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Rosenheim: Furchtbare Juristinnen deutsches Rechtsspektakel jODL, 1. Akt

Heute wurde der Künstler Wolfram Kastner vom Amtsgericht Rosenheim zu 2250 Euro (150 Tagessätze) Geldstrafe verurteilt, weil er das Nazi-Ehrenmal für den NS-Kriegsverbrecher Alfred Jodl auf der Fraueninsel (Chiemsee) umgestaltete. Wir dokumentieren im folgenden eine Erklärung vom „Institut für Kunst und Forschung“ zu dem Prozess:

Furchtbare Juristinnen

deutsches Rechtsspektakel jODL, 1. Akt

Vor dem Amtsgericht Rosenheim fand ein grotesker vierstündiger Strafprozess gegen den Künstler Wolfram P. Kastner statt.

Es ging um vier Kunstaktionen an dem Ehrenmal für den HitlerGeneral und im Nürnberger Prozess als Hauptkriegsverbrecher verurteilten Nazi-General Jodl, das auf der Fraueninsel im Chiemsee steht.

Allem Anschein nach standen die Verurteilung und das Strafmaß von Anbeginn fest. Die Staatsanwältin sowie die Richtern Wand verschanzten sich hinter formaljuristischen Argumenten. Mühsam verstand sich die Richterin immerhin zu der Erkenntnis, dass es sich nicht um das Grabmal des Kriegsverbrechers*) handelt,  der hingerichtet und dessen Asche in einen Nebenarm der Isar gestreut wurde, sondern um ein Kenotaph – also ein Ehrenmal.

Dass dieses Ehrenkreuz dort rechtswidrig**) steht, fand die furchtbare Juristin „nicht entscheidungserheblich“ und verurteilte den Künstler wegen angeblichen Diebstahls, angeblicher Nötigung und Sachbeschädigung zu 150 Tagessätzen plus Gerichtskosten.

In ihrer Urteilsbegründung setzte sie das skandalöse jODL-Kreuz, das eine Verhöhnung der vielen Millionen Getöteten und Verhungerten darstellt, einem beliebigen privaten PKW gleich. Beide seien gleichermaßen schützenswert.

Weder die Empörung vieler Besucher und einiger Bewohner der Fraueninsel noch die ergreifende Rede des 97jährigen Schriftstellers Daniil Granin (Überlebender der Hungerblockade durch die Nazi-Armee) die er 2014 im Bundestag zum Holocaust-Gedenktag hielt, wurden von den beiden furchtbaren Juristinnen berücksichtigt.

Weder die Freiheit der Kunst noch die Meinungsfreiheit spielten für sie in ihren Strafanträgen und im Urteil eine Rolle.

Dem Strafantrag und dem Urteil zufolge wäre auch ein Ehrenmal für Adolf Hitler, Himmler oder Goebbels als privates Eigentum schützenswert vor jeder Veränderung.

Mit solchen Juristinnen ist jeder Staat zu machen.

Wolfram P. Kastner wird das Urteil keinesfalls akzeptieren und mit seinem Anwalt  Hartmut Wächtler Einspruch zum Landgericht Traunstein einlegen.

*) Jodl war verantwortlich für den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die UdSSR,

für die Hungerblockade Leningrads (1,1 Millionen Verhungerte), für den sog. Kommissarsbefehl

und für die Ermordung der Juden in den besetzten Teile der UdSSR

**) Das Ehrenkreuz für Alfred jODL wurde 1953 errichtet.

Bis 1955 galt die Kontrollratsdirektive der Alliierten, der zufolge militaristische

und nationalsozialistische Denkmäler abgerissen und nicht neu errichtet werden durften.

Das Chiemseer jODLmal war und ist also von Beginn an rechtwidrig.

 

Chiemsee/Fraueninsel: Rote Farbe auf Ehrenmal von Kriegsverbrecher

JodlBlut (2)b

Im folgenden dokumentieren wir die Erklärung „Blutspur am Ehrenkreuz für Kriegsverbrecher Jodl im Klosterfriedhof Frauenchiemsee“ vom Institut für Kunst und Forschung. Presseberichte gibt es u.a. hier:

http://www.br.de/nachrichten/oberbayern/inhalt/jodl-fraueninsel-chiemsee-kastner-100.html

http://www.heimatzeitung.de/startseite/blickpunkte/2156845_Erneute-Kuenstleraktion-gegen-Grab-Blutiges-Kreuz-auf-Fraueninsel.html

 

Blutspur am Ehrenkreuz für Kriegsverbrecher Jodl im Klosterfriedhof Frauenchiemsee

eine ästhetische Intervention

von Wolfram P. Kastner, Hans-Peter Berndl und Hiltraud Zilker-Pusch

Das skandalöse Ehrenkreuz für den Hauptkriegsverbrecher Jodl behandelten wir in einer Kunstaktion (am 20. Juli 2016 um die Mittagszeit) mit roter Farbe und einem Text („Keine Ehre dem Kriegsverbrecher“).

Einige tausend Menschen besuchten an diesem sonnigen Sommertag die idyllische Insel und den Klosterfriedhof und sahen die sehr augenfällige Blutspur sowie den erklärenden Text.

Mit dieser gut wahrnehmbaren Kunstaktion setzen wir erneut ein Zeichen dafür, dass die Ehrung des HitlerGenerals nirgendwo und auch nicht in Bayern hinzunehmen ist – im Sinne des demokratischen und antinazistischen Grundkonsens der Bayerischen Verfassung und des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland.

Auf der Fraueninsel im Chiemsee – mitten im idyllischen Bayern – steht immer noch im Klosterfriedhof ein Ehrenkreuz für den verurteilten und hingerichteten Hauptkriegsverbrecher Jodl. Das ist kein Grab sondern ein skandalöses Ehrenmal, da seine Asche in einen Nebenarm der Isar geschüttet wurde, damit keine Pilgerstätte für Nazis entsteht.

 Trotz Petitionen an den Bayerischen Landtag, Anträgen im Gemeinderat, vieler empörter Inselbesucher und Zuschriften (s. Anhang) beharren der Eigentümer Fisser, der Bürgermeister der jODL-Insel und Innenminister Herrmann auf den Fortbestand dieses Schandmals– mit der wahrheitswidrigen Behauptung, niemand würde sich dadurch gestört fühlen und es gäbe keine Veranlassung, dagegen einzuschreiten.Angeblich soll das ODL-mal irgendwann 2018 aufgelöst werden. Sicher ist das nicht und jeder Tag des Fortbestands ist ein Tag zu viel. Jodl war u.a. verantwortlich für den Hungertod von 800.000 Zivilisten in Leningrad, für die Ermordung russischer Soldaten, für die Ermordung von Bewohnern griechischer Dörfer und für die Operation „Nordlicht“ in Norwegen, bei der Tausende Zivilpersonen verschleppt und getötet wurden.

Die Chiemseegemeinde erhält außerdem die Ehrenbürgerschaft für Adolf Hitler aufrecht.

Des weiteren dokumentieren wir die  Erklärung „Kein Denkmal für einen Kriegsverbrecher auf der Fraueninsel.“ aus dem Jahre 2014

Kein Denkmal für einen Kriegsverbrecher auf der Fraueninsel.

Die Fraueninsel gehört zu den schönsten Orten Bayerns und wird von vielen Gästen jährlich besucht, auch von vielen Gästen aus dem Ausland.

Auf dem kleinen Friedhof, der ehemals dem Kloster, heute der Gemeinde Chiemsee gehört, sind viele Maler und Schriftsteller begraben, unter anderem Max Haushofer, Wilhelm Jensen und Felix Schlagintweit, sowie Nachkommen des Dichters Freiherr von Eichendorff. Diese letzte Ruhe der Verstorbenen und die Idylle für die Lebenden werden durch einen Kenotaphen in Form eines großen Steinkreuzes gestört, der an Alfred Jodl, einen Kriegsverbrecher des 2. Weltkrieges erinnert.

Der 1890 geborene Alfred Jodl, dem das Denkmal in dem Friedhof errichtet worden ist, war als Chef des Wehrmachtführungsstabes im Oberkommando der Wehrmacht Hitlers engster Berater bei der Kriegsführung, zunächst gegen die Westalliierten zwischen Norwegen bis Nordafrika und später Verantwortlicher für den Angriffskrieg gegen die Sowjetunion. Die schrecklichen Folgen dieses Krieges mit seinen 60 Millionen Toten sind bekannt. Nun kann sich Alfred Jodl bzw. der Personenkreis, der das Denkmal für ihn errichtete, nicht darauf berufen, dass er als Soldat reiner Befehlsempfänger und daher letztlich für die Verbrechen, die im Zusammenhang des Krieges begangen worden sind, nicht verantwortlich gewesen ist. Er war nicht nur verantwortlich für den Wehrmachtsführungsstab, sondern auch innerhalb der verbrecherischen Nationalsozialistischen Partei, von der er 1943 das Goldene Parteiabzeichen erhielt. Besonders hervorgehoben werden muss seine Verantwortung für den so genannten Kommissar-Befehl vom 06.06.1941 in dem er, entgegen allgemeinen Völkerrechts, an die Kommandeure der Armee den Befehl gab, Führungspersonal der Roten Armee und so genannte Politkommissare nicht als Kriegsgefangene zu behandeln, sondern sie ohne Verhandlung zu erschießen. Auch die Liquidierung von Juden und Partisanen fällt zum Teil in die Verantwortung von Alfred Jodl. Er wischte Einwände gegen Judendeportationen ausdrücklich mit einem Vermerk: „Geschwätz. Es geht um staatliche Notwendigkeiten“, vom Tisch.

Am 01.10.1946 wurde Alfred Jodl als Hauptangeklagter in den Nürnberger Prozessen gegen die Hauptkriegsverbrecher zum Tode verurteilt und am 16.10.1946 durch den Strang hingerichtet. Seine Asche wurde in die Isar gestreut.

Bei der Grabstätte der Familie Jodl handelt es sich somit bei dem größten Kreuz, das dem Kriegsverbrecher Alfred Jodl gewidmet ist, nicht um ein Grabdenkmal, sondern um einen Kenotaphen.

Nach Auskunft des Klosterladens der Fraueninsel gibt es immer wieder Anfragen von Besuchern, wie es sein kann, dass hier an einen Kriegsverbrecher erinnert wird. Von der Äbtissin der Benediktiner Abtei der Fraueninsel, der ehrwürdigen Äbtissin Mayer, wurde auch mitgeteilt, dass bisweilen „Gedenkveranstaltungen“ von Rechtsradikalen vor diesem Denkmal stattfinden und dort Kränze abgelegt werden.

Die Gemeinde Chiemsee hat es bisher nicht für notwendig erachtet, den Schandfleck auf ihrer schönen Insel zu beseitigen. Auf Anfrage wurde vom Bürgermeister, Herrn Georg Huber, mitgeteilt, dass ein Petitionsverfahren anhängig sei „weshalb sich die Gemeinde Chiemsee zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht gegenüber Dritten äußern wird“. Für dieses jahrelange „Aussitzen“ eines beschämenden Zustandes seitens der Zuständigen besteht in der Öffentlichkeit keinerlei Verständnis. Die erwähnte Petition eines Ortsansässigen verpflichtet nun die Gemeinde, die Grabstätte spätestens zum 28.01.2018 zu beseitigen. Dies ist eine zu lange Duldung des skandalösen Zustandes.

Wir fordern die Gemeinde Chiemsee und die anderen Verantwortlichen auf, das Denkmal für den Kriegsverbrecher Jodl nun unverzüglich zu beseitigen. Es ist unerträglich, wenn 70 Jahre nach der Befreiung von der Nazi-Diktatur Protagonisten dieser Diktatur immer noch öffentlich gehuldigt wird.

Unterzeichner:

Jürgen Arnold, Rechtsanwalt, Mediator, München; Utz Benkel, Künstler und Verleger, Berlin; Siegfried Benker, „München ist bunt“; Thomas Berkmann, Projektleiter, München;
Josef Bierbichler, Autor, Schauspieler, Ambach; Thomas Bollmann, Sassenburg; Marina Dietweger, Angestellte, München;
Dr. Ulrich Dittmann, Oskar-Maria-Graf-Gesellschaft, München;
Gabi Duschl-Eckertsberger, München; Martin Friederich, Architekt, München; Elke Funke, München; Günther Gerstenberg, Autor+Künstler; Wolfram P. Kastner, Künstler, München;
Michael Klingenfuß, Rechtsanwalt München; Herrad Küster-Eich, Rechtsanwältin München; Cordula Kropp, Soziologin, München; Gabriela Kufner, Technische Fachwirtin; Annemarie Gaugel, Rechtsanwältin, München; Michael Heininger, Cartoonist, München; Angelika Lex, Rechtsanwältin und Richterin am BayVerfGH;
Claus-Peter Lieckfeld, Autor+Journalist, Windach; Sabine und Werner Litzenhoff, Halstenbek; Fritz Maier, Rechtsanwalt, München; Melanie Manyet, Studentin, Weilheim; Siegfried Müller, Stadtrat, Schongau; Dr. Thomas Nappert, Rechtsanwalt;
Cornelia Naumann, Autorin, München; Gerd Nies, Rechtsanwalt, München; Jakob Nusselt, Rettungsassistent, Weilheim;
Hans Joachim Proft, München; Frank Rehberg, Bildungsreferent, ver.di Bildung + Beratung, München; Marta Reichenberger, München; Said, Autor, München; Tobias Schenke, Schauspieler, Berlin; Frieder Schuckall, Starnberg; Georg Simader, Literatur Agentur Copywrite, Frankfurt; Bernd Späth, Autor, München; Tillmann Spengler, Autor, Journalist, Ambach; Wieland Sternagel, München; Dr. Detlev Sträter, Soziologe, Stadt- und Regionalplaner, München; Marion Thomalla, Dossenheim; Ingolf v. Törne, München; Herbert Tremmel, Ingenieurbüro, München;
Dr. Gerlinde Vogl, Soziologin, München; Barbara Wagner, Führungskräfte- und Organisationsentwicklung, München; Gerhard Weiß, München; Hans-Otto Wiebus, Journalist, München; Roswitha Wolff, Rechtsanwältin, München; Walter Zilker, München

Schliersee: Ästhetische Intervention an Freikoprs-Tafel

Nicht nur in Reichenhall gibt es rechte Traditionspflege, sondern auch in Schliersee. An der „Freikorps-Gedenktafel“ auf dem Weinberg in Schliersee findet jedes Jahr im Mai eine von Alt- und Neonazis besuchte rechte Gedenkveranstaltung statt. Heute (Do 19.05.16) haben die Künstler Wolfram P. Kastner und Joss Bachhofer gemeinsam mit dem Bündnis gegen rechtsextreme Umtriebe im Oberland im Rahmen einer „Ästhetischen Intervention“ eine alternative Gedenktafel installiert. Die Gedenktafel mit der Aufschrift: „Für Akzeptanz und ein friedliches Miteinander. Gegen Naziterror und Rechtsextremismus einst und heute.“ soll nach Ansicht der Antifaschist*innen zukünftig die derzeitige Tafel, welche das rechtsterroristische Freikorps Oberland verherrlicht, ersetzen.

In einer Pressemitteilung heißt es:

„ Die alte Nazi-Gedenkstätte am Weinberg, zu deren Einweihung Göring anwesend war und zu der 1927 auch Hitler pilgerte, wurde zwar 1945 gesprengt. 1956 aber ließ der damalige Schlierseer Pfarrer Widholz eine neue Gedenktafel in die Außenmauer der Georgskapelle einfügen.

Welche Bedeutung dieser “Gedenkort“ für die Nazis hatte und immer noch hat, lässt sich gut nachvollziehen, wenn man die Rolle des Freikorps Oberland und des Bund Oberland in der NS-Zeit betrachtet – von der Bekämpfung der Münchener Räterepublik, der Beteiligung an der Ermordung Andersdenkender(Fememorde), der Teilnahme am Hitlerputsch bis hin zur Eingliederung in die SA und SS.“

Zur weiteren Information empfehlen wir die Broschüre „Die Geschichte der Kameradschaft Freikorps und Bund Oberland’“, welche zum kostenlosen download angeboten wird.

Nicht zu überhöhrende Forderung nach Ende der Kreta-Feier in Reichenhall

»Es sollte klar geworden sein, dass die Kreta-Feier eine unverhohlene Verherrlichung des nationalsozialistischen Vernichtungskrieges gegen die Bevölkerung ist. Wir können uns nach diesem Wochenende nicht vorstellen, dass in Bad Reichenhall außer dem Kameradenkreis der Gebirgstruppe noch jemand daran festhalten möchte.«
Anna Jade, Pressesprecherin des rabatz bündnisses

Ein eindrucksvolles Hearing und eine gelungene Demonstration in Bad Reichenhall am Samstag setzen ein nicht zu übersehendes Zeichen für ein Ende der Kreta-Feierlichkeiten. Das rabatz bündnis zieht trotz Polizeiprovokationen ein positives Fazit und erhofft sich neuen Schwung für die Debatte um Entschädigung für die Kriegsverbrechen der Wehrmacht.

Das Hearing begann mit einem historischen Vortrag, der Kriegsverbrechen der Reichenhaller Gebirgsjäger auf Kreta sowie an anderen Orten darlegte und sich kritisch mit der jährlichen Kreta-Feier auseinandersetzte. Der 92-jährige Zeitzeuge Nikolaos Marinakis schilderte grausame Details von der Ermordung von 148 Einwohner*innen Skines am 1.August 1941, die nachweislich durch das Gebirgsjägerregiment 100 aus Reichenhall erfolgte. Angesichts der Zerstörungen, die die Wehrmacht in Kreta und Griechenland anrichtete, stellte er unter großem Applaus hinsichtlich der von Deutschland verordneten Austeritätspolitik die Frage: Wer schuldet hier eigentlich wem? Nicht zu überhöhrende Forderung nach Ende der Kreta-Feier in Reichenhall weiterlesen

14. Mai Reichenhall: „Die Verbrechen der Deutschen Gebirgsjäger auf Kreta“ (Hearing)

Treffpunkt Rosenheim: Sa 14.05.16 – 09:15 Uhr – Bahnhof
Rosenheim_Rhall
Am 20. Mai 1941 griff die deutsche Wehrmacht (u.a. „Gebirgsjäger“ aus Bad Reichenhall) die griechische Insel Kreta an, hielt sie bis zum 9. Mai 1945 besetzt und beging dort zahlreiche Kriegsverbrechen. Über 3500 Zivilist_innen wurden als Partisan_innen und deren Unterstützer_innen hingerichtet und über 30 Dörfer komplett zerstörte. Zum 75. Jahrestag der deutschen Invasion auf Kreta wollen wir in Bad Reichenhall – einem Ort, an dem bis heute dieser faschistische Angriffskrieg mit all seinen Verbrechen glorifiziert wird – Opfern eine Stimme gegeben. Am Sa, 14. Mai werden wir in Bad Reichenhall ein Hearing unter dem Motto „Die Verbrechen der Gebirgsjäger* auf Kreta“ mit einem Zeitzeugen, einem Vertreter eines griechischen Opferverbandes, Historiker*innen und einem Rechtsanwalt organisieren. Die Veranstaltung beginnt um 12:00 Uhr. Teilnehmende des Hearings sind: 14. Mai Reichenhall: „Die Verbrechen der Deutschen Gebirgsjäger auf Kreta“ (Hearing) weiterlesen

infogruppe/Rabatz wird mit dem Hans-Frankenthal-Preis ausgezeichnet!

Die Stiftung Auschwitz-Komitee ehrt in diesem Jahr drei Initiativen mit dem Hans-Frankenthal-Preis: die slowenische “Vereinigung der Okkupationsopfer 1941-45″ (ZŽO), die “infogruppe rosenheim” gemeinsam mit “rabatz – autonome vernetzung Oberbayern/Salzburg/Tirol” sowie die Initiative “NSU-Watch”.

Die ausgezeichneten Gruppen leisteten alle “in hervorragender Weise Aufklärungs- und Bildungsarbeit gegen das Vergessen und gegen nationalsozialistische und neofaschistische Bestrebungen”, so die Stiftung Ausschwitz-Komitee. Die Preisverleihung findet am 16. Oktober im Lichthof der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg statt.

Mit der *“Vereinigung der Okkupationsopfer” (“ZDRUŽENJE ŽRTEV OKUPATORJEV 1941-1945″, ZŽO)* aus Kranj in Slowenien (www.zdruzenje-zrtev.si <http://www.zdruzenje-zrtev.si>, Infos auf Slowenisch und Deutsch) wird, so die Stiftung Auschwitz-Komitee, eine Gruppe von überlebenden NS-Verfolgten gewürdigt, “deren überfällige Anerkennung als entschädigungsberechtigte Opfer des Besatzungsregimes während des Zweiten Weltkriegs durch die Bundesrepublik Deutschland noch immer aussteht”.

Die *“infogruppe rosenheim”* und das *Bündnis “rabatz – autonome vernetzung Oberbayern/Salzburg/Tirol”* werden für ihr kontinuierliches Engagement gegen geschichtsrevisionistisches Kriegsgedenken im Raum Oberbayern ausgezeichnet, z.B. mit der antimilitaristischen Kampagne in Bad Reichenhall (www.badreichenhall.tk <http://www.badreichenhall.tk>). Diese richtet sich unter anderem gegen die Traditionspflege der Bundeswehr-Gebirgsjäger in Bad Reichenhall, “bei der die toten Wehrmachts-’Kameraden’ geehrt, der verbrecherische Charakter des Zweiten Weltkrieges und die Verbrechen der Wehrmacht jedoch beschwiegen werden” (Zitat Stiftung Auschwitz-Komitee). Die Ehrung der Antifaschist_innen ist eine Ohrfeige für das bayerische Landesamt für Verfassungsschutz. Der Inlandsgeheimdienst führt die “infogruppe rosenheim” und das autonome rabatz-Bündnis auf seiner Website “Bayern gegen Linksextremismus” auf und versucht damit, deren (nun preisgekrönte) antifaschistische Arbeit zu diskreditieren.

*NSU-Watch*, (www.nsu-watch.info <http://www.nsu-watch.info>), der bundesweite Zusammenschluss von Recherchegruppen (u. a. dem a.i.d.a.-Archiv aus München) und antifaschistischen Initiativen, dokumentiert “detailliert (auf Deutsch und Türkisch) den Münchner Prozess zu den rassistischen Morden des NSU, recherchiert über deren Hintergründe und stellt zahlreiche Informationen über Aspekte zur Verfügung, die in den ‘großen’ Medien kaum oder gar nicht vorkommen”, schreibt die Stiftung Auschwitz-Komitee.

*Hans Frankenthal*, geboren 1926 in Schmallenberg Sauerland, wurde zusammen mit seiner Familie 1943 nach Auschwitz deportiert. Seine Eltern wurden ermordet. Hans und sein Bruder Ernst überlebten die Zwangsarbeit im Lager Monowitz und das Konzentrationslager Mittelbau-Dora und wurden schließlich 1945 in Theresienstadt befreit. Nach ihrer Rückkehr nach Schmallenberg betrieb der Autor eine Metzgerei und arbeitete als Viehhändler. Er war im Landesverband der Jüdischen Gemeinden Westfalen-Lippe, als Mitglied des Zentralrates der Juden in Deutschland und als stellvertretender Vorsitzender des Auschwitz-Komitees in der Bundesrepublik tätig. Hans Frankenthal starb am 22. Dezember 1999 in Dortmund. Er wurde auf dem jüdischen Friedhof in Hagen-Eilpe begraben.

Die *Stiftung Auschwitz-Komitee* hat sich die Aufgabe gestellt, die Stimme derjenigen, welche die nationalsozialistischen Verbrechen noch selbst erlebt und überlebt haben, ihre Mahnung und ihr Vermächtnis, auch für die nachfolgenden Generationen weiterhin hörbar und sichtbar zu machen. In Erinnerung an Hans Frankenthal verleiht die Stiftung Auschwitz-Komitee seit 2010 einmal jährlich den Hans-Frankenthal-Preis. Im 25-köpfigen Stiftungsrat entscheiden NS-Verfolgte zusammen mit Autorinnen, Musiker_innen, Juristen, Historikern und weiteren Persönlichkeiten über die Preisvergabe.

„Das Leben des Carlos Fernando“ (Film)

184 Todesopfer rechter Gewalt zählt die Amadeu Antonio Stiftung seit 1990 in Deutschland. Carlos Fernando ist eines dieser Opfer. Vor 15 Jahren1 wurde der gebürtige Mosambikaner in Kolbermoor von einem Rassisten in Kolbermoor aufgrund seiner Hautfarbe totgeprügelt. Mit der Vorführung des Filmes “Das Leben des Carlos Fernando” am So 07.09.14, erinnert die infogruppe rosenheim an den rassistischen Mord von Kolbermoor.

Die Dokumentation von Samuel Schirmbeck entstand in der Reihe „Tödliche Begegnungen“ des Hessischen Rundfunks (HR). Der Film erinnert an einen lebenslustigen, jungen Mann, der zunächst als „Mossi“, als Mosambikaner, in der DDR lebte, als Arbeiter in einem Reifenkombinat. Die Wende machte aus dem sozialistischen Bruder einen arbeitslosen Fremden. Er lernte noch die beiden Deutschlands kennen: die DDR und das wiedervereinte Deutschland. Carlos Fernando verwirklichte seinen Traum und zog an den Rand der bayerischen Alpen, wo er 1999 erschlagen wurde. Vorausgegangen war, dass die Ausländerbehörde ihn abschieben wollte, seine deutsche Frau Ramona ihn aber versteckte. Schließlich verließ er Neubrandenburg, trennte sich von seiner Frau und fand mit Tochter Tracy eine neue Heimat im scheinbar beschaulichen Kolbermoor in Oberbayern, die geliebten Berge in Sichtweite. Vor der „Cubana-Bar“ wurde er ermordet, von einem Rechtsradikalen, im Streit um ein zu geparktes Auto. Der Täter spielt in diesem Film, wie in der gesamten Reihe, nur eine Nebenrolle. Im Mittelpunkt steht ein offenherziger Mann, dessen Leben durch einen Fausthieb ausgelöscht wurde.

Die Filmvorführung findet am So. 07.09.14 um 19:00 Uhr im Rosenheimer Z, dem linken Zentrum in Selbstverwaltung (Innstraße 45a) statt. Der Eintritt ist frei.

 

1Am 15.08.09 wird Carlos Fernando angegriffen und ins Koma geprügelt. Er stirbt am 30. September 1999 im Krankenhaus an den Folgen des rassistischen Übergriffes.

Bro­schü­re „Ge­schich­te der Ka­me­rad­schaft Frei­korps und Bund Ober­land“

Das Bünd­nis gegen rechts­ex­tre­me Um­trie­be im Ober­land bietet auf der Internetseite http://annaberg.blogsport.de/ die  Bro­schü­re „Ge­schich­te der Ka­me­rad­schaft Frei­korps und Bund Ober­land“ (PDF-​Do­ku­ment, 5,1 MB) zum kos­ten­lo­sen down­load an. Das Heft wurde von Eva Hin­ter­mei­er ver­fass­ten und erst­mals 2012 vom Bünd­nis gegen rechts­ex­tre­me Um­trie­be im Ober­land ver­öf­fent­lich­ten. Hintergrund ist die jedes Jahr im Mai in dem ober­bay­ri­schen Schlier­see stattfindende ex­trem rech­te  sog. „An­na­berg­ge­denk­fei­er”.