Archiv der Kategorie: Gegen Rechts

Rosenheim: Furchtbare Juristinnen deutsches Rechtsspektakel jODL, 1. Akt

Heute wurde der Künstler Wolfram Kastner vom Amtsgericht Rosenheim zu 2250 Euro (150 Tagessätze) Geldstrafe verurteilt, weil er das Nazi-Ehrenmal für den NS-Kriegsverbrecher Alfred Jodl auf der Fraueninsel (Chiemsee) umgestaltete. Wir dokumentieren im folgenden eine Erklärung vom „Institut für Kunst und Forschung“ zu dem Prozess:

Furchtbare Juristinnen

deutsches Rechtsspektakel jODL, 1. Akt

Vor dem Amtsgericht Rosenheim fand ein grotesker vierstündiger Strafprozess gegen den Künstler Wolfram P. Kastner statt.

Es ging um vier Kunstaktionen an dem Ehrenmal für den HitlerGeneral und im Nürnberger Prozess als Hauptkriegsverbrecher verurteilten Nazi-General Jodl, das auf der Fraueninsel im Chiemsee steht.

Allem Anschein nach standen die Verurteilung und das Strafmaß von Anbeginn fest. Die Staatsanwältin sowie die Richtern Wand verschanzten sich hinter formaljuristischen Argumenten. Mühsam verstand sich die Richterin immerhin zu der Erkenntnis, dass es sich nicht um das Grabmal des Kriegsverbrechers*) handelt,  der hingerichtet und dessen Asche in einen Nebenarm der Isar gestreut wurde, sondern um ein Kenotaph – also ein Ehrenmal.

Dass dieses Ehrenkreuz dort rechtswidrig**) steht, fand die furchtbare Juristin „nicht entscheidungserheblich“ und verurteilte den Künstler wegen angeblichen Diebstahls, angeblicher Nötigung und Sachbeschädigung zu 150 Tagessätzen plus Gerichtskosten.

In ihrer Urteilsbegründung setzte sie das skandalöse jODL-Kreuz, das eine Verhöhnung der vielen Millionen Getöteten und Verhungerten darstellt, einem beliebigen privaten PKW gleich. Beide seien gleichermaßen schützenswert.

Weder die Empörung vieler Besucher und einiger Bewohner der Fraueninsel noch die ergreifende Rede des 97jährigen Schriftstellers Daniil Granin (Überlebender der Hungerblockade durch die Nazi-Armee) die er 2014 im Bundestag zum Holocaust-Gedenktag hielt, wurden von den beiden furchtbaren Juristinnen berücksichtigt.

Weder die Freiheit der Kunst noch die Meinungsfreiheit spielten für sie in ihren Strafanträgen und im Urteil eine Rolle.

Dem Strafantrag und dem Urteil zufolge wäre auch ein Ehrenmal für Adolf Hitler, Himmler oder Goebbels als privates Eigentum schützenswert vor jeder Veränderung.

Mit solchen Juristinnen ist jeder Staat zu machen.

Wolfram P. Kastner wird das Urteil keinesfalls akzeptieren und mit seinem Anwalt  Hartmut Wächtler Einspruch zum Landgericht Traunstein einlegen.

*) Jodl war verantwortlich für den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die UdSSR,

für die Hungerblockade Leningrads (1,1 Millionen Verhungerte), für den sog. Kommissarsbefehl

und für die Ermordung der Juden in den besetzten Teile der UdSSR

**) Das Ehrenkreuz für Alfred jODL wurde 1953 errichtet.

Bis 1955 galt die Kontrollratsdirektive der Alliierten, der zufolge militaristische

und nationalsozialistische Denkmäler abgerissen und nicht neu errichtet werden durften.

Das Chiemseer jODLmal war und ist also von Beginn an rechtwidrig.

 

Hurra! Wir fahren nach Köln..

Antifaschist*innen aus dem Raum Rosenheim sollten durch Meldeauflage daran gehindert werden, zu den morgigen Prostesten gegen den Bundesparteitag der AfD zu reisen. Das Verwaltungsgericht München hat zur Erleichterung der Betroffenen diese in einem Eilentscheid erstinstanzlich heute für unwirksam erklärt.

Ausgangspunkt der verhängten Auflagen waren Personalienfeststellungen, die am Rande eines Blockadetrainings vor knapp drei Wochen vorgenommen wurden. Geübt wurden gewaltfreie Möglichkeiten Blockadaktionen durchzuführen. Ergänzend wurden die Teilnehmenden von der Roten Hilfe über Rechte und Pflichten im Zusammenhang mit Versammlungen belehrt.

Am Mittwoch wurden gegen mindestens 16 Personen, darunter auch Passant*innen und weitere, die mit dem Training nichts zu tun hatten, Meldeauflagen verhängt. Deren Rechtswidrigkeit stellte das Verwaltungsgericht München in einem Eilentscheid am Freitag fest. Neben dem noch ausstehenden Hauptsacheverfahren bereiten die Betroffenen nun eine Klage vor, um auch den Polizeieinsatz gegen das Blockadetraining als solches überprüfen zu lassen.

Statement der infogruppe rosenheim

»Es ist bedauerlich, dass verbriefte Grundrechte auf Versammlungs- und Bewegungsfreiheit im südlichen Oberbayern vor Gericht erstritten werden müssen. Wir werden diese nun nutzen, anlässlich des *AfD-Parteitags* gegen den Rechtsruck in der Gesellschaft zu protestieren.

Unser Blick richtet sich jetzt bereits auch auf den *G20-Gipfel* in Hamburg: neben der inhaltlichen Vorbereitung, die gestern begonnen hat, bereiten wir auch ein weiteres, öffentliches Blockadetraining vor. Dies geschieht auch, um Öffentlichkeit und Behörden in Rosenheim daran zu gewöhnen, dass es zivilen Ungehorsam jenseits obrigkeitsstaatlicher Anweisungen gibt.

Wir möchten uns bei der *Roten Hilfe* bedanken, die uns dieses entschlossene Vorgehen in der Kürze der Zeit ermöglicht hat.«

Solidaritätsadresse der bundesweiten Kampagne „Aufstehen gegen Rassismus“ an Rosenheimer Antifaschist*innen

Um die Wartezeit bis zum Urteil des Verwaltungsgerichts München etwas zu verkürzen, dokumentieren wir an dieser Stelle eine Solidaritätsadresse der bundesweiten Kampagne „Aufstehen gegen Rassismus“ an Rosenheimer Antifaschist*innen, für die wir uns herzlich bedanken möchten.

Am Dienstag, 18.04., hat die bundesweite Kampagne „Aufstehen gegen Rassismus“ Kenntnis davon erhalten, dass Rosenheimer Antifaschist*innen im Vorfeld der Proteste gegen den für Samstag, 22.04., geplanten AfD-Bundesparteitag mit Repressionsmaßnahmen der Polizei konfrontiert und an der Anreise nach Köln gehindert werden: Gegen sie wurden Meldeauflagen verhängt, die überdies mit hohen und angeblich von den Betroffenen selbst zu bezahlenden Verwaltungsgebühren verknüpft worden sind. Hintergrund der polizeilichen Einschüchterungsversuche ist nicht mehr als der Verdacht der Teilnahme einzelner Betroffener an einem Demotraining, das Anfang April stattgefunden haben soll und dessen Form von Gerichten bereits in der Vergangenheit als zulässig beurteilt worden ist. Das rabiate Einschreiten der oberbayerischen Polizei lässt vor diesem Hintergrund einen Akt der willkürlichen Einschränkung demokratischer Grundrechte befürchten, den die Kampagne „Aufstehen gegen Rassismus“ rundheraus ablehnt.
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Proteste gegen Illegale Polizeieinsätze und Meldeauflagen vor den Rosenheim Cops

Unter dem Motto: „Demokratie und Meinungsfreiheit verteidigen, Illegale Polizeieinsätze und Meldeauflagen bekämpfen, AfD-Bundesparteitag in Köln verhindern!“ demonstrierten heute (Montagnachmittag), trotz schlechtem Wetter und Osterwochenende, über 20 Menschen mit einer Eilkundgebung gegen die Polizeiwillkür in Rosenheim; die Mobilisierungszeit war dabei weniger als 48 Stunden.

Anlass der Kundgebung war, dass die Polizei die Anreise von Antifaschist*innen zu den Protesten gegen den Parteitag der AfD verhindern will. Gegen mehrere Personen aus dem Raum Rosenheim hat die Polizeiinspektion Rosenheim für Freitag und Samstag sogenannte Meldeauflagen beantragt. Ziel der Meldeauflage ist es laut einem Behördenschreiben „Ihre Anreise und Ihre Anwesenheit am Parteitag (….) zu verhindern“.

Hintergrund für die Meldeauflagen ist die angebliche Teilnahme an einem Demotraining, welches Anfang April in Rosenheim stattgefunden haben soll. Ungeachtet der Rechtslage (Gerichte sehen ein Demotraining, sogar in der Öffentlichkeit, als zulässig – vgl. http://www.kostenlose-urteile.de/OVG-Nordrhein-Westfalen_5-A-170111_Oeffentliches-Training-fuer-Blockade-eines-Naziaufmarsches-war-zulaessig.news14205.htm) stürmten vor zwei Wochen behelmte, z.T. vermummte Polizisten in Kampfmontur ohne Begründung, geschweige denn mit einem richterlichen Durchsuchungsbeschluss ein Privatgelände. Bei diesem mutmaßlich illegalen Polizeigroßeinsatz sollen laut Medienberichten rund 30 Personen (angebliche Trainingsteilnehmer*innen, aber auch unbeteiligte Dritte) durchsucht und die Personalien registriert worden sein. Laut Augenzeug*innen sollen bei diesem völlig unverhältnismäßigen Einsatz an die 100 Polizist*innen im Einsatz gewesen sein.

In Redebeiträgen betonten die Demonstrierenden, dass sie diese willkürlichen Einschnitte in ihre demokratischen Grundrechte nicht hinnehmen werden und ihnen auf unterschiedlichen Ebenen entschlossen entgegtreten. Für den Fall, dass es wirklich zu Meldeauflagen kommt, kündigte ein Redner an, auch am Donnerstagabend (20.04 – vermutlich 18:00 Uhr) eine Demonstration in der Rosenheimer Innenstadt organisieren zu wollen, um anschließend die lokale Auftaktveranstaltung der Mobilisierung gegen den G20 Gipfel im Linken Zentrum (https://infogrupperosenheim.tk/events/globale-einkommensverteilung-referent-franz-garnreiter-isw) zu besuchen.

Update: Am Abend erreichte uns noch die Info, dass am späten Nachmittag noch eine Spontandemonstration mit rund zwei Dutzend Antifaschist*innen durch die Rosenheimer Fußgänger*innenzone stattgefunden haben soll. Trotz der wenigen Teilnehmer*innen war diese offensichtlich verhältnismäßig lautstark.

Naidoo Auftritt absagen – Informationsveranstaltungen zum Thema Reichsbürger angekündigt

Im folgenden dokumentieren wir die Pressemitteilung des Bündnis – kein Hass auf Rosenheims Bühnen (indem auch wir aktiv sind):

Pressemitteilung vom 15.03.17:

Kriminalitätsstatistik ernst nehmen – Naidoo Auftritt absagen

Informationsveranstaltungen zum Thema Reichsbürger angekündigt

Das Bündnis „Kein Hass auf Rosenheims Bühnen“ fordert nach der Präsentation der polizeilichen Kriminalstatistik erneut die Ausladung Naidoos. Einem Reichsbürger-Sympathisanten dürfe, so die Meinung des Bündnisses, keine Bühne geboten werden. Stattdessen fordert das Bündnis Informationen zur rechten Reichsbürgerbewegung und kündigt Veranstaltungen an.

Wie das Polizeipräsidium Oberbayern Süd in seiner Pressemitteilung zur polizeilichen Kriminalstatistik mitteilte gibt es im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums „über 700 Personen (…), die im Verdacht stehen, der „Reichsbürgerbewegung“ an(zu)gehören (…). Etwa 90 dieser Personen verfügen über eine waffenrechtliche Erlaubnis, einschließlich des sogenannten `kleinen Waffenscheins`“.

Für das Bündnis „Kein Hass auf Rosenheims Bühnen“ sind diese Zahlen erschreckend und zeigen welche Gefahr von dieser extrem rechten Bewegung, auch im Raum Rosenheim, ausgeht.„Deshalb ist es wichtig, dass die Verantwortlichen im Rosenheimer Stadtrat und bei der Landesgartenschau GmbH endlich die Notbremse ziehen und dem Reichsbürger-Sympatisanten Naidoo keine Bühne bieten“ so Johannes Müller, ein Sprecher des Bündnisses. „Ein Festhalten am Auftritt von Naidoo ist unserer Meinung nach eine unverantwortliche politische Botschaft, welche die Ansichten von Reichsbürgern nicht nur verharmlost sondern auch legitimiert“ so Müller weiter.

Laut dem Bündnis fehle es bei den lokalen öffentliche Einrichtungen, Institutionen und Mandatsträgern offensichtlich an Informationen und Wissen über die Gefahr welche von der Reichsbürgerbewegung ausgeht. Deshalb begrüßt das Bündnis die Entscheidung der Polizei über Reichsbürger zu informieren und empfiehlt allen Verantwortlichen die Handreichungen des Städte- und Gemeindebundes über die „Reichsbürger“-Bewegung. Das Bündnis möchte aber auch einen eigenen Beitrag zur Aufklärung über Reichsbürger leisten und kündigt für April zwei Infoveranstaltungen an. Am Sonntag, den 02.April (19:00 Uhr) werden im Rosenheimer Z (Innstr. 45a) zwei Dokumentarfilme zum Thema gezeigt werden. Und am Donnerstag, den 13. April (19:30 Uhr) findet im Wintergarten des Mailkeller Rosenheim (Schmettererstraße 20) ein Expertenvortrag zum Thema Reichsbürger statt. Ein Referent der Fachinformationsstelle Rechtsextremismus München (firm) gibt Einblicke in die Reichsbürgerszene. Dabei wird vor allem ihre Anschlussfähigkeit und wachsende Popularität im Mittelpunkt der Betrachtung stehen.

Almabtrieb – gegen die AfD Veranstaltungen in der Rosenheimer „Turner-Alm“

Für Donnerstag, den 23. Februar sowie für Mittwoch, den 1. März wirbt der AfD Kreisverband Rosenheim zu Veranstaltungen. Mit der „Turner-Alm“ hat er anscheinend Räumlichkeiten für ihre rassistische Hetze gefunden. Deshalb wenden sich nun verschiedene linke Gruppen in einem offenen Brief an die Betreiber*innen.

An die Inhaber*innen der Turner-Alm,

Am Donnerstag, den 23. Februar 2017 findet in Ihren Räumlichkeiten eine Veranstaltung der AfD zum Thema „Sicherheit in Zeiten der Massenzuwanderung“ statt. Ob das daran liegt, dass Sie deren politischen Ansichten teilen oder Sie ihnen aus ökonomischen Gründen die Räume zur Verfügung stellen, wissen wir nicht. Das spielt aber in dem Punkt keine Rolle, da das Resultat dasselbe ist: Sie bieten einer rechtspopulistischen Partei eine Plattform!

Almabtrieb – gegen die AfD Veranstaltungen in der Rosenheimer „Turner-Alm“ weiterlesen

Offener Brief zum Naidoo-Auftritt auf dem Rosenheimer Sommerfestival

Über zwanzig Organisationen und Einzelpersonen, darunter auch wir die infogruppe rosenheim, haben heute (30.01.17) in einem offenen Brief des Bündnis „Kein Hass auf Rosenheims Bühnen“ an den Rosenheimer Stadtrat die Absage des Naidoo Auftrittes auf den Rosenheimer Sommerfestival gefordert. Der Brief belegt mit zahlreichen Zitaten und Belegen sowohl die Nähe von Naidoo zu der Reichsbürger Bewegung als auch seine antisemitischen und homophoben Tendenzen.

Weitere und aktuelle Infos gibt es unter: https://keinhass.rosenheim.tk/ und den offenen Brief gibt es hier:

 

Rosenheim, 30.01.17

Naidoo-Auftritt auf dem Rosenheimer Sommerfestival

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin,

sehr geehrte Mitglieder des Rosenheimer Stadtrats,

das Rosenheimer Sommerfestival hat sich in den vergangenen Jahren zu einer festen Größe in der Rosenheimer Kulturlandschaft etabliert und wird sowohl von Menschen aus Rosenheim als auch aus dem weiteren Umfeld geschätzt und hat somit eine beachtliche Reichweite.

Auf dem diesjährigen Festival tritt unter anderem die Band „Söhne Mannheims“ auf, deren bekanntestes Gründungs- und inzwischen auch wieder aktives Mitglied der Musiker Xavier Naidoo ist. Dessen musikalische Aussagen und öffentliche Auftritte fallen auf durch vielseitige Verschwörungstheorien, antisemitische Äußerungen und explizite Hassbotschaften.

So singt Xavier Naidoo zusammen mit Kool Savas 2012 im Lied „Wo sind sie jetzt“: „Ich schneide Euch jetzt mal die Arme und die Beine ab und dann fick ich Euch in’n Arsch“. Die beiden wärmen in diesem Hidden-Bonustrack klassisch antisemitisch anmutende Ritualmord-Legenden auf, wonach angebliche Satanssekten Kinder und Babies – in ihrem Text auch Föten – töten sollen. Neben den antisemitischen Anspielungen und explizit homophoben Aussagen („Ihr habt einfach keine Größe und Eure kleinen Schwänze nicht im Griff. Warum liebst Du keine Möse?“) wird Homosexualität mit Pädophilie gleichgesetzt und zu Gewalt aufgerufen. Eindeutig antisemitische Sprachcodes finden sich dann beispielsweise im Titel „Raus aus dem Reichstag“ von 2009. Aussagen, die bereits von den Nazis verwendet wurden, um Juden zu diffamieren („Baron Totschild gibt den Ton an und scheißt auf euch Gockel. Der Schmock ist`n Fuchs und ihr seid nur Trottel“) werden mit einer Kritik an Banken verbunden, womit das Klischee „des“ Juden als hinter Geld und Übeln der Welt stehenden Drahtziehers aufgewärmt wird.1 Kritik an diesen klar antisemitisch erscheinenden Texten scheint Naidoo nicht zu behagen. So ging er zum Beispiel 2014/15 gerichtlich gegen die Amadeu Antonio-Stiftung vor, beziehungsweise gegen die von der Stiftung betriebene Plattform netz-gegen-nazis.de, die ihn als Antisemiten bezeichnet hatte. In einem Vergleich wurde vereinbart, dass Naidoo kein Antisemit sei, sehr wohl aber Teile seiner Texte antisemitisch interpretiert werden können2.

Neben diesen musikalisch verbreiteten Hassbotschaften fällt Naidoo spätestens3 seit 20144 dadurch auf, dass er Inhalte der „Reichsbürger“-Bewegung teilt und beispielsweise öffentlich die Meinung vertritt, die BRD sei „kein richtiges Land“, habe keine Verfassung (Naidoo akzeptiert den 2 + 4-Vertrag nicht als Friedensvertrag) und sei nach wie vor besetzt. Diese Nähe zu den „Reichsbürgern“ zeigte er unter anderem mit der Teilnahme an einer öffentlichen Kundgebung der „Reichsbürger“-Bewegung am 3. Oktober 2014 vor dem Bundestag, an der auch Personen wie der Berliner NPD-Chef Sebastian Schmidtke teilnahmen5. Am selben Tag noch hielt Naidoo eine Rede bei einer rechten Mahnwache, bei der auch der Herausgeber eines rechten Querfrontmagazins, Jürgen Elsässer zugegen war1.

Wurde Naidoo in der Vergangenheit mit Satire-Preisen wie dem „Goldenen Brett vorm Kopf“ und dem „Goldenen Aluhut“ bedacht, bleibt einem das Lachen angesichts genannter Auftritte und Aussagen und ob des Bewaffnungsgrades der „Reichsbürger“ allerdings mittlerweile im Halse stecken. Spätestens seit dem tödlichen Angriff auf einen Polizisten in Georgensgmünd (Oktober 2016) durch einen „Reichsbürger“ wird diese Bewegung als ultra-rechte Vereinigung öffentlich wahrgenommen.

Doch schon vor Georgensgmünd und dem damit verbundenen Bekanntwerden des Ausmaßes der „Reichsbürger“-Bewegung distanzierte sich nicht nur der Mannheimer Oberbürgermeister von Xavier Naidoo. Auch die Popakademie, an der Naidoo als Dozent tätig war, kündigte vorerst die Zusammenarbeit auf6. 2015 war Naidoo dann auch für den NDR nicht mehr tragbar und dieser zog seine Nominierung für den Eurovision Song Contest (ESC) zurück7. Bis heute werden die Auftritte von Naidoo mit Protesten begleitet, auch in Bayern8.

Mit dem Auftritt Naidoos auf dem Rosenheimer Sommerfestival werden nicht nur die fraglichen Aussagen seiner Liedtexte ausgeblendet. Vielmehr noch scheint es fast, als wäre es die Lehre, die die Stadt Rosenheim aus Georgensgmünd gezogen hat, ein paar Wochen danach ein Aushängeschild der Bewegung einzuladen. Naidoo und seine Fans können und werden sich auf die Freiheit der Kunst berufen – die Stadt hätte ihrerseits jedoch jede Freiheit gehabt, einen solchen „Künstler“ nicht zu berücksichtigen, hat sich jedoch politisch dazu entschieden ihn durch Bereitstellung ihrer Infrastruktur zu unterstützen.

Während der Städte- und Gemeindebund ein Bündnis gegen Hass und Ausgrenzung fordert9 und Handreichungen über die „Reichsbürger“-Bewegung heraus gibt10, hofiert also die Stadt Rosenheim einen solchen und bietet dem Hasssänger Naidoo mit seinen homophoben und antisemitischen Textpassagen die Bühne.

Wir sind der Meinung, dass die Stadt Rosenheim, und in ihrer offiziellen Vertretung Sie als Oberbürgermeisterin und Stadträt_Innen, eine Verantwortung gegenüber den in Rosenheim lebenden Menschen haben! Hassmusik darf kein Platz eingeräumt werden! Deswegen denken wir: Der Auftritt eines Hassmusikers wie Xavier Naidoo kann dem Rosenheimer Sommerfestival nur schaden und hat keine Berechtigung, weswegen er ausgeladen werden muss. Dies spricht jedoch nicht gegen einen Auftritt der Söhne Mannheims ohne Naidoo.

Um die Verbreitung von Hass auf Rosenheims Bühnen in Zukunft zu vermeiden, fordern wir eine Richtlinie für die künstlerische Ausgestaltung des „Rosenheim Sommerfestivals“, die die Einladung von Acts, die in der Vergangenheit durch als antisemitische, homophobe, rassistische, sexistische oder anderweitig diskriminierend zu verstehende Inhalte aufgefallen sind, von vornherein unterbindet.

Bündnis – kein Hass auf Rosenheims Bühnen

–>  Zur Liste der Unterstützer*innen des offenen Briefes

1Wolfgang Häberle: »Dieser Weg wird ein rechter sein« — Beispiel Xavier Naidoo, in: DDS Zeitschrift der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Landesverband Bayern, Dezember 2016, S. 13.

2Gerichtliche Auseinandersetzung Naidoo – Amadeu Antonio Stiftung: https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/aktuelles/2015/xavier-naidoo-und-amadeu-antonio-stiftung-einigen-sich-auf-vergleich-vor-gericht/  Abgerufen am 11. Januar 2017

3Schon 2011 sagte Naidoo gegenüber der ARD: „Wir sind nicht frei, wir sind immer noch ein besetztes Land.“ ,https://www.youtube.com/watch?v=Djn6fE3vGWg Abgerufen am 13. Januar 2017.

5Xavier Naidoo spricht vor Reichsbürger Demonstration https://www.youtube.com/watch?v=LVx4tBdsu08 Abgerufen am 13. Januar 2017.

6Aussetzen der Zusammenarbeit Popakademie – Naidoo Bericht im RNF http://www.rnf.de/vorlaeufiges-aus-xavier-naidoo-nicht-mehr-an-popakademie-56734/ Abgerufen am 14. Januar 2017.

7In der Begründung dazu heißt es: „Der Eurovision Song Contest ist ein fröhliches Event, bei dem die Musik und die Völkerverständigung im Mittelpunkt stehen sollen. Dieser Charakter muss unbedingt erhalten bleiben. Die laufenden Diskussionen könnten dem ESC ernsthaft schaden. Aus diesem Grund wird Xavier Naidoo nicht für Deutschland starten“ https://www.ndr.de/der_ndr/presse/mitteilungen/Xavier-Naidoo-faehrt-nicht-zum-ESC-nach-Stockholm,pressemeldungndr16524.html Abgerufen am 14. Januar 2017.

10Das Faktenblatt zur Reichsbürgerbewegung gibt es seit Ende Dezember 2016 zum Download auf der Homepage des Deutschen Städte-und Gemeindebundes: http://www.dstgb.de/dstgb/Homepage/Aktuelles/2016/Faktenblatt%20zur%20Reichsb%C3%BCrgerbewegung/

Danke für das geile „good night – white pride“ Jubiläumskonzert

Gestern (Sa 17.12.16)  fand zum 15. Mal unser „good night – white pride“ Konzert statt. Sorry erst mal an alle, die nicht mehr rein gekommen sind. Die Besuchermasssen haben uns förmlich überrannt. Wir wissen nicht ob es jemals in der Geschichte der Vettern bereits um 20:30 Uhr (eine halbe Stunde nach Beginn) wegen Überfüllung (und damit Sicherheitsgründen) einen Einlassstopp gegeben hat. Trotzdem war das Konzert aus unserer Sicht ein voller Erfolg. Wir wollten uns nochmal bei Euch allen bedanken. Egal ob Bands, Techniker*innen, Vetterncrew, Helfer*innen oder Publikum. Der Abend war für uns ein Fest, das Jubiläum wurde wie wir finden gebührend gefeiert.

Hier noch einige Bilder (alle Fotos by „schnapps & schuss“. Auch hierfür Danke)

Auftritt NH3:

Auftritt VOLXVERÄTZUNG:

Auftritt GENYÄK

Auftritt CRACK IT