Archiv der Kategorie: Krieg & Frieden

Aktionswochenende: Vortrag/Diskussion/Demo/Fest und Filme

Am Ende dieser  Woche, (von Do-So) ist einiges los in Rosenheim. Es gibt täglich mindestens  eine Veranstaltungen (Vortrag/Diskussion/Demo/Fest und Filme):

  • Do (29.09.16): Vortrag -> zu Fluchtursachen unter dem Motto „Imperialismus, Krieg, Flucht“ – 19:00 Uhr @ Z, Innstr 45
  • Fr (30.09.16): Diskussion -> „Geflohen… und angekommen?“ – 19:30 Uhr @ Statdjugendring , Rathausstrasse 24
  • Sa (01.10.16): Rallye -> „Rosenheim erkunden in 10 Stationen“ – 10:00 Uhr @ Parkhaus P1 (Schild Rosenheim Cops)
  • Sa (01.10.16): Demo-> „Zusammenhalten gegen den Rechtsruck – Für ein solidarisches Miteinander“ – 13:00 Uhr @ Bahnhof
  • Sa (01.10.16): Fest -> 5 Jahre -linkes Zentrum- 16:30 Uhr @ Z- Innstr 45
  • So (02.10.16) : Film -> „My Escape -19:00 Uhr @ „Z“, Innstr. 45A
  • Mo (03.10.16): Film -> „Die Strategie der Schnecke – 19:30 @„Z“, Innstr. 45A

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Chiemsee/Fraueninsel: Rote Farbe auf Ehrenmal von Kriegsverbrecher

JodlBlut (2)b

Im folgenden dokumentieren wir die Erklärung „Blutspur am Ehrenkreuz für Kriegsverbrecher Jodl im Klosterfriedhof Frauenchiemsee“ vom Institut für Kunst und Forschung. Presseberichte gibt es u.a. hier:

http://www.br.de/nachrichten/oberbayern/inhalt/jodl-fraueninsel-chiemsee-kastner-100.html

http://www.heimatzeitung.de/startseite/blickpunkte/2156845_Erneute-Kuenstleraktion-gegen-Grab-Blutiges-Kreuz-auf-Fraueninsel.html

 

Blutspur am Ehrenkreuz für Kriegsverbrecher Jodl im Klosterfriedhof Frauenchiemsee

eine ästhetische Intervention

von Wolfram P. Kastner, Hans-Peter Berndl und Hiltraud Zilker-Pusch

Das skandalöse Ehrenkreuz für den Hauptkriegsverbrecher Jodl behandelten wir in einer Kunstaktion (am 20. Juli 2016 um die Mittagszeit) mit roter Farbe und einem Text („Keine Ehre dem Kriegsverbrecher“).

Einige tausend Menschen besuchten an diesem sonnigen Sommertag die idyllische Insel und den Klosterfriedhof und sahen die sehr augenfällige Blutspur sowie den erklärenden Text.

Mit dieser gut wahrnehmbaren Kunstaktion setzen wir erneut ein Zeichen dafür, dass die Ehrung des HitlerGenerals nirgendwo und auch nicht in Bayern hinzunehmen ist – im Sinne des demokratischen und antinazistischen Grundkonsens der Bayerischen Verfassung und des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland.

Auf der Fraueninsel im Chiemsee – mitten im idyllischen Bayern – steht immer noch im Klosterfriedhof ein Ehrenkreuz für den verurteilten und hingerichteten Hauptkriegsverbrecher Jodl. Das ist kein Grab sondern ein skandalöses Ehrenmal, da seine Asche in einen Nebenarm der Isar geschüttet wurde, damit keine Pilgerstätte für Nazis entsteht.

 Trotz Petitionen an den Bayerischen Landtag, Anträgen im Gemeinderat, vieler empörter Inselbesucher und Zuschriften (s. Anhang) beharren der Eigentümer Fisser, der Bürgermeister der jODL-Insel und Innenminister Herrmann auf den Fortbestand dieses Schandmals– mit der wahrheitswidrigen Behauptung, niemand würde sich dadurch gestört fühlen und es gäbe keine Veranlassung, dagegen einzuschreiten.Angeblich soll das ODL-mal irgendwann 2018 aufgelöst werden. Sicher ist das nicht und jeder Tag des Fortbestands ist ein Tag zu viel. Jodl war u.a. verantwortlich für den Hungertod von 800.000 Zivilisten in Leningrad, für die Ermordung russischer Soldaten, für die Ermordung von Bewohnern griechischer Dörfer und für die Operation „Nordlicht“ in Norwegen, bei der Tausende Zivilpersonen verschleppt und getötet wurden.

Die Chiemseegemeinde erhält außerdem die Ehrenbürgerschaft für Adolf Hitler aufrecht.

Des weiteren dokumentieren wir die  Erklärung „Kein Denkmal für einen Kriegsverbrecher auf der Fraueninsel.“ aus dem Jahre 2014

Kein Denkmal für einen Kriegsverbrecher auf der Fraueninsel.

Die Fraueninsel gehört zu den schönsten Orten Bayerns und wird von vielen Gästen jährlich besucht, auch von vielen Gästen aus dem Ausland.

Auf dem kleinen Friedhof, der ehemals dem Kloster, heute der Gemeinde Chiemsee gehört, sind viele Maler und Schriftsteller begraben, unter anderem Max Haushofer, Wilhelm Jensen und Felix Schlagintweit, sowie Nachkommen des Dichters Freiherr von Eichendorff. Diese letzte Ruhe der Verstorbenen und die Idylle für die Lebenden werden durch einen Kenotaphen in Form eines großen Steinkreuzes gestört, der an Alfred Jodl, einen Kriegsverbrecher des 2. Weltkrieges erinnert.

Der 1890 geborene Alfred Jodl, dem das Denkmal in dem Friedhof errichtet worden ist, war als Chef des Wehrmachtführungsstabes im Oberkommando der Wehrmacht Hitlers engster Berater bei der Kriegsführung, zunächst gegen die Westalliierten zwischen Norwegen bis Nordafrika und später Verantwortlicher für den Angriffskrieg gegen die Sowjetunion. Die schrecklichen Folgen dieses Krieges mit seinen 60 Millionen Toten sind bekannt. Nun kann sich Alfred Jodl bzw. der Personenkreis, der das Denkmal für ihn errichtete, nicht darauf berufen, dass er als Soldat reiner Befehlsempfänger und daher letztlich für die Verbrechen, die im Zusammenhang des Krieges begangen worden sind, nicht verantwortlich gewesen ist. Er war nicht nur verantwortlich für den Wehrmachtsführungsstab, sondern auch innerhalb der verbrecherischen Nationalsozialistischen Partei, von der er 1943 das Goldene Parteiabzeichen erhielt. Besonders hervorgehoben werden muss seine Verantwortung für den so genannten Kommissar-Befehl vom 06.06.1941 in dem er, entgegen allgemeinen Völkerrechts, an die Kommandeure der Armee den Befehl gab, Führungspersonal der Roten Armee und so genannte Politkommissare nicht als Kriegsgefangene zu behandeln, sondern sie ohne Verhandlung zu erschießen. Auch die Liquidierung von Juden und Partisanen fällt zum Teil in die Verantwortung von Alfred Jodl. Er wischte Einwände gegen Judendeportationen ausdrücklich mit einem Vermerk: „Geschwätz. Es geht um staatliche Notwendigkeiten“, vom Tisch.

Am 01.10.1946 wurde Alfred Jodl als Hauptangeklagter in den Nürnberger Prozessen gegen die Hauptkriegsverbrecher zum Tode verurteilt und am 16.10.1946 durch den Strang hingerichtet. Seine Asche wurde in die Isar gestreut.

Bei der Grabstätte der Familie Jodl handelt es sich somit bei dem größten Kreuz, das dem Kriegsverbrecher Alfred Jodl gewidmet ist, nicht um ein Grabdenkmal, sondern um einen Kenotaphen.

Nach Auskunft des Klosterladens der Fraueninsel gibt es immer wieder Anfragen von Besuchern, wie es sein kann, dass hier an einen Kriegsverbrecher erinnert wird. Von der Äbtissin der Benediktiner Abtei der Fraueninsel, der ehrwürdigen Äbtissin Mayer, wurde auch mitgeteilt, dass bisweilen „Gedenkveranstaltungen“ von Rechtsradikalen vor diesem Denkmal stattfinden und dort Kränze abgelegt werden.

Die Gemeinde Chiemsee hat es bisher nicht für notwendig erachtet, den Schandfleck auf ihrer schönen Insel zu beseitigen. Auf Anfrage wurde vom Bürgermeister, Herrn Georg Huber, mitgeteilt, dass ein Petitionsverfahren anhängig sei „weshalb sich die Gemeinde Chiemsee zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht gegenüber Dritten äußern wird“. Für dieses jahrelange „Aussitzen“ eines beschämenden Zustandes seitens der Zuständigen besteht in der Öffentlichkeit keinerlei Verständnis. Die erwähnte Petition eines Ortsansässigen verpflichtet nun die Gemeinde, die Grabstätte spätestens zum 28.01.2018 zu beseitigen. Dies ist eine zu lange Duldung des skandalösen Zustandes.

Wir fordern die Gemeinde Chiemsee und die anderen Verantwortlichen auf, das Denkmal für den Kriegsverbrecher Jodl nun unverzüglich zu beseitigen. Es ist unerträglich, wenn 70 Jahre nach der Befreiung von der Nazi-Diktatur Protagonisten dieser Diktatur immer noch öffentlich gehuldigt wird.

Unterzeichner:

Jürgen Arnold, Rechtsanwalt, Mediator, München; Utz Benkel, Künstler und Verleger, Berlin; Siegfried Benker, „München ist bunt“; Thomas Berkmann, Projektleiter, München;
Josef Bierbichler, Autor, Schauspieler, Ambach; Thomas Bollmann, Sassenburg; Marina Dietweger, Angestellte, München;
Dr. Ulrich Dittmann, Oskar-Maria-Graf-Gesellschaft, München;
Gabi Duschl-Eckertsberger, München; Martin Friederich, Architekt, München; Elke Funke, München; Günther Gerstenberg, Autor+Künstler; Wolfram P. Kastner, Künstler, München;
Michael Klingenfuß, Rechtsanwalt München; Herrad Küster-Eich, Rechtsanwältin München; Cordula Kropp, Soziologin, München; Gabriela Kufner, Technische Fachwirtin; Annemarie Gaugel, Rechtsanwältin, München; Michael Heininger, Cartoonist, München; Angelika Lex, Rechtsanwältin und Richterin am BayVerfGH;
Claus-Peter Lieckfeld, Autor+Journalist, Windach; Sabine und Werner Litzenhoff, Halstenbek; Fritz Maier, Rechtsanwalt, München; Melanie Manyet, Studentin, Weilheim; Siegfried Müller, Stadtrat, Schongau; Dr. Thomas Nappert, Rechtsanwalt;
Cornelia Naumann, Autorin, München; Gerd Nies, Rechtsanwalt, München; Jakob Nusselt, Rettungsassistent, Weilheim;
Hans Joachim Proft, München; Frank Rehberg, Bildungsreferent, ver.di Bildung + Beratung, München; Marta Reichenberger, München; Said, Autor, München; Tobias Schenke, Schauspieler, Berlin; Frieder Schuckall, Starnberg; Georg Simader, Literatur Agentur Copywrite, Frankfurt; Bernd Späth, Autor, München; Tillmann Spengler, Autor, Journalist, Ambach; Wieland Sternagel, München; Dr. Detlev Sträter, Soziologe, Stadt- und Regionalplaner, München; Marion Thomalla, Dossenheim; Ingolf v. Törne, München; Herbert Tremmel, Ingenieurbüro, München;
Dr. Gerlinde Vogl, Soziologin, München; Barbara Wagner, Führungskräfte- und Organisationsentwicklung, München; Gerhard Weiß, München; Hans-Otto Wiebus, Journalist, München; Roswitha Wolff, Rechtsanwältin, München; Walter Zilker, München

Nicht zu überhöhrende Forderung nach Ende der Kreta-Feier in Reichenhall

»Es sollte klar geworden sein, dass die Kreta-Feier eine unverhohlene Verherrlichung des nationalsozialistischen Vernichtungskrieges gegen die Bevölkerung ist. Wir können uns nach diesem Wochenende nicht vorstellen, dass in Bad Reichenhall außer dem Kameradenkreis der Gebirgstruppe noch jemand daran festhalten möchte.«
Anna Jade, Pressesprecherin des rabatz bündnisses

Ein eindrucksvolles Hearing und eine gelungene Demonstration in Bad Reichenhall am Samstag setzen ein nicht zu übersehendes Zeichen für ein Ende der Kreta-Feierlichkeiten. Das rabatz bündnis zieht trotz Polizeiprovokationen ein positives Fazit und erhofft sich neuen Schwung für die Debatte um Entschädigung für die Kriegsverbrechen der Wehrmacht.

Das Hearing begann mit einem historischen Vortrag, der Kriegsverbrechen der Reichenhaller Gebirgsjäger auf Kreta sowie an anderen Orten darlegte und sich kritisch mit der jährlichen Kreta-Feier auseinandersetzte. Der 92-jährige Zeitzeuge Nikolaos Marinakis schilderte grausame Details von der Ermordung von 148 Einwohner*innen Skines am 1.August 1941, die nachweislich durch das Gebirgsjägerregiment 100 aus Reichenhall erfolgte. Angesichts der Zerstörungen, die die Wehrmacht in Kreta und Griechenland anrichtete, stellte er unter großem Applaus hinsichtlich der von Deutschland verordneten Austeritätspolitik die Frage: Wer schuldet hier eigentlich wem? Nicht zu überhöhrende Forderung nach Ende der Kreta-Feier in Reichenhall weiterlesen

14. Mai Reichenhall: „Die Verbrechen der Deutschen Gebirgsjäger auf Kreta“ (Hearing)

Treffpunkt Rosenheim: Sa 14.05.16 – 09:15 Uhr – Bahnhof
Rosenheim_Rhall
Am 20. Mai 1941 griff die deutsche Wehrmacht (u.a. „Gebirgsjäger“ aus Bad Reichenhall) die griechische Insel Kreta an, hielt sie bis zum 9. Mai 1945 besetzt und beging dort zahlreiche Kriegsverbrechen. Über 3500 Zivilist_innen wurden als Partisan_innen und deren Unterstützer_innen hingerichtet und über 30 Dörfer komplett zerstörte. Zum 75. Jahrestag der deutschen Invasion auf Kreta wollen wir in Bad Reichenhall – einem Ort, an dem bis heute dieser faschistische Angriffskrieg mit all seinen Verbrechen glorifiziert wird – Opfern eine Stimme gegeben. Am Sa, 14. Mai werden wir in Bad Reichenhall ein Hearing unter dem Motto „Die Verbrechen der Gebirgsjäger* auf Kreta“ mit einem Zeitzeugen, einem Vertreter eines griechischen Opferverbandes, Historiker*innen und einem Rechtsanwalt organisieren. Die Veranstaltung beginnt um 12:00 Uhr. Teilnehmende des Hearings sind: 14. Mai Reichenhall: „Die Verbrechen der Deutschen Gebirgsjäger auf Kreta“ (Hearing) weiterlesen

Rojava und der Widerstand gegen den IS

Am Sonntag, den 28. Dezember findet im Rosenheimer Z (Innstr 45a, 83026 Rosenheim) ein Vortrag über die kurdische Autonomieregion Rojava und deren Widerstand gegen den IS statt.

Von Mitte September bis Anfang Oktober war eine Delegation des Verbandes der studierenden KurdInnen in Deutschland (YXK) in den kurdischen Teilen im Irak und der Türkei unterwegs. Eigentliches Ziel der Reise war es, sich ein eigenes Bild von der Revolution im westkurdischen Rojava zu machen. Seit 2011 hat die kurdische Bewegung dort eine demokratische Autonomie aufgebaut und diese bisher erfolgreich gegen die Angriffe der IS-Mörder verteidigt. Leider wurde der Delegation die Einreise auf syrisches Staatsgebiet von der nordirakischen Autonomieregierung und genauso von der Türkei aus politischen Gründen verweigert.
Stattdessen besuchte die Delegation Flüchtlingslager im Irak und der Türkei, in denen derzeit überwiegend jesidische Flüchtlinge aus dem Sengal untergebracht sind. Es wurde mit AktivistInnen, ParlamentarierInnen und politischen VertreterInnen der kurdischen Bewegung gesprochen. Da sich die Situation in Kobane in den vergangenen Wochen zuspitzte, reiste die Delegation an die Grenze zu Kobane um die Proteste der Bevölkerung zu unterstützen.

Was ist Rojava und was bedeutet demokratische Autonomie? Warum konnte die Delegation nicht nach Rojava? Wie ist die Situation in den syrischen und irakischen Teilen Kurdistans? Warum konnte IS die Jesiden massakrieren? Was ist die Rolle der Türkei? Wie ist die aktuelle Situation in Kobane und Kurdistan? Welche Rolle spielt die BRD?

Diese und andere Fragen werden bei der Veranstaltung von einem Teilnehmer der Delegation beantwortet.

Die von der infogruppe rosenheim in Kooperation mit dem Kurt-Eisner-Verein für politische Bildung in Bayern e.V organisierte Veranstaltung beginnt um 19:00 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Demo: Landfriedensbruch – Kein Friede mit den Reichenhaller Zuständen

Landfriedensbruch- Kein Friede mit den Reichenhaller Zuständen

Aufruf zur antifaschistischen Demonstration am Sa, 10.05.14 in Bad Reichenhall

Die Zustände in Bad Reichenhall sind weiterhin unerträglich. Es war offensichtlich ein Fehler kleine Zeichen, wie die Umbenennung der Reichenhaller Bundeswehrkaserne, 1 als erste Schritte in Richtung einer demokratischen Aufarbeitung der Stadtgeschichte zu werten und 2013 auf eine antifaschistische Demonstration zu verzichten2. Denn es hat sich weiter nichts geändert. Auch heute noch ist eine ekelhafte Mischung aus Geschichtsrevisionismus, Militarismus und Nationalismus prägend für den rechten „Dorffrieden“ in dem braunen Bergnest. Wie selbstverständlich führen Neonazis, ohne zivilgesellschaftlichen Protest, weiterhin SS-Gedenkfeiern durch. Immer noch prägen ein Reichsadler und ein nationalsozialistisches Landser-Gemälde das Bild der örtlichen Kaserne. Der Kameradenkreis der Gebirgstruppe, von Kritiker_innen auch als “Selbsthilfegruppe von Kriegsverbrechern”3 bezeichnet, führt weiterhin jährlich eine geschichtsrevisionistische Kretafreier durch 4 – ohne Widerspruch, aber unter Teilnahme der örtlichen Politprominenz. Weder wurde die Kreta-Brücke umbenannt, noch wurde das SS-Denkmal am Bad Reichenhaller Friedhof entfernt. Auch ein öffentliches Erinnern an die Kriegsverbrechen der Reichenhaller Gebirgsjäger oder an den lokalen antifaschistischen/antimilitaristischen Widerstand 5 findet bis heute nicht statt. Bad Reichenhall bettelt richtiggehend um eine erneute antifaschistische Intervention im Jahr 2014.

Kein Friede mit der deutschen Gedenkpolitik
Dem Klischee nach ticken die Uhren im bayerischen Hinterland langsamer als im Rest der Republik. Die Alpenregion hat den Ruf des rückwärtsgewandten konservativen, wenn nicht gar reaktionären heimat-kitschig Verklärten inne. Spätestens, wenn von geschichtspoltischen Themen die Rede ist, unternehmen Ortschaften wie Bad Reichenhall so ziemlich alles, um dieses Image auch noch zu übertreffen.
Die beschaulich-schaurige Tourismusidylle lebt mit und auch von der dortigen Kaserne, die 1934 von der Wehrmacht gegründet wurde und seit 1958 von der Bundeswehr weiter betrieben wird. Kritische Stimmen sind in dieser Umwelt spärlich gesät. So ist es dort weiterhin mehr als selbstverständlich, dass sich alljährlich Mitte Mai Soldat_innen der Bundeswehr vereint mit der örtlichen Politprominenz versammeln, um eine Gedenkveranstaltung anlässlich des deutschen Überfalls auf die griechische Insel Kreta 1941 abzuhalten. Solche Veranstaltungen stehen im Licht des Geschichtsrevisionismus und der Relativierung bzw. Nicht-Beachtung der begangenen Verbrechen vor dem Hintergrund der mehr oder minder offenen Traditionspflege der Bundeswehr zur Wehrmacht als ihrer Vorgängerorganisation. In solchen Gedenken herrschen Erzählungen vor, in denen die Deutschen in ersten Linie als Opfer und nicht als Täter_innen und Verantwortliche für ihre Greueltaten erscheinen.
So erinnerte der lokale Vorsitzende des Kameradenkreises der Gebirgstruppe, Manfred Held, beim letzten „Kreta-Gedenken“ 2013 vor allem an die gefallenen deutschen Soldaten* auf Kreta und die mehr als 200 Bürger_innen der Stadt Reichenhall, die am 25. April 1945 bei einem alliierten Luftangriff starben. Desweiteren war es ihm ein Anliegen, in einem Aufwasch auch an die im Einsatz gefallenen Soldaten_innen der Bundeswehr in Afghanistan und andernorts zu erinnern. So erscheint es vor diesem Hintergrund schon fast als enormer Fortschritt, dass 2012 zum ersten Mal einer Vertreterin des griechischen Konsulats aus München ein Redebeitrag eingeräumt wurde und somit der Mord an hunderten Griech_innen wenigstens nicht mehr komplett geleugnet wurde 6. Doch Reichenhall wäre nicht Reichenhall, wäre dieses Zugeständnis nicht im Sinne des pauschalisierenden Gedenkens „an alle Opfer“ erfolgt. In diesem Gestus des gleichsamen Einbeziehens Aller wird die Aggression der nationalsozialistischen Truppen derart verharmlost, als dass sie mit ihren Opfern auf die selbe Stufe gestellt werden. Doch selbst dieses Mindestmaß an Veränderung im offiziellen Gedenken findet wohl kaum aus Einsicht statt. Vielmehr sollte es Anlass dazu sein, auch die veränderten geopolitischen Rahmenbedingungen, unter deren Einfluss die deutsche Außenpolitik und ihre Armee stehen, in die Kritik miteinzubeziehen.
So ist es für uns als Antifaschist_innen eine absolute Selbstverständlichkeit, die Umbennenung einer Kaserne zu fordern, die den Namen eines nationalsozialistischen Massenmörders trägt, wie es bei der General-Konrad-Kaserne in Bad Reichenhall der Fall war, obwohl wir als Antimilitarist_innen natürlich allein die Existenz dieser Einrichtung als Kriegserklärung empfinden. Gleichwohl war es für uns zu jedem Zeitpunkt klar, dass die – mittlerweile erfolgte – Umbennenung lediglich das Allermindeste ist. Wir sind uns allerdings nicht sicher, ob es sich bei dieser Maßnahme in erster Linie um ein, so weit als nötiges, Zurückweichen vor kritischer Öffentlichkeit und nicht viel eher um den Ausdruck einer Modernisierung der Erinnerungspolitik an deutsche Invasor_innen handelt. Fest steht: Beim Kameradenkreis ist diese Veränderung noch nicht angekommen. Dieser verherrlicht auch 2013 noch 7 den antisemitischen Massenmörder Konrad, bekannt als „Schlächter von der Krim” 8.

Kein Friede mit dem deutschen Militarismus
Heute soll die Bundeswehr als selbsverständliches Mittel zur Durchsetzung ökonomischer und machtpolitischer Interessen Deutschlands etabliert werden. Denn grundsätzlich ist militärische Durchsetzungskraft eine Grundvoraussetzung für die dauerhafte Existenz kapitalistischer Herrschaft. Primär dienen Militärschläge dabei der Öffnung neuer und der Absicherung gefährdeter Märkte: Zugriff auf Rohstoffe einerseits, Absatz der nationalen Produktion und auch Erschließung von Transportwegen andererseits. Sekundär wird die nationale Einheit geschmiedet. Unterstrichen wird dieser Prozess durch waffenkeynesianistische Effekte: Wo auch immer auf der Welt moderne Waffendepots geleert werden, fast immer klingelt die Kasse der deutschen Metall- und Elektroindustrie, und dagegen hat auch die sozialdemokratische Führung der Industriegewerkschaft Metall nichts einzuwenden.
Auch das Berchtesgadener Land profitiert über seine beiden Kasernen hinaus als Rüstungsstandort. Rund 10 km von Bad Reichenhall entfernt werden aktiv Kriegswaffen produziert 9. Die Rheinmetall Waffen Munitions GmbH hat in Fronau 13, 83458 Schneizlreuth einen ihrer acht deutschen Standorte der “Defence-Sparte”. Rund 60 Physiker_innen, Informatiker_innen und Ingenieur_innen aus den Bereichen Maschinenbau, Elektrotechnik sowie Luft- und Raumfahrt stellen hier modernstes Kriegsgerät her. Der Landrat Grabner und Schneizlreuths Bürgermeister Bauregger klatschen auch noch Beifall, wenn die Hersteller_innen der Mordsgeräte „insbesondere mit Blick auf die Auslandseinsätze der NATO-Streitkräfte die umfassende Produktpalette des Unternehmens” 10 präsentieren.
Über all dem schwebt das bizarre Ränkespiel auf dem internationalen Parkett: Wer mit wem, mit oder ohne UN-Mandat, und wie in einen bewaffneten Konflikt einsteigt oder nicht – solche Fragen werden bisweilen zum abstrahierten Selbstzweck, selbstredend ohne auch nur einen ernst gemeinten Gedanken an die Zivilbevölkerung in einer Region der Begierde zu verschwenden. Die BRD strebt beispielsweise aktuell einen ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat an. Dafür muss sie qua Staatsräson hin und wieder „Verantwortung übernehmen“ und „Handlungsfähigkeit beweisen“. Und das geht umso leichter von der Hand, je stärker eine Gesellschaft militarisiert ist und hinter „ihren Jungs“ steht.
Das funktioniert im Berchtesgadener Land ausgezeichnet: „Zwischen die Stadt Bad Reichenhall und die Bundeswehr passt kein Blatt Papier,“ posaunt Oberbürgermeister Lackner 2011 bei einem „Rückkehrer-Appell“ samt öffentlichem Gelöbnis. Verliehen wurden zugleich noch „Einsatzmedaillen“ und „Ehrenkreuze“. Der Burschenschafter und damalige Bundesverkehrsminister Ramsauer kommentierte als Schirmherr der Veranstaltung, es sei „richtig und wichtig, dass Soldaten wieder für ihre Tapferkeit geehrt werden können.“ Die in Afghanistan eingesetzten Gebirgsjäger feierten dabei „die glückliche Rückkehr inmitten der Bevölkerung“. Wenn deutsche Soldat_innen zurückkehren aus der Ferne, wo sie für Deutschlands Belange getötet haben, soll sie ein dankbares Volk empfangen und dementsprechend auch ordentlich trauern, wenn sie doch einmal in Leichensäcken zurück an den Absender geschickt werden. In Bad Reichenhall beginnt die militaristische Sozialisation für den Geschmack der öffentlichen Wahrnehmung nun doch etwas zu früh. Bereits Kinder konnten am Tag der offenen Tür der Bundeswehrkaserne in Bad Reichenhall mit Zielerfassungssystemen von Panzerfäusten auf ein nachgebautes Dorf mit dem Namen „Klein-Mitrovica“ zielen. Dieser Versuch die Akzeptanz für die gesellschaftliche Militarisierung herzustellen, ging als Schuss nach hinten los und als „Klein-Mitrovica-Skandal“ in die internationale Medienberichterstattung ein 11.

Kein Friede mit dem Nazi-und SS- Gedenken
Der skandalöse (Nicht-)Umgang Reichenhalls mit dem jährlichen SS-Gedenken ist ebenfalls äußerst widerlich. „Die haben ja nicht für eine abzulehnende Ideologie gekämpft.“ So charakterisiert Karl Welser , Gründer der Volkshochschule Bad Reichenhall und ehemaliger Stadtrat, die französischen Freiwilligen in der Waffen-SS, die im Mai 1945 im Ortsteil Karlstein von den amerikanischen Befreiern erschossen wurden. Hämisch ergänzt er in einem geschichtsrevisionistischen Pseudo-Dokumentarfilm, es möge sein, dass sich „Rote“ daran stören könnten, was in Reichenhall aber niemand interessiere, man sei hier ja „konservativ bis auf die Knochen“. Und zwar so konservativ, dass die Knochen der SS-Leute nach einer Umbettung im Jahr 1949 auch ihren Platz am heimischen Friedhof St. Zeno finden konnten und so posthum in die Reichenhaller Dorfgemeinschaft integriert wurden.
In Bad Reichenhall dreht sich die NS-Verherrlichung längst nicht nur um die Wehrmacht. Hier wird gleich der SS gehuldigt. Zur Erinnerung: Die Waffen-SS wurde vom internationalen Militärgerichtshof als verbrecherische Organisation eingestuft wegen ihrer besonders aktiven Rolle im nationalsozialistischen Vernichtungskrieg. In ihren Reihen haben sich überdurchschnittlich viele überzeugte Nationalsozialist_innen verdingt (Bei grafischer Gestaltung Zitat Welser hier setzen). Die 33. Waffen-Grenadier-Division der SS „Charlemagne“, um die es in Reichenhall geht, war vor allem in der „Partisan_innenbekämpfung“ im Vernichtungskrieg im Osten eingesetzt – wohinter sich in der Regel das besonders brutale Vorgehen gegen die Zivilbevölkerung verbirgt. Später verteidigten die verbliebenen Teile dieser Division die Stadt Berlin selbst dann noch, als sich die Wehrmacht und mit ihr die meisten „volksdeutschen“ Nazis zurückgezogen hatten, bis zur dortigen Kapitulation am 2.Mai 1945.
Über die Jahre etablierte sich in Reichenhall ein ungestörtes Treffen von Faschist_innen und Alt-Nazis aus ganz Europa, darunter beispielsweise eine „Ehrengarde Benito Mussolini“. Als die Polizei erstmals Teilnehmer_innen im Jahr 2006 kontrolliert, findet sie Sprengmittel sowie funktionsfähige Schusswaffen und hindert einen PKW am Weiterfahren mit einer Kanonenlafette. Danach wandelte sich die Gedenkveranstaltung zu einer Art „Geheimtipp“ für die bundesdeutsche Naziszene, die rund um den 8. Mai sonst überall mit Widerstand rechnen muss.
In Reichenhall ist das Gegenteil der Fall: Oben genannter Welser stiftet stellvertretend für das Reichenhaller Bürger_innentum sogar noch eine zweite Gedenkplatte am Friedhof St. Zeno. Erst 2007 wird das Denkmal am Kugelbachparkplatz entfernt und der zugrunde liegende Pachtvertrag von Seiten der bayerischen Staatsforste aufgekündigt. Es wird allerdings nicht zweckdienlich am Wertstoffhof recycelt, sondern – wie sollte es in Reichenhall anders sein – auf den Friedhof St. Zeno verbracht.
Und auch nach unseren zwei Demonstrationen und einer örtlich diskutierten Plakataktion des Rabatz-Bündnisses mit der entsprechenden Aufforderung hat sich 2013 kein_e Reichenhaller_in gefunden, der_die etwas gegen das SS-Gedenken unternommen hätte. Und dabei hätten sie sogar zweimal die Chance gehabt, weil NPD-nahe Kreise und das Freie Netz Süd an zwei unterschiedlichen Tagen getrennt voneinander ein Gedenken abhielten.

Kein Friede mit den Neonazis
Womit wir bei der lokalen Naziszene angekommen wären. Nach all dem, was wir über das politische Klima Reichenhalls und des Berchtesgadener Landes und den vorherrschenden verharmlosenden bis revisionistischen Umgang mit der NS-Vergangenheit feststellen mussten, können die Aktivitäten junger Nazis nicht überraschen. Dass diese auf so einem Nährboden weitgehend ungestört agieren können, ist im Grunde vorhersehbar.
Bei unserer ersten Demo in Bad Reichenhall 2011 wird den Teilnehmenden aus einem rechten Mob heraus der Hitler-Gruß entgegengestreckt 12. Dass es dabei nicht bleiben muss, zeigen die gewaltsamen Übergriffe von Neonazis der Kameradschaft Berchtesgadener Land auf eine antirassistische Demonstration in Aachen im November 2013. Auch ansonsten ist die lokale Szene sehr reisefreudig: Wenn es ihnen in ihrem Landkreis zu langweilig wird, fuhren sie in der Vergangenheit zum bei Vöcklabruck, Österreich, gelegenen Objekt 21 13, besuchten andere geschichtsrevisionistische Veranstaltungen wie das “Heimkehrertreffen” am Kärntner Ulrichsberg 14 oder das Veneto Fest in Norditalien, dem Verbindungen zum in Deutschland verbotenen Blood and Honour-Netzwerk nachgesagt werden. Auf Facebook posieren sie anschließend schon mal mit einer „Bad Reichenhall Hate Society” Flagge, zeigen den Hitler-Gruß und tragen T-Shirts mit der Aufschrift „University Auschwitz – gegründet 1941 – Genetik, Ethnologie, Endlösung“.
Vor Ort entfaltet die Kameradschaft BGL vielfache Propaganda-Aktivitäten, deren Ideologie sich zum Beispiel 15 in der Unterstützung für den in Österreich inhaftierten Nazikader und Holocaustleugner Gottfried Küssel zeigt. Die Aktionen reichen von Flugblattverteilungen (u.a.vor dem NS-Dokumentationszentrum Obersalzberg 16) über Transparentaktionen 17 zu Geldsammlungen bei Liederabenden. Solche nationalen Liederabende, wie sie u.a. im Freilassinger Pils-Pub K2 stattfanden, sind ein Teil rechter Erlebniswelt vor der eigenen Haustüre. Mit dem Neonazi-Liedermacher „Edei“ (Manfred Edelmann) aus Piding wohnt auch ein international agierender Hassmusiker 18 in der Region.
Weiterhin pflegt die Kameradschaft um Mathias Häuslmann, Alexander Donninger, Benjamin Hager und Florian Gottschling intensive Kontakte zum nazistischen Freien Netz Süd und der NPD-Tarnorganisation Bürgerinitiative Ausländerstopp München. Dabei stehen sie im Kontakt mit Personen, die 2003 in Planungen eines Bombenanschlags auf die Eröffnung des jüdischen Gemeindezentrums in München involviert waren.

LAND-FRIEDEN (s)-BRUCH
Kurzum, wir finden die geschichtsrevisionistischen, nationalistischen und militaristischen Zustände im Berchtesgadener LAND unerträglich. Dieser FRIEDEN mit allem erdenklichen Reaktionären bedarf einer erneuten antifaschistischen Intervention. Fordern wir einen BRUCH mit der rechten Traditionspflege und dem Militarismus sowie ein aktives Vorgehen gegen Alt- und Neonazis. Lasst uns am Samstag, den 10.Mai 2014 kraftvoll und entschlossen für die Entmilitarisierung und Entnazifizierung Bad Reichenhalls auf die Straße gehen. Zeigen wir, dass wir diesen Müll nicht weiter tolerieren werden. Bad Reichenhall soll die Demonstration als eine „letzte Warnung“ betrachten: Denn mögliche antifaschistische Aktions- und Interventionsformen beschränken sich ja nicht auf eine jährliche Demonstration.

In diesem Sinne:

Hoch die Partisann_innen !
Alt- und Neonazis bekämpfen !
Rechte Traditionspflege angreifen !
War starts here – let’s stop it here !

Kommt am Sa, 10.05.14 zu antifaschistischen Demonstration nach Bad Reichenhall | 13:30 Uhr |”Kretabrücke”

1 Seit August 2012 trägt die Kaserne nicht mehr den Namen des „Schlächters von der Krim“, dem antisemitischen Massenmörder und Nazigeneral Rudolf Konrad, sondern heißt jetzt “Hochstaufen-Kaserne”.

2 “An die Bevölkerung von Bad Reichenhall” lautete eine Veröffentlichung des Rabatz-Bündnisses, welche den Verzicht auf eine antifaschistische Demonstration im Jahr 2013 erläuterte, aber von der Bad Reichenhaller Zivilgesellschaft zwölf weitere Schritte forderte (vgl. http://badreichenhall.tk/2013/04/an-die-bevoelkerung-von-bad-reichenhall/).

3 3Sat (2009) : Ruhm oder Schande? (http://www.3sat.de/page/?source=/kulturzeit/themen/135718/index.html).

4 Das Kretagedenken findet 2014 voraussichtlich am Mittwoch 21.05. um 11:00 Uhr an der “Kreta-Brücke” statt.

5 Wie er u.a.von Johann Winkler und Gottfried Reischl aus Bad Reichenhall praktiziert wurde. Die beiden stellten unter anderem mit einem Gummibuchstaben-Druckkasten kleine antifaschistische Agitationszettel her, und steckten diese in Bad Reichenhaller Gaststätten in die Mäntel von Soldaten*. Als Winkler und Reischl an Ostern 1936 versuchten in die Tschechoslowakei zu fliehen, wurden sie verhaftet und nach München gebracht, wo Reischl ermordet wurde. Winkler starb 1942 im Konzentrationslager Ravensbrück. Das Rabatz-Bündnis fordert deshalb seit 2011 die Umbenennung der Kreta Brücke in Winkler-Reischl-Brücke (weitere Informationen:http://badreichenhall.tk/2011/05/brueckenumbenennung-gefordert/). Dies ist nur ein Beispiel, es gib mehrere Reichenhaller_innen, die anifaschistischen Widerstand leisteteten. Johannes Lang erwähnt im Buch „Geschichte von Bad Reichenhall“ (2009) einige weitere Beispiele: So sahen Reichenhaller Sozialdemokrat_innen bereits 1923 eine Gefahr in den Nazis und gründeten eine sozialdemokratische „Sicherheitsabteilung” mit über 100 Personen um gegen Naziaktionen vorzugehen (vgl. S. 705). Als am 6. März 1931 eine NSDAP Parteiversammlung stattfand, endete diese in einer Saalschlacht zwischen Nazis und Antifaschist_innen (Kommunist_innen und Anhänger_innen des SPD nahen Reichsbanner), wobei es über 30 Verletzte gab (vgl. S. 736). Und als bekannt wurde, dass am 30.01.31 Nationalsozialisten das Büro der Bad Reichenhaller KPD überfallen wollten, patroullierten rund 80 Kommunist_innen in der Kurstadt. In der Poststraße kam es dann zu schweren Zusammenstößen (u.a. mit Schußwaffen, Knüppeln und Messern, vgl. S. 740).

6 Während der deutschen Besatzung der Mittelmeerinsel Kreta beging die deutsche Wehrmacht zahlreiche Kriegsverbrechen. Über 3500 Zivilist_innen wurden als Partisan_innen und deren Unterstützer_innen hingerichtet und über 30 Dörfer komplett zerstört. Viele dieser grauenvollen Verbrechen sind bis heute weder aufgearbeitet, noch wurden die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen. Die Zerstörung der Ortschaft Skines und die Erschießung von 148 kretischen Zivilist_innen am 1. August 1941 sind aber beispielsweise den Bad Reichenhaller „Gebirgsjägern“ der 5. Division nachzuweisen. Diese Kriegsverbrechen der Bad Reichenhaller Gebirgsjäger wurden vom Rabatz-Bündnis Anfang 2011 intensiv thematisiert. Manfred Held, Vorsitzenden des örtlichen Kameradenkreises, stellte aber noch im Juli 2011 gegen über der Süddeutschen Zeitung klar: “Ich will nicht über Kriegsverbrechen reden, wenn ich der Gebirgsjäger gedenke”.

7 Beispielsweise mit einem „Gedenken“ am Grab von General Konrad am Friedhof St. Zeno, durchgeführt von der Kameradschaft Bad Reichenhall im Kameradenkreis der Gebirgstruppe e.V. und anderen am 26.10.2013.

8 Rudolf Konrad, war der erste Kommandeur des 1935 in Bad Reichenhall aufgestellten Gebirgsjäger-Regiments 100. Konrad bewies sich bereits im Vernichtungskrieg auf der Krim als antisemitischer Massenmörder. In diesem vom nationalsozialistischen Vernichtungswahn getriebenen Feldzug ließ Konrad komplette Orte dem Erdboden gleichmachen. Konrad war außerdem bei der Gründung des Kameradenkreises der Gebirgstruppe beteiligt. Dort erklärte er: „Wir hoffen, dass in der neuen Schale die gleichen Männer, die alten Soldaten stecken, die einst Kraft und Ruhm des deutschen Heeres und der Stolz des deutschen Volkes waren.“ Weitere Infos: http://badreichenhall.tk/2012/04/wir-fordern-die-umbenennung-der-general-konrad-kaserne-bad-reichenhall/ und http://badreichenhall.tk/2011/06/auch-name-der-kaserne-ist-skandaloes/

9 vgl. Thomas Rödl (2013): Regionalstudie Oberbayern. In Bayern unter Waffen! Wirtschaft ohne Rüstung – geht das? Rüstung in Bayern – eine Standort-Analyse. Download: http://www.rosalux.de/fileadmin/ls_bayern/dokumente/20130612_SR_24_BayernUnterWaffen_GehtWirtschaftOhneRuestung_Tagungsberichte.pdf

10 Euregio (2008): Schutzsysteme von Rheinmetall Defence sind weltweit gefragt.

http://www.euregio-salzburg.eu/gemeindeamt/html/MI_EuRegio_Dialog_RWM2.pdf

11 Der „Klein-Mitrovica-Skandal“ wurde durch eine Pressemitteilung des Rabatz-Bündnis (vgl. http://www.euregio-salzburg.eu/gemeindeamt/html/MI_EuRegio_Dialog_RWM2.pdf) öffentlich, alle bedeutenden Medien berichteten von dem Skandal (vgl. http://badreichenhall.tk/2011/06/reaktionen-zum-reichenhaller-klein-mitrovica-skandal/) und der Fall erreichte in kürzester Zeit sogar eine außenpolitische Ebene (vgl. http://badreichenhall.tk/2011/06/staatsanwaltschaft-ermittelt-aussenpolitische-ebene-erreicht/).

12 2013 wurde dafür ein 53-jähriger Ortsansässiger zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Die Lokalpresse berichtete wiefolgt über die Gründe für die Gerichtsverhandlung: “Der ehemalige Maschinenbau-Ingenieur ist bei der Polizei kein Unbekannter. Seit Jahren taucht der Reichenhaller in der rechten Szene auf. Vor rund zwei Jahren hat er Mitarbeiter des Jobcenters beleidigt, hat in den dortigen Räumen eine junge Türkin massiv eingeschüchtert und schließlich bei einer Demonstration des linken Bündnisses ‘Rabatz’ den sogenannten ‘Hitlergruß’ gezeigt” (http://www.reichenhaller-tagblatt.de/region+lokal/landkreis-berchtesgadener-land/bad-reichenhall_artikel,-Hitlergruss-bei-Linken-Demo-in-Reichenhall-_arid,44563.html%29).

13 Im März 2010 gründeten Neonazis aus dem Dunstkreis der örtlichen (informellen) Blood & Honour-Strukturen im oberösterreichischen Desselbrunn den Verein Objekt 21. Die Neonazigruppe hatte insgesammt rund 200 Mitglieder und Sympathisant_innen. Neben NS-Wiederbetätigung gingen Brandanschläge, Drogenhandel, Schutzgelderpressung und schwere Misshandlungen auf das Konto des kriminelles Neonazinetzwerkes. Im November 2013 wurden sieben Männer im Alter von 23 bis 33 Jahren aus der Führungsriege des Objekt 21 vom Landesgericht Wels zu Haftstrafen zwischen 18 Monaten bedingt und sechs Jahren verurteilt. Die Staatsanwaltschaft Wels hat gegen alle sieben Urteile Berufung angekündigt (vgl. www.antifainfoblatt.de/artikel/objekt-21, http://www.stopptdierechten.at/?s=objekt+21 u.a.).

14 Das umstrittene Ulrichsbergtreffen ist eines der größten Treffen von Veteranen der nationalsozialistischen Wehrmacht und (Waffen-)SS in Europa. Weitere Infos gibt es u.a.auf u-berg.at

15 Daneben ließen sich dutzende Flugblattverteilungen zu unterschiedlichen Themen aufzählen.

16 Flugblattverteilungen gab es nicht nur im Berchtesgadener Land sondern auch im grenznahen Österreich, u.a. in der Salzburger Altstadt vor Mozarts Geburtshaus oder in Haushaltsverteilungen in Bürmoos und Oberndorf.

17 So wurde ein Acht-Meter-Transparent, auf dem die Freilassung Küssels gefordert wurde, an einem deutsch-österreichischen Grenzübergang angebracht, und offensichtlich mehrere Tage von niemandem entfernt.

18 Manfred Edelmann war auch zeitweilig als Bassist der Rechtsrockband “Kraftschlag” tätig. Ein Panorama-Beitrag sowie der Dokumentarfilm „Blut muss fließen – Undercover unter Nazis” zeigen Edei bei einem Blood and Honour-Konzert in Ungarn. In dem Mitschnitt grölt der frühere Administrator des Internetportals „Widerstand Süd“ „Adolf Hitler steig hernieder und regiere Deutschland wieder“ gefolgt von brutaler antisemitischer Hetze (vgl. http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2007/erste5118.pdf).

* Erläuterung zur Genderexpression in diesem Aufruf:
Wir verwenden im Allgemeinen den Gender Gap (z.B. “Bewohner_innen”). Bei der Bezeichnung von Angehörigen der deutschen Wehrmacht und der SS erscheint es uns angemessener, die männliche Form zu benützen. Hier würde eine Schreibweise mit Gender Gap eine Verschleierung der Tatsache bedeuten, dass die bezeichneten Personen mit größter Wahrscheinlichkeit ausschließlich Männer* waren und zudem eine patriarchale Norm von kriegerischer Männlichkeit verkörpern. Der Stern (z.B. “Soldaten*”) weist darauf hin, dass soziales Geschlecht keineswegs “natürlich” ist, sondern durch Sozialisation entsteht und sozial konstruiert ist.

06.04.14: Die Geige aus Cervarolo (Der politische Film)

Am Sonntag den 06.04.2014 zeigt die infogruppe rosenheim im Z den Film „Die Geige aus Cervarolo“(2012, 75 Min.). Die erzählerische Dokumentation handelt von einem Kriegsverbrechen deutscher Truppen im Reggianer Apennin gelegenen Dorf Cervarolo.
Im März 1944 durchkämmten Einheiten der “Fallschirm-Panzerdivision Hermann Göring” zusammen mit faschistischen italienischen Einheiten im Zuge der “Partisanenbekämpfung” den Apennin in der Gegend von Modena. Dabei kamen sie auch in das abgelegene Dorf Cervarolo, ermordeten dort 24 Frauen, Männer und Kinder und steckten anschließend den Ort in Brand.

Wie so viele andere geriet auch dieses Massaker an Zivilisten in Vergessenheit. Als 1994 eher zufällig umfangreiche Unterlagen bei der Militärstaatsanwaltschaft in Rom gefunden wurden, begannen neue Ermittlungen, die zu einem Prozess in Verona und schließlich im Juni 2011 zur Verurteilung – in Abwesenheit – von sechs noch lebenden ehemaligen Wehrmachtssoldaten führte.

Im Laufe der Ermittlungen und des Prozesses entstand unter der Regie von Nico Guidetti und Matthias Durchfeld der Dokumentarfilm “Die Geige aus Cervarolo”.

Hauptfigur des Films ist Itali Rovali aus Cervarolo, dessen Großvater und Onkel bei dem Massaker ermordet wurden. Als Angehöriger und als Jurist machte er sich vor Jahren auf Spurensuche und rekonstruierte den Hergang des Geschehens und die Identität der Täter, was schließlich zum Prozess führte. Unterstützt wurde er vor allem durch Frauen und Männer aus Cervarolo, die das Massaker damals als Kinder miterleben mussten. Durch ihre Schilderungen werden auch sie zu wichtigen Personen des Films und des Prozesses. Und eine wichtige Rolle spielt auch jene Geige von Rovalis Vater, die wie durch ein Wunder das Massaker “überlebte” …
Die Filmvorführung ist eine Kooperation der infogruppe rosenheim mit dem Kurt-Eisner-Verein – Rosa Luxemburg Stiftung Bayern und beginnt um 19.00 Uhr im Z, dem Linken Zentrum in Selbstverwaltung (Innstr. 45a, Rosenheim). Das Z hat ab 18:00 Uhr geöffnet und ab 18.30 Uhr gibt es Essen gegen Spende. Weitere Informationen zum Film gibt es im Internet unter Siehe auch Homepage zum Film: www.popcultdocs.com/violino_german.html und den Trailer zum Film gibt es hier:

Anmerkung:
Mit der Filmvorführung will die infogruppe rosenheim auch auf andere, durch deutsche Truppen begangen Massaker an Zivilisten hinweisen, wie das Massaker von Skines. Am 1. August 1941 zerstörten Gebirgsjäger aus Bad Reichenhall die griechische Ortschaft und ermordeten 148 Zivilist_innen (Weitere Infos: http://badreichenhall.tk/2011/07/reichenhall-kriegsverbrechen-nicht-verschweigen/). Die Kriegsverbrechen der Reichenhaller Gebirgsjäger werden jedoch im Berchtesgadner Land bis heute großteils verschwiegen. Statt dessen wird der Täter im Rahmen einer geschichtsrevisionistischen Kretagedenkfeier gedacht. Am So 13.04.14 findet deshalb im Rosenheimer Z auch eine Infoveranstaltung zu den „Bad Reichenhaller Zuständen“ statt . Rund um den 11.Mai sind in Bad Reichenhall antifaschistische/antimilitaristische Aktionen geplant. Weitere Infos gibt es in Kürze unter: badreichenhall.tk