer Stellungnahme genötigt und entkräftete die Behauptungen Winharts.1
Außerdem drohte Winhart in antisemitischer Sprachwahl die Seenotrettung „mit den ganzen Rettungsbooten im Mittelmeer zu versenken“. Er sprach hier von der „Soros-Flotte“ und verwendete so verklausulierte antisemitische Sprachcodes („Soros“ = jüdischer Milliardär).2 Winharts Wunsch nach der Vernichtung von Rettungskräften und Geflüchteten zeigt, wie offen inzwischen menschenfeindliche Positionen von AfD Politikern propagiert werden.
Bei diesen Positionen wundert es nicht, dass sich Neonazis, wie der mehrfach verurteilte Peter M.3, bei AfD Veranstaltungen sichtlich wohlfühlen und bei AfD Kundgebungen sogar der Hitlergruß gezeigt wird.4 Auch Akteure der völkisch orientierten Identitäten Bewegung (wie z.B. Vincent Au) sind offensichtlich nach wie vor gern gesehene Gäste bei der AfD. Bereits 2016 gründete sich die „Gruppe Mangfalltal“ der extrem rechten Identitäten Bewegung im Gasthaus des AfD-Abgeordneten Franz Bergmüller (angeblich ohne sein Wissen). Auch von Bergmüller gab es bereits umstrittene Äußerungen, 2016 schrieb er in einem Facebook-Post des AfD Kreisverbands Rosenheim von ausgewanderten Türken, die man in Deutschland „entsorge(…)“, von der „Islamisierung Europas“ und unterstellte Angela Merkel dafür „Landesverrat“.
Wir sind der Meinung, dieser rechten Hetze darf kein Raum geboten werden: Weder in der Erlenau noch anderswo. Zeigen wir, dass viele Menschen bereit sind, für demokratische, weltoffene Ideale auf die Straße zu gehen. Setzen wir uns ein für ein offenes, vielfältiges Zusammenleben und dafür, dass Menschen ohne Angst verschieden sein dürfen. Kommt zur antirassistischen Demonstration am Samstag, den 15.12. nach Rosenheim und zeigt laut, bunt und kreativ: Nationalismus, Antisemitismus, Sexismus und Rassismus sind keine Alternativen.
1 Landkreis Rosenheim: Flüchtlinge und Krankheiten, https://www.landkreis-rosenheim.de/Default.asp#
2 Vgl. LbgA: Die Münchner AfD und der Antisemitismus, https://lbga-muenchen.org/2018/11/19/die-muenchner-afd-und-der-antisemitismus/
3 Der bekennende Nationalsozialist und Hitler-Fan Peter M. (ehem. Die.Rechte) nimmt regelmäßig an den Veranstaltungen der AfD, NPD und PEGIDA teil. 2017 wurde der bereits mehrfach wegen seiner Nähe zu verfassungsfeindlichen Organisationen und wegen Volksverhetzung vorbestraft Kolbermoorer erneut vom Amtsgericht Rosenheim verurteilt. Er hatte geflüchtete Menschen massiv bedroht. Dem Rosenheimer Projekt         „Kino Asyl“ (junge Geflüchtete zeigten im Lockschuppen Filme aus ihren Herkunftsländern) drohte er beispielsweise mit den Worten „Wir kommen mit 50 Mann und zerlegen die Veranstaltung“.
4 In einer Pressemitteilung des Polizeipräsidium Oberbayern Süd zur AfD Kundgebung am 01.10.18 auf dem Rosenheimer Max-Josefs-Platz heißt es: „Zum Ende der Veranstaltungen hin, zeigten zwei Männer den sogenannten ‚Hitlergruß‘“.

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Achtung fake!

Es wurde ein fake infogruppen twitter Account angelegt. infogruppe__ro (mit 2 unterstrichen) ist ein fake. Die echte infogruppe twittert unter @infogruppe_ro (ein Unterstich) Die rechte Kundgebung in #Prien wurde nicht verschoben. Alle HEUTE(!!!) nach Prien


Rechter Trauermarsch in Prien geplant

Am Montag 30.04.18 wollen Personen aus dem Umfeld der AfD den Mord an Farima für ihren antimuslimischen Rassismus instrumentalisieren. In sozialen Medien wird zu einem „Schweigemarsch zum Gedenken der ermordeten Farima in Prien!“ mobilisiert. Das a.i.da Archiv berichtet:

Prien am Chiemsee: rechter „Schweigemarsch“. In sozialen Netzwerken wird zu einem „Schweigemarsch zum Gedenken der ermordeten Farima in Prien!“ aufgerufen. Das initiale Facebook-Event trägt das Label „überparteilich“ und wurde über ein Profil erstellt, für das Christian Demmel (Kolbermoor) presserechtlich verantwortlich zeichnet, der Bezirkstagswahlkandidat der AfD im Stimmkreis Rosenheim-West.

Als Anlass des Marsches dient der Jahrestag der Ermordung einer aus Afghanistan stammenden Frau vor einem Supermarkt in Prien. Der Mörder hatte sie dem Urteil zufolge aus einem islamistisch-antichristlichem Motiv umgebracht und war dafür im Februar 2018 zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden (das Urteil ist noch nicht rechtskräftig).

In sozialen Netzwerken haben Personen aus der AfD und aus den Kreisen der bei PEGIDA München Mitmarschierenden Interesse an der Veranstaltung bekundet. Die stellvertretende AfD-Landesvorsitzende, Katrin Ebner-Steiner (Metten), hat dort ihr Kommen angekündigt.

Mai Programm

Das Z Mai-Programm ist online.  Es sind einige richtige Highlights mit dabei, z.B.:

Mi., 02.05.18 | 18:30 Uhr | Fahrrad-Exkursion | KZ-Aussenlager Haidholzen
So., 06.05.18 | 19:00 Uhr | Film | Work Hard – Play Hard
Do., 17.05.18 | 19:00 Uhr | Vortrag | Autoritäre Arbeitsgesetze und Abbau von öffentlichen Diensten in Frankreich unter Emmanuel Macron, in einer europäischen Perspektive.
So., 20.5.2018 | 14:00 Uhr | Siebdruckwerkstatt
Mi., 23.05.18 | 19:00 Uhr | Vortrag | Rojava Calling – Solidarität muss praktisch werden

Aber schaut selbst: https://z.rosenheim.tk/2018-05/

Martin Löwenberg ist tot

Martin Löwenberg ist tot. Einige Wochen vor seinem 93. Geburtstag ist unser Freund am Ostermontag für immer eingeschlafen. Lieber Martin, wir danken dir von Herzen für deine Freundschaft, deine Herzenswärme, deine Widerständigkeit, dein Handeln, deine Solidarität, deinen Humor, deinen Mut, dein Vertrauen, deine Offenheit und die Bereitschaft, uns alle an deinen Erfahrungen und deiner Geschichte teilhaben zu lassen sowie für die vielen Stunden, Tage und Nächte, die wir in den letzten Jahrzehnten gemeinsam mit dir auf der Straße, bei Veranstaltungen und auf Festen verbringen durften. In unseren Herzen wirst du uns weiter begleiten auf dem Weg zu einer gerechten Welt.

Auf http://hinter-den-schlagzeilen.de/in-bewegung-bleiben erinnert Michael Backmund unter dem Titel „In Bewegung bleiben“ an Martin Löwenberg. Wir klauen den Artikel und veröffentlichen ihn hier;

 

 

In Bewegung bleiben

Michael Backmund erinnert an Martin Löwenberg

Mit Mannschaftswagen rast die Essener Polizei in den riesigen Demonstrationszug. Berittene Polizisten zerteilen die Menge und machen Jagd auf Menschen. Hunde werden auf junge Leute gehetzt und Uniformierte schlagen mit Gummiknüppeln oder lederumflochtenen Stahlruten wahllos Demonstranten-Köpfe blutig. Die Menschen weichen vor der bewaffneten Staatsmacht nur langsam zurück. Steine fliegen. Dann kommt der Befehl: „Revolver in die Hand, feuern!“ Mehrere junge Demonstranten brechen schwer verletzt zusammen. Philipp Müller wird mit einer Kugel niedergestreckt, sie durchschlägt sein Herz und einen Lungenflügel. Er stürzt mit dem Kopf auf das Pflaster. Doch er lebt – noch.

„Philipp wurde von Polizisten an seinen Beinen und Armen gepackt und wie ein Paket auf ein Polizeiauto geworfen“, erinnerte sich Martin Löwenberg an jenen „Blutsonntag“ in Essen. Den Transport ins Krankenhaus hat der 21-jährige Münchner Eisenbahn-Gewerkschafter und Kommunist nicht überlebt. Philipp Müller war der erste erschossene Demonstrant in der jungen Bundesrepublik. Er hinterließ einen fünf Monate alten Sohn und seine 21-jährige Ehefrau.

Rund 30 000 Menschen hatten an der „Friedenskarawane der Jugend“ am 11. Mai 1952 in Essen teilgenommen – darunter vor allem Mitglieder der Falken, FDJ, Naturfreunde, Pfadfinder und von christlichen Jugendorganisationen, junge SozialdemokratInnen, KommunistInnen und GewerkschafterInnen. Auch Martin Löwenberg war mit vielen anderen AntimilitaristInnen von München nach Essen gereist. Einen Tag vor seinem 27. Geburtstag und sieben Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges.

„Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg“ hatte Löwenberg mit tausenden anderen Überlebenden nach seiner Befreiung aus dem KZ geschworen. In Essen demonstrierte er gemeinsam mit Philipp Müller gegen die geplante Remilitarisierung, gegen die Vorbereitungen zur Wiederbewaffnung Deutschlands, gegen die angestrebte Eingliederung der Bundesrepublik Deutschland in die Nato als Bollwerk und Frontstaat gegen den Kommunismus. Der „Kalte Krieg“ hatte damals schon längst begonnen. Und Bundeskanzler Adenauer und seine Regierung wollten mit einer starken deutschen Armee dabei sein.

Der Essener Polizeidirektor Hermann Knoche sprach von Notwehr – wenige Jahre zuvor war er noch Abwehrchef der Gestapo in einem Solinger Großbetrieb gewesen. Der Kampf gegen Linke und Kommunisten hatte damals eine bruchlose Kontinuität in vielen Amtsstuben Westdeutschlands. Als an jenem 11. Mai vier Polizisten in schwarzen Uniformen und kniehohen Stiefeln vor der Kruppschen Krankenanstalt Philipp Müller „ablieferten“, hörten Zeugen einen Polizisten sagen: „Das Schwein ist schon tot.“ Müller lag zu diesem Zeitpunkt auf keiner Krankentrage, sondern die Beamten hielten ihn jeweils an einem Bein und einem Arm fest, den Kopf ließen sie einfach nach unten hängen. Die zynische Polizei-Propaganda, Demonstranten hätten zuerst mit Pistolen auf Beamte geschossen, wurde von der Nachrichtenagentur dpa und den meisten bürgerlichen Zeitungen ungeprüft übernommen; zwei Tage später musste der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Karl Arnold, im Landtag jedoch einräumen, dass „ausschließlich die Polizei von der Schusswaffe Gebrauch gemacht“ habe.

„Die Rückreise mussten wir ohne ihn antreten“, erzählte Martin Löwenberg. Und der schwerste Weg stand ihm noch bevor – sie führte nach Neuaubing: „Laut klopfte mein Herz“, erinnerte sich Löwenberg, „als ich vor dem roten Backsteinhaus stand, einer typischen Eisenbahnersiedlung der damaligen Zeit. Was sollte ich antworten, wenn ich gefragt werde von einer Mutter, ob ihr Sohn denn nicht hätte gerettet werden können?“ Er fand die richtigen Worte, wie noch so oft in seinem Leben. Die Anzeige der Mutter wegen Mordes wurde genauso niedergeschlagen wie die Anzeige wegen fahrlässiger Tötung gegen jene Täter, die den schwerverletzten Philipp Müller ohne medizinische Versorgung vom Tatort abtransportiert hatten. Nach Aussagen eines Arztes hätte Müller bei einer schnelleren, professionellen Einlieferung in die Klinik und einer Notoperation vielleicht gerettet werden können. „Auch für mich haben die Ereignisse in Essen meine künftigen politischen Anschauungen und Handlungen wesentlich mitgeprägt“, schrieb Martin Löwenberg über den frühen Tod seines Freundes „Phips“ in einem Zeitungsartikel anlässlich des 40. Todestages 1992.

„Bei meiner Befreiung aus dem KZ hätte ich mir nie träumen lassen, dass ich mein ganzes Leben gegen Faschismus, Antisemitismus und Rassismus, gegen Militarismus und Krieg kämpfen muss“, sagte Martin Löwenberg rückblickend. Dass der Faschismus bis heute nicht besiegt werden konnte, beschäftigte ihn in seinen letzten Lebensjahren zunehmend. Doch Resignation war nicht sein Weg.  Am 12. Mai 2010 feierte der Widerstandskämpfer und ehemalige KZ-Häftling seinen 85. Geburtstag. Wer ihn kannte, wird sich nicht wundern, dass er an seinem „größten Geburtstagsgeschenk“, wie er bei seiner Feier an diesem Abend im Münchner Gewerkschafshaus bekannte, selbst aktiv „mitgewirkt“ hatte. Als vier Tage zuvor am 8. Mai die meisten prominenten Redner bereits den Ort der Auseinandersetzung in Fürstenried verlassen hatten, erklomm Martin Löwenberg mit Stock und Mütze die Bühne und sagte: Die richtigen Worte allein reichten nicht aus, es komme in bestimmten Situationen auch auf das Handeln an – und rief die Menschen dazu auf, sich der Blockade auf der Straße anzuschließen und den Naziaufmarsch zu verhindern. Danach eilte er von der Bühne und man konnte ihn kurze Zeit später strahlend in der ersten Reihe der Blockade, die die Nazis an diesem Tag erfolgreich stoppte, wiederfinden. Nicht ohne dabei viele FreundInnen und Bekannte aufmunternd zu begrüßen – darunter junge Autonome genauso wie GewerkschafterInnen oder unbekannte DemonstrantInnen, die sich bei ihm für seine klaren Worte bedankten.

 

Martin Löwenberg: Ein Leben gegen Faschismus, Unterdrückung, Krieg und Rassismus    

Martin Löwenberg wurde am 12. Mai 1925 in Breslau geboren, zwei Jahre nach seinem älteren Bruder Fred. Dass der Feind in Deutschland links steht, wird Martin bereits als kleiner Bub am eigenen Körper erfahren. Denn seine Eltern Julian und Käthe Löwenberg waren beide aktive Sozialdemokraten und Gewerkschafter. 1932 erlebten Martin und sein Bruder Fred einen Überfall von SA und HJ-Gruppen auf das Kinder- und Jugendheim der „Sozialistischen Jugend – Die Falken“ in Breslau, wo sie beide aktive Mitglieder waren, Martin als kleiner Junge bei den so genannnten „Nestfalken“. Bereits 1941 wurde fast die gesamte Verwandtschaft seines jüdischen Vaters, der schon 1929 gestorben war, deportiert – keiner überlebte den NS-Terror.

Käthe Löwenberg mit ihren Söhnen Martin (l.) und Fred, 1931 Foto: Privat, aus der weiter unten genannten Filmdokumentation

„Meine Linke war nicht schlecht“, erinnert sich Martin an seine Jugend. Und das ist keine Übertreibung: Er war ein guter Boxer und trainierte im Postsportverein Breslau. Als „Rechtsausleger“ mit einer extrem schnellen und harten linken Schlaghand war er für alle Normalausleger ein ungewohnter und unbequemer Gegner und schickte sie häufig mit einem K-O-Schlag auf die Bretter. Aufgrund seiner Weigerung, in die HJ einzutreten, durfte Martin jedoch nicht an offiziellen Kämpfen teilnehmen. Gemeinsam mit Freunden wehrte er sich dafür bereits als Jugendlicher umso tatkräftiger gegen die Schikanen der HJ – mehrmals verprügelte er und seine Freunde Mitglieder des HJ-Streifen-Dienstes. Doch eines Tages kam sein älterer Bruder zu ihm und sagte: „Das kann doch nicht alles sein, dass du mit deinen Fäusten arbeitest – du musst doch den Menschen auch helfen.“

Martin zögerte nicht und folgte seinem Bruder in den organisierten Widerstand: Ab 1942 unterstützte er als „Verteiler“ aktiv osteuropäische Zwangsarbeiter in Breslau mit Lebensmittelkarten und Nachrichten über den Frontverlauf. Nach seiner Festnahme am 4. Mai 1944, Folter und Gestapo-Verhören, in denen er jede Aussage verweigert hatte, wurde er in das KZ Flossenbürg deportiert, von dort aus nach wenigen Tagen in das KZ-Außenlager Thil in Longwy-Villerupt, wo er selbst beim Ausbau von stillgelegten Erzstollen zu unterirdischen Produktionshallen für die Rüstungsindustrie Zwangsarbeit bei der Münchner Baufirma Polensky & Zöllner leisten musste. Im Herbst 1944 wurde er ins KZ-Außenlager Leitmeritz deportiert, wo Osram Zwangsarbeiter für die Luftwaffe und die Auto-Union für den Bau von Panzermotoren ausbeuteten.

Nach seiner Befreiung aus dem KZ gehörte Martin Löwenberg zu den Gründungsmitgliedern der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN). Er trat sofort in die SPD ein, war Gewerkschafter der ersten Stunde und engagierte sich aktiv gegen die Remilitarisierung. Aus politischen Gründen wurde er jedoch wie tausende andere frühere KZ-Häftlinge schon bald erneut verfolgt, verhaftet und eingesperrt – zunächst wegen seines sozialistischen und antifaschistischen Engagements in der „Sozialdemokratischen Aktion“ (SDA), die vom Staatsschutz im Kalten Krieg als „Tarnorganisation“ der 1956 verbotenen KPD eingestuft worden war. Zweimal stand er damals vor Gericht, zweimal wurde er zu jeweils zehn Monaten Haft verurteilt. Seinen Einsatz für eine bessere Welt konnte das nicht stoppen. Aber auch in den eigenen Reihen verlor er nie seine Kritikfähigkeit: Nach der blutigen Niederschlagung des Prager Frühlings 1968, jenes Traums von einem Sozialismus mit menschlichem Antlitz, trat er aus der illegalen KPD aus und bezeichnet sich seitdem als „Kommunist ohne Parteibuch“.

Martin Löwenberg am 14. Oktober 2002 auf dem Goetheplatz – nach der erfolgreichen Blockade eines Naziaufmarsches Foto: Petra Gerschner

In München und Bayern war Martin Löwenberg über 70 Jahre in vielen politischen Bündnissen aktiv gegen alte und neue Nazis, Antisemitismus, Rassismus und Militarismus. Von 1983 bis 1992 war er aktiv bei den Grünen, deren Weg nach rechts in die „neoliberale Mitte der Gesellschaft“ er nicht weiter mittragen wollte. Aktiv war er weiterhin im Freidenker-Verband, dem Archiv der Münchner Arbeiterbewegung, der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der AntifaschistInnen, dem Arbeitskreis gegen rechts bei ver.di und den Senioren bei ver.di.

Über viele Jahrzehnte machte er sich stark dafür, Aufmärsche von Alt- und Neonazis zu stoppen und zu verhindern. Für seine gelebte Zivilcourage hat ihn ein Münchner Gericht zuletzt im Jahr 2003 wegen „Aufruf zu Straftaten“ rechtskräftig verurteilt – die Anklageschrift wurde von Stadtrat Siegfried Benker als „Zeitdokument“ neben anderen Zeitzeugnissen in der „Zeitkapsel“ hinterlegt, mit der der Grundstein der Neuen Synagoge am Jakobsplatz im November 2003 gefüllt wurde.

Am 12. Dezember 2004 zeichnete ihn die Internationale Liga für Menschenrechte gemeinsam mit seinen FreundInnen, der Auschwitz-Überlebenden Esther Bejarano aus Hamburg und dem Widerstandskämpfer Peter Gingold aus Frankfurt für ihr unermüdliches Engagement mit der Carl-von-Ossietzky-Medaille aus. Zur Preisverleihung begleitete ihn seine Frau Josephine nach Berlin und Martin sagte in seiner Dankesrede: „Neben Fred, war und ist es insbesondere meine liebe Frau und Kampfgefährtin, die in über 51 gemeinsamen Ehejahren, meinem Leben Inhalt und Richtung gegeben hat und noch gibt. Wie oft sage ich immer: Sie hat mich gelenkt, auch dann, wenn ich mit dem Kopf durch die Wand ging; sie hat mich aber auch gebremst, wenn ich – was nicht selten der Fall war – ohne Kopf durch die Wand wollte. Groß ist meine Freude, dass es sich meine Frau trotz schlechten Gesundheitszustandes nicht nehmen ließ, heute und hier an dieser Feierstunde teilzunehmen. Nehme ich doch die Carl-von-Ossietzky-Medaille in Empfang, zugleich stellvertretend für sie und andere politische Wegbegleiter.“

Mit dieser Liebeserklärung an Josefine hat Martin zugleich sehr viel von ihrem gemeinsamen Weg ausgedrückt: Es ging den beiden immer um die Menschen, um das gemeinsame Handeln und das tiefe Wissen darum, dass wir Menschen soziale Wesen sind, die die große Chance haben, das Leben und die gesellschaftlichen Verhältnisse gemeinsam zu gestalten – gleichberechtigt, solidarisch und kritisch. Mit Respekt vor dem anderen. Es war der 14. April 1951, als sich Josefine und Martin das erste Mal begegnet sind: In einem Zugabteil auf der Fahrt nach Hamburg hat es sofort gefunkt. Auf dem Weg zu einer Gedenkveranstaltung anlässlich des 65. Geburtstags von Ernst Thälmann, der als Vorsitzender der Kommunistischen Partei Deutschland am 18. August 1944 nach 11 Jahren Isolationshaft im KZ Buchenwald auf persönlichen Befehl Hitlers hin ermordet wurde. Die Rückfahrt endete mit einer verbindlichen Verabredung, sich gemeinsam bei der Veranstaltung des Journalisten Ernst Schuhmacher vom DDR-Rundfunk auf dem Nockherberg zu treffen.
Josefine erschien an jenem Abend ungeheuer elegant gekleidet und mit Stöckelschuhen. Die Veranstaltung konnte  jedoch überhaupt nicht  stattfinden – wie so viele damals im „Kalten Krieg“, einige Jahre vor dem Verbot der KPD: Und nachdem der Protest vor dem Lokal von der Polizei aufgelöst war, bei dem die Münchner Polizei Schumacher krankenhausreif prügelte, gingen die beiden Verliebten anschließend noch stundenlang bis tief in die Nacht  spazieren  – zumindest Josefine hatte dafür nicht das passende Schuhwerk an. Denn es ging immer wieder die Hochstraße von einem Ende zum anderen hin und her. Zum Einkehren in eine Wirtschaft fehlte Martin einfach das Geld. Wenige Wochen später schenkte Josefine Martin am 12. Mai 1951 zu seinem 26. Geburtstag ein Reise-Necessaire mit Rasierzeug – daraus wurden 60 gemeinsame Jahre. Verbunden hat Josefine, die am 7. August 2011 gestorben ist, und Martin der Kampf gegen die Remilitarisierung und die neue Kriegspolitik der Adenauerregierung und für eine gerechtere Welt.

Auf unzähligen Demonstrationen, Kundgebungen, Mahnwachen, Veranstaltungen und Blockaden hat Löwenberg sehr viele Menschen Mut gemacht: „Alle müssen selbst entscheiden, ob sie sich den menschenverachtenden Ras­sisten in den Weg stellen“, hallte seine Stimme von Bühnen und Lautsprecherwägen. Der Mann mit den fun­kelnden Augen unter der di­cken Brille und dem weißen Schnauzbart setzte dann stets ruhig, aber bestimmt nach: „Vielleicht hilft es bei der Entscheidungs­findung, wenn ich als Verfolg­ter und Inhaftierter des Nazire­gimes sage, ein solcher Schritt verlangt nur ein bisschen Zivil­courage und ich bitte darum, diese heute zu besitzen.“ Martin Löwenberg ist bis ins hohe Alter ein Aktivist geblieben: Ob er sich nun mit dem Münchner Bündnis gegen Rassismus an Protesten gegen Abschiebungen im Flughafengebäude beteiligte oder sich als „alter Sozialrevolutionär“ auch noch am Münchner Pflegestammtisch für die Interessen alter Menschen in den Heimen stark gemacht hat. Die Menschlichkeit und Solidarität war ihm stets wichtiger als die Legalität. Seine Maxime, von der er sich sein Leben lang leiten ließ, lautete: „Es kann durchaus etwas legitim sein, was nicht legal ist!“ Er stellte das Humanitätsprinzip immer über das Legalitätsprinzip.

Es war langes, starkes und reiches Leben für Gerechtigkeit und gegen Faschismus, Unterdrückung und Krieg. „Wir alle brauchen doch solche, wia du oana bist!“, heißt es in Konstantin Weckers Song „Willy“. Schön, dass es einen wie Martin Löwenberg gegeben hat – er wird uns in unseren Herzen weiter begleiten.

Michael Backmund

 

Presserat rügt OVB bzw Rosenheim24 wegen volksverhetzenden Beitrag

Der Deutsche Presserat hat auf seinen Beschwerdeausschuss-Sitzungen am 5., 6. und 7. Dezember 2017 18 Beschwerden als begründet bewertet, verzichtete jedoch auf eine Maßnahme. 65 Beschwerden wurden als unbegründet erachtet. Gegen vier schwerer Verstöße gegen den Pressekodex wurden jedoch öffentliche Rügen ausgesprochen, u.a. gegen das Online-Portal OVB24.de. In der Pressemitteilung des Deutsche Presserat vom 08. Dezember 2017 heißt es wörtlich:


Online-Portal veröffentlicht Beitrag, den es für „volksverhetzend“ hält

Das Online-Portal OVB24.de wird für die Veröffentlichung eines Meinungsartikels eines AfD-Politikers gerügt, den die Redaktion selbst als „zum Teil auch volksverhetzend“ einstufte. Das Portal ermöglicht lokalen Vereinen und Parteien nach einer Registrierung das eigenständige Einstellen von Pressemitteilungen, die es als „Inhalte Drittanbieter“ kennzeichnet. Für diese Nutzerbeiträge muss die Redaktion laut Presserat gemäß Richtlinie 2.7 des Pressekodex die Einhaltung der publizistischen Grundsätze sicherstellen, wenn sie Verstöße selbst erkennt oder darauf hingewiesen wird. Entsprechend hätte die Redaktion den Beitrag gemäß ihrer eigenen Einschätzung nicht weiter veröffentlichen dürfen. Der Hinweis auf Fremdinhalte reicht nicht aus.