Archiv der Kategorie: Migration & Flucht

Solidarität mit „Non-Citizens“-Protest (Kundgebung vor Rosenheimer CSU)

Rosenheim (ig). Rund zwei dutzend Demonstrant*innen protestierten am heutigen Mittwoch (03.07.2013) spontan vor der Rosenheimer CSU Geschäftsstelle gegen das Vorgehen von großen Teilen der Politik, besonders der von der CSU geführten Landesregierung, sowie gegen den gewalttätigen Polizeieinsatz anlässlich des „Non-Citizens“ Hunger- und Durststeiks in München. Die Forderungen der Asylbewerber*innen nach Bleibe- und Grundrechten hingegen fand volle Unterstützung und Solidarität.
„Solidarität muss praktisch werden – Bleiberecht für alle – Jetzt sofort“, „Kein Mensch ist illegal“ und „Solidarity with Non Citizens“ stand auf Transparenten welche die Demonstrant*innen gegen 18:45 Uhr vor der Geschäftsstelle der Rosenheimer CSU entrollten. Auf der rund 30 Minuten dauernden Kundgebung wurden die Äußerungen von  Politiker*innen wie Hans-Peter Friedrich (CSU), Christine Haderthauer (CSU) und Christian Ude (SPD) als „zynisch und menschenverachtend“ bezeichnet. In Redebeiträgen wurden Stellungnahmen der Durststreikenden verlesen und die kompromisslose Handlung der CSU geführten Landesregierung kritisiert. Diese brachte selbst keine Verhandlungsangebote und -vorschläge ein und ist auch nicht auf  Zeichen der Kompromissbereitschaft eingegangen. Auch der brutale Polizeieinsatz bei der Räumung wurde kritisiert. Die Ankündigung der Versammlungsauflösung sei ohne jegliche Übersetzung und rechtswidrig erst nach dem Eindringen ins Camp erfolgt. Unterstützer*innen zufolge nahm die Polizei in ihrer Vorgehensweise weder Rücksicht auf den Gesundheitszustand der geschwächten Protestierenden, noch auf die Anwesenheit der Kinder sowie einer schwangeren Frau.
Nach Meinung der Rosenheimer Demonstrant*innen müssen die Anliegen, die  hinter den „Non-Citizens“-Protesten stehen, endlich ernst genommen werden.  Sie forderten grenzenlose Solidarität mit den Flüchtlingen und Bleiberecht für alle, sowie die sofortige Abschaffung von Flüchtlingslagern, Essenspaketen und Residenzpflicht. Wörtlich hieß es in einem Redebeitrag des spontanen Solidaritätskomitees Flüchtlingsprotest: „Es ist an der Zeit das Grundrechte für alle Menschen gelten, auch für Flüchtlinge und auch in Bayern!“

Aleviten gedenken der 35 Opfer von Sivas-Madımak

Anlässlich des 20. Jahrestages des Brandanschlags in Sivas, gedenken Aleviten und Demokraten auf der ganzen Welt am 02.07.2013 der 35 Opfern, die bei lebendigem Leibe verbrannt wurden.

Sie waren in Sivas zusammengekommen, um ein Kulturfest zu feiern und ein Monument zu Ehren Pir Sultan Abdals, einem der wichtigsten alevitischen Volksdichter und Heiligen, feierlich einzuweihen. Unter Ihnen waren Frauen, Kinder, Künstler, Studierende, Gelehrte und Schriftsteller.

Eine nach dem Freitagsgebet aus der Moschee kommende aggressive Menschenmenge von Islamisten griff unerwartet in die Feierlichkeiten ein, zerstörte das Monument und setzte das Hotel Madimak, in dem die Teilnehmenden der Feierlichkeiten untergebracht waren, in Brand. Staatliche Sicherheitsinstanzen, wie auch das Militär, die Polizei und die Feuerwehr, schauten stundenlang passiv zu. Der Brand und die grausamen Szenen aus Sivas wurden über 12 Stunden live auf allen türkischen TV-Sendern gesendet.

Heute steht eine Gedenktafel vor dem ehemaligen Hotel, auf der auch die Namen der Brandstifter aufgelistet sind. Der juristische Prozess gegen die Verantwortlichen – die bis in die Staatsspitze ranken – wurde im vergangenen Jahr als verjährt erklärt und ad acta gelegt.

Neun verurteilten Mördern dieser Vorfälle gelang auf nebulöse Weise die Flucht nach Deutschland, wo sie heute noch Dank eines Asyl-Status als freie Bürger unter uns leben. Dies ist ein unannehmbares Versagen unserer hiesigen Demokratie.

Die Alevitische Gemeinde Rosenheim gedenkt an Sivas `93, setzt sich ein für die universellen Menschenrechte ein und spricht sich gegen jegliche Form der Gewalt und Diskriminierung aus.

 

 

Quelle: Pressemitteilung der Alevitischen Gemeinde Rosenheim

 

Solidarität mit den Flüchtlingsprotesten

Am Sonntag wurde in München das Protestcamp der Hunger- und Durststreikenden Flüchtlinge mit einem massivem und brutalem Polizeieinsatz geräumt. Wir verurteilen die Polizeigewalt sowie das Vorgehen von großen Teilen der Politik, besonders der Landesregierung. Die Forderungen der Flüchtlinge nach Bleibe- und Grundrechten hingegen finden unser volle Unterstützung und Solidarität .Am kommenden Mittwoch (03.07 -18:45 Uhr) findet deshalb in Rosenheim (Brianconstraße) eine Solidaritätskundgebung statt.

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München: Rindermarkt besetzt – Asylsuchende im Hungerstreik

update 25.06.13:

Hungerstreikende in München treten in den „trockenen“ Hungerstreik. Zweite Erklärung der hungerstreikenden Asylsuchenden am Rindermarkt in München vom 25. Juni 2013: http://refugeetentaction.net

Im Anschluß an die gestrigen (22.06.2013) Non-Citizens Demo (400-500 Leute) unter dem Motto „No nation no border!“ wurde in München der Rindermarkt besetzt und rund 50-90 Flüchtlinge traten in Hungerstreik. Zeigt eure Solidarität.

Einen indymediabericht mit Unterstützer_innen-Leitfaden findet Ihr hier:

https://linksunten.indymedia.org/de/node/89455

Die Erklärung der Hungerstreikenden Asylsuchenden gibt es hier:

http://refugeetentaction.net/index.php?option=com_content&view=article&id=248:die-erklaerung-der-hungerstreikenden-asylsuchenden&catid=2&Itemid=133&lang=en

Dinge die Vorort gebraucht werden: https://twitter.com/fasel/status/348451292529688576/photo/1

Twitter mit aktuellen Infos: https://twitter.com/afa_muenchen

Infotelefon: 0151 4767 1580

fb: https://www.facebook.com/Refugeemarch

 

 

 

Demo in Rosenheim: Überall ist Taksim, überall ist Widerstand

Trotz Regen demonstrierten heute in Rosenheim rund 100 Menschen lautstark ihre Solidarität mit den Protesten in der Türkei. Nach einer Rede des Alevitischen Kulturvereins am Rosenheimer Bahnhof zogen die Teilnehmer*innen mit Sprechchören wie „Her yer Taksim, her yer direnis“  („Überall ist Taksim, überall ist Widerstand“), „Faşizme Karşı Omuz Omuza!“ (Schulter an Schulter, gegen den Faschismus!) sowie „Hoch die Internationale Solidarität“ zum Max-Josefs-Platz. Auf der dortigen Zwischenkundgebung kritisiere ein Sprecher der SDAJ die  autoritäre Politik Erdogans  und wertete die Rosenheimer Demonstration als „klares Zeichen gegen Unterdrückung,Polizeigewalt und Faschismus“. Von der Bundesregierung wurde gefordert, die Lieferungen von Gas und Kampfstoffen an die türkische Polizei einzustellen. Gegen 19:00 Uhr wurde die Demonstration auf der Loretowiese beendet.
Im Rosenheimer Z, dem Linken Zentrum in Selbstverwaltung, hatten bereits am Sonntag Teilnehmer einer internationalen Solidaritätsdelegation von ihren Eindrücken der Proteste in Istanbul referiert.

Hier einige Bilder: Demo in Rosenheim: Überall ist Taksim, überall ist Widerstand weiterlesen

Veranstaltung zur aktuellen Situation in der Türkei

In der Nacht vom 15. auf den 16. Juni wurde in Istan­bul der seit rund zwei Wo­chen be­setz­te Gezi-​Park ge­räumt. Die Po­li­zei ging mit äu­ßer­ter Bru­ta­li­tät vor, es gab hun­der­te Ver­letz­te durch Trä­nen­gas, Gum­mi­schrot und Knüp­pel. Am kommenden Montag organisiert die SDAJ ein Solidaritätsdemonstration in Rosenheim (18:00 Uhr – Bahnhof) und am Sonntag (23.06 – 19:00 Uhr) findet im Rosenheimer Z (Innstraße 45a) ein von der infogruppe organisierter Vortrag „über die aktu­el­le Si­tua­ti­on in der Tür­kei, ins­be­son­de­re in Istan­bul“ statt. Die Referenten unterstützen die Protes­te in Istan­bul und waren bei der Räu­mung des Ge­zi-​Parks an­we­send. Sie wer­den ihre per­sön­li­chen Er­fah­run­gen über die Pro­tes­te schildern und gleich­zei­tig einen Ver­such vor­neh­men, die ak­tu­el­le po­li­ti­sche Lage in der Tür­kei nach­zu­zeich­nen. Der Vortrag beginnt um 19:00 Uhr, der Eintritt ist frei.

König Kopp von Rosenheim. – Leben und Kampf eines (Berufs-)Revolutionärs

König Kopp von Rosenheim. – Leben und Kampf eines (Berufs-)Revolutionärs.

Vortrag von Gernod Fuchs (Historiker, Salzburg) | So,10.11.2013 | 19:00 Uhr | Z – linkes Zentrum in Selbstverwaltung, Innstr. 45a, Rosenheim

Vor 95 Jahren wurde in Bayern die Monachie gestürzt. Am 7. November 1918 ziehen Friedensdemonstranten durch München und fordern den Umsturz. Die Soldaten aus den Kasernen schließen sich ihnen an und in der Nacht ruft Kurt Eisner den Freistaat Bayern aus. Auch in Rosenheim wurde am 8. November 1918 nach dem Münchner Vorbild ein Volksund Soldatenrat gebildet. Auf der Loretowiese wurde eine Volksversammlung abgehalten, anschließend trugen Abordnungen im Rathaus, im Amtsgericht und in der Bahnhofs- und Garnisonskommandantur ihre Forderungen vor, die überall ohne Widerstand angenommen wurden. (vgl. http://www.stadtarchiv.de/index.php?id=359) Zum Vorsitzenden des Soldatenrates wurde Guido Kopp gewählt.(vgl. http://www.stadtarchiv.de/index.php?id=476)

Am So,10.11.2013 referiert der Salzburger Historiker Gernod Fuchs um 19:00 Uhr im Rosenheimer Z (Innstr 45a,www.z-rosenheim.net) über diese zeitgeschichtlich sehr interessante Person. Wir zitieren aus dem Abstract zu dem Vortrag:

Guido Kopp stammte aus der Gegend von Passau, wurde im I.Weltkrieg bayerischer Soldat, dann Revolutionär, vielleicht sogar Berufsrevolutionär, gründete in Rosenheim die kommunistische Partei. Er kam für Jahre ins Gefängnis, verließ Bayern und ging nach Österreich. Kämpfte dort im im Februar 1934 im Bürgerkrieg, wurde ausgewiesen, ging in die Tschechoslowakei und wurde auch von dort ausgewiesen.
Er nahm am spanischen Bürgerkrieg teil und kam wieder in die für ihn verbotene Wahlheimat Österreich zurück. In Salzburg wurde er festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert. Von München aus wurde er in das KZ-Dachau eingeliefert. Dann folgten Jahre in Buchenwald. Dort trifft er in seiner Zelle den ehemaligen Sicherheitsdirektor Salzburgs, den Mann, der ihn an die deutschen Behörden ausgeliefert hatte. Dieser wurde von einem ehemals illegalen SS-Mann aus Salzburg besonders drangsaliert und zerbricht. Der alte Mann wird im Rahmen des “Euthanasie-Projektes” in Pirna bei Dresden umgebracht.
Kopp strandete 1945 in Salzburg, seiner Schicksalsstadt, von wo er 1937 in die Hölle geschickt worden war. Er schrieb seine Lagererlebnisse nieder, und veröffentlichte diese in seinem kleinen Buchverlag, heiratete nochmals, beschäftigte sich weiter mit revolutionärer Politik und stirbt 1971.

War dies nicht ein Leben, voll von Hoffnungen und Idealismus, von Enttäuschungen und Tiefschlägen, von Verzweiflung und Wut gegen die Menschen, die seine Ideale nicht verstehen wollten oder nicht verstehen konnten, die ihn verachteten und einkerkerten?

Und zuletzt steht in der Zeitung:
Guido Kopp, Rentner, gestorben am 5. Dezember 1971 in Salzburg.
Das kann doch nicht alles gewesen sein?

Ein Revolutionär löst beim Leser meist spontan Zustimmung oder Ablehnung aus. Es ist dem Publikum überlassen, den Menschen Kopp zu erkennen, sein Leben zu bewerten steht mir nicht zu. Ich kannte ihn nicht persönlich. Er war für mich zuerst nur ein Name auf Papier. Mit näherer Beschäftigung entstand die Rekonstruktion eines faszinierenden Menschenlebens in einer verrückt gewordenen Zeit.

Aber ich finde, dass man es jedem Leben, besonders aber einem solchen Leben, schuldig ist, nicht vergessen zu werden.

Das war der Zweck dieser Arbeit.

Gernod Fuchs

Der Referent, Gernod Fuchs, ist Historiker aus Salzburg. Schwerpunkt seiner Forschung ist das Polizeiwesen, insbesonders die Polizeien im NS-Österreich. Zu Guido Kopp hat er bereits 1997 den Aufsatz „Ich aber habe leben müssen … – Guido Kopp – Zur Biographie eines (Berufs-)Revolutionärs“ in der Zeitschtift „Salzburg Archiv“ ( Nr.23, S. 191-206) publiziert.

In Rosenheim referiert er auf Einladung der infogruppe rosenheim. Die Veranstaltung beginnt um 19:00 Uhr, der Eintritt ist frei. Das Z ist ab 18 Uhr geöffnet, ab 18:30 Uhr organisiert die „Rote Zora Rosenheim“ eine VoKü (veganes Essen gegen Spende).